Gesundheit

Wandern macht Lust auf Bewegung

Das Gehen im Gelände ist gut für Herz und Kreislauf, für Knochen, Gelenke und Muskeln. Wer auf das Mountainbike umsteigt, sollte schon grundsätzlich trainiert sein.

Gutes Schuhwerk gehört natürlich auch dazu.  SN/yarik - stock.adobe.com
Gutes Schuhwerk gehört natürlich auch dazu.

Sport und Freizeitverhalten sind wie alles oft bestimmten Moden unterworfen.

Doch seit der Entdeckung der Bergwelt für den Massentourismus sind zwei Bewegungsarten bei Jung und Älter erstaunlich beliebt geblieben: das Wandern und das Bergsteigen. Mountainbiken gehört mittlerweile auch dazu. Eine Zahl kann das ein wenig verdeutlichen. Mehr als 573.000 Menschen sind inzwischen Mitglied beim Österreichischen Alpenverein (ÖAV). Laut ÖAV wurden seit dem Stichtag am 31. Dezember 2018 28.136 weitere Mitglieder - das sind 5,2 Prozent mehr - verzeichnet.

Es stellt sich zwangsläufig die Frage, in welchem Ausmaß ist Bergsport gesund? Wolfgang Schobersberger ist Vizepräsident der Österreichischen Gesellschaft für Alpin- und Höhenmedizin sowie Leiter des Instituts für Sportmedizin (ISAG) der Tirol Kliniken und UMIT Hall. "Wir haben für den Bereich zwischen 1500 und 2500 Metern Höhe sehr viele Studien dazu gemacht", sagt er und fügt hinzu: "Wie bei allem kommt es auf das rechte Maß an. Ich kann sagen, ja, Bergsport ist gesund, aber …"

Unter den vielen Bergwanderern sei ein erheblicher Anteil an Menschen unterwegs, die orthopädische und/oder internistische Probleme hätten. Wer sich lange Zeit wenig oder gar nicht sportlich betätigt habe, dem sei zu raten, dass er eine sportmedizinische Abklärung absolviere und sich seine Ziele realistisch setze: "Man sollte es nicht wie viele Touristen machen und am ersten Tag den höchsten Gipfel erklimmen wollen. Es gibt Statistiken, die zeigen, dass dann vor allem beim Abwärtsgehen die Unfälle passieren, weil die Wanderer übermüdet sind und eine schlechte Koordination haben. Sie stolpern und fallen hin", sagt Wolfgang Schobersberger. Ansonsten gilt: Wandern und Bergsteigen haben sehr viele positive Auswirkungen. Sie sind moderate Bewegungsformen über mehrere Stunden hinweg und daher - regelmäßig betrieben - gut für das Herz-Kreislauf-System. Ausdauer und Koordination werden trainiert. "Das Gelände ist abwechslungsreich, manchmal auch steinig, sodass der Körper sich anpassen und eben koordinieren muss. Das geht nicht, wenn man im Flachland unterwegs ist. Das Auf- und Abwärtsgehen fordert zudem die Muskulatur. Das ist eine sehr gute Gelegenheit, die Muskeln des Stützapparats zu trainieren", sagt Wolfgang Schobersberger. Dies komme dem ganzen Körper zugute, mit der Zeit werde man trittsicherer und das motiviere sehr. Wie beim Langlaufen könne man noch Stöcke hinzunehmen, um Nacken und Rückenmuskulatur zu stärken. Die schöne Kulisse der Bergwelt mit dem natürlichen Licht und der Vielfalt der Farben ist auch eine Abwechslung für die Augen. "Das hat für die Psyche einen wichtigen Effekt", stellt Wolfgang Schobersberger fest.

Wie beim Wandern und Bergsteigen kommt es auch beim Mountainbiken auf die Dosis an. "Ich fahre selbst begeistert Mountainbike und rate daher, dass man schon grundtrainiert ist, wenn man eine Bergtour macht. Es ist eine intensive Sportart. Neueinsteiger sollten aufpassen", sagt Wolfgang Schobersberger. Beim Mountainbiken werden Ausdauer, Koordination, Reaktionsvermögen und Konzentration geschult.

Ein besonderes Thema sind die E-Bikes: Eine Mehrheit der E-Biker sehe die Räder nicht als Trainingsgerät, sondern als Fortbewegungsmittel, mit dem man bequemer nach oben komme. Das sei gut im Falle einer Rehabilitation, für die Motivation, um wieder Spaß an Bewegung zu bekommen. Wer damit trainieren wolle, müsse auf den trainingsrelevanten Pulsbereich achten. Alle Neueinsteiger sollten sich auf normalen Straßen mit dem Rad vertraut machen. "Das Unfallrisiko ist hoch. Gefährlich ist das Abwärtsfahren auf Schotterstraßen. Man muss dann wissen, wie das Rad zu handhaben ist", so lautet Wolfgang Schobersbergers Rat.

Aufgerufen am 20.10.2020 um 11:23 auf https://www.sn.at/leben/gesundheit/wandern-macht-lust-auf-bewegung-69451537

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