Gesundheit

Tattoofarben bleiben im Abwehrnetz des Körpers

Von vielen in Tätowiermitteln verwendeten Stoffen ist nicht bekannt, wie sie langfristig wirken. Auch nicht permanente Tattoos können Schaden anrichten.

90 Prozent der tätowierten Menschen denken, dass Tattoos kein Gesundheitsrisiko darstellen. SN/APA/AFP/WANG ZHAO
90 Prozent der tätowierten Menschen denken, dass Tattoos kein Gesundheitsrisiko darstellen.

Sich Tattoos stechen zu lassen gilt als zeitgemäß. 25 Prozent der weiblichen und männlichen Österreicher tragen irgendwo am Körper ein Hautbild, aber nur wenige Tätowierte oder solche, die sich tätowieren lassen wollen, halten die Körperkunst für gesundheitsschädlich. Für Deutschland hat das jüngst das Bundesinstitut für Risikobewertung erhoben. Der Befund gilt auch für Österreich.

Im Visier der Bewerter ist nicht nur das Stechen selbst, das mit einem Infektionsrisiko verbunden ist, wenn die Nadeln nicht steril sind oder keine Einweghandschuhe verwendet werden.

Über die kleinen Wunden ist auch eine Infektion möglich, so etwa mit HIV, Hepatitis B, Hepatitis C oder Herpes sowie mit Bakterien oder Pilzen. Professionelle Tattoostudios befolgen mittlerweile allerdings strikt Hygienerichtlinien.

Darüber hinaus ist nicht geklärt, wie sich die Pigmente der Farben langfristig im Körper auswirken, wie Andreas Hensel, Mikrobiologe und Präsident des Bundesinstituts, erklärt: "Es gibt wissenschaftliche Belege dafür, dass Farbpigmente aus den Tattoos in das Lymphsystem wandern können." Phagozytierende Zellen nehmen die wasserunlöslichen Stoffe auf und transportieren sie ab, was das Verblassen von Tattoos kurz nach dem Stechen erklärt. Phagozyten oder Fresszellen bilden einen Teil der körpereigenen Infektionsabwehr. In den Lymphknoten werden Krankheitserreger und Fremdkörper entsorgt. Die Lymphe ist so wesentlicher Bestandteil des Immunsystems.

Die Farbpigmente können sich im Lymphsystem als Nanopartikel dauerhaft ablagern und je nach Struktur und Verunreinigungen toxisch sein. Diese Nanoteilchen verhalten sich wegen ihrer geringen Größe chemisch manchmal anders als größere Partikel, sodass völlig unklar ist, welche Gefahr von ihnen ausgeht. Bereits 2005 zeigte sich in Tierversuchen, dass sich Tattoofarben in den Lymphknoten anreichern.

Zudem können Stoffwechselprodukte mit wiederum eigenen gesundheitsgefährdenden Eigenschaften entstehen, wenn die Pigmente zu anderen Organen transportiert werden. Ob die Farben abtransportiert werden oder sich in der Leber, der Milz oder im Gehirn ansammeln, ist unbekannt. Für viele in Tätowiermitteln verwendete Stoffe ist nicht bekannt, wie sie im Körper wirken. Groß angelegte Langzeituntersuchungen fehlen immer noch.

Ein Beispiel: Schwarze Tattootinte enthält Ruß, der aus Erdöl hergestellt wird und polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) enthält. Einige Substanzen dieser Stoffgruppe sind krebserregend. Zwar gibt es auch eine gereinigte Tinte für kosmetische Anwendungen, doch die ist teuer und wird nicht immer verwendet. Immer wieder finden sich PAK-haltige Tätowierfarben, so etwa in einem Test der deutschen Stiftung Warentest. Etliche Farbstoffe, die zum Tätowieren verwendet werden, wurden in erster Linie für den Einsatz als Druckertinten, Pigmente in Lacken oder zum Färben von Plastik entwickelt.

In Österreich dürfen laut Gesetz nur Farben verwendet werden, die unbedenklich für die Gesundheit sind. Sie müssen steril und gut verträglich sein, sie dürfen nicht giftig sein und keine Allergien auslösen. Ob jemand auf bestimmte Inhaltsstoffe von Farben allergisch reagiert, lässt sich vorher kaum bestimmen. Einen verlässlichen Test zur Überprüfung des Allergierisikos von Tätowierfarben gibt es bis jetzt nicht. Eine Liste mit schädlichen Farben hat die EU veröffentlichen lassen. Darauf stehen Farben, die Blei, Barium und Quecksilber enthalten. Besonders problematisch sind etwa Azofarbstoffe. Diese sind vorwiegend in bunten Tätowierfarben enthalten und wegen ihrer Leuchtkraft sehr beliebt. Azofarbstoffe können jedoch durch Sonneneinstrahlung krebserregende Spaltprodukte bilden.

Eine Liste mit garantiert unbedenklichen Farben gibt es nicht.

Das österreichische Gesundheitsministerium warnt auf seiner Homepage zudem vor Henna-Tattoos, die zwar nur auf die Haut aufgemalt werden, doch für längere Haltbarkeit zusätzliche Farbpigmente enthalten, auf die die Haut stark mit Allergien und Ausschlägen reagieren kann.

Entfernt werden können Tattoos mittels Laser. Dabei zerstört Laserlicht die Farbpigmente in der Haut, diese werden dann von Fresszellen abtransportiert. Das energiereiche Laserlicht kann aus den Farbpartikeln aber auch giftige Spaltprodukte freisetzen. Wie sich diese im Körper verhalten, ist nicht erforscht.

Infos:https://www.wko.at/branchen/gewerbe-handwerk/fusspfleger-kosmetiker-masseure/RAPEX_Meldungen.html und

www.sozialministerium.at

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