Gesundheit

Symposium: Schmerz betrifft den ganzen Menschen

In diesen Tagen feiert das Anton Proksch Institut als größte europäische Klinik für Suchterkrankungen ihren 60. Geburtstag. Bei einem Symposium aus diesem Anlass in Wien ging es um das Thema "Schmerz - Vom Leiden des Menschen".

Michael Musalek, Ärztlicher Leiter des Anton-Proksch-Instituts. SN/privat
Michael Musalek, Ärztlicher Leiter des Anton-Proksch-Instituts.

"Schmerz ist ein Phänomen, das jeder von uns kennt und das uns völlig derangiert. Schmerz ist etwas, das uns immer als Ganzes betrifft", sagte der ärztliche Leiter des Instituts, Michael Musalek, Freitagvormittag im Rahmen seines Eröffnungsvortrages.

Die potenzielle Verbindung zu Abhängigkeit und Sucht ist für die Medizin nicht neu. Vom Alkohol über Tranquilizer und Schmerzmittel bis hin zu Opioiden und Schlafmitteln sowie Antidepressiva werden viele Substanzen und Substanzgruppen zur Linderung der Symptome angewendet. Setze man sie ab, seien oft ohne Begleittherapie die Symptome wieder da - und es bestehe die Gefahr des Entstehens von Abhängigkeit, sagte der Psychiater.

Mindestens ein Drittel aller Abhängigen weist psychische Erkrankungen wie Depressionen, Angstzustände oder Psychosen auf. Chronische Schmerzen, Depressionen, Angststörungen und Suchtverhalten sind damit häufig zusammen wirkende Faktoren. Musalek sagte: "Die Suchtstörung ist selbst eine Komorbidität zu Schmerzen, Depressionen und Angststörungen." Oft würden Depressionen oder Angststörungen erst das Entstehen von Sucht auslösen. Was zuerst da ist bzw. als Komplikation hinzukommt, lässt sich nicht immer klären, ist aber für eine umfassende Therapie auch nicht entscheidend. "Es ist immer der ganze Mensch, der Schmerz empfindet."

Deshalb sollte speziell die Therapie chronischer Schmerzen immer sowohl die Symptome selbst als auch die Grunderkrankung, die psychische Situation des Betroffenen und seine Umwelt positiv beeinflussen. Aus den schmerzbedingten Beeinträchtigungen auf allen diesen Ebenen setze sich das Leiden der Patienten erst zusammen. Das Leid zu ignorieren, sei für die Patienten am schlimmsten. "Das Furchtbarste für einen Schmerzpatienten ist, dass man ihm sagt, er hat gar keinen Schmerz", betonte der Psychiater. Auch wenn die Medizin keine offenkundige Ursache der Symptome identifizieren könne oder der Meinung sei, eine bestimmte Behandlung müsste eigentlich schon für ausreichend Linderung sorgen - das Empfinden des Betroffenen müsse entscheidend für das Vorgehen des Arztes sein.

Quelle: APA

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