Gesundheit

Weniger Schlaf bedeutet mehr Diabetes-Risiko

Menschen mit Schlafmangel essen fetter, kalorienreicher, ungesünder - das kann zu Diabetes führen.

Weniger Schlaf bedeutet mehr Diabetes-Risiko SN/bilderbox
Schlafen ist gesund.

Lange Abende am Computer oder vor dem Fernseher, aber auch Nachtschichten im Betrieb fördern Übergewicht und die Entwicklung eines Metabolischen Syndroms, das die Vorstufe zu Diabetes bedeutet. Diese hormonelle Störung könnte nach Einschätzung der Deutschen Gesellschaft für Endokrinologie (DGE) durch eine bessere Schlafhygiene vermieden werden.

Ein Metabolisches Syndrom ist für Ärzte leicht zu erkennen. Die Betroffenen sind stark übergewichtig, mit einer bevorzugten Fetteinlagerung am Bauch. Sie haben einen erhöhten Blutdruck, und im Blut steigen die Zucker- und Fettwerte. In Deutschland und wohl auch Österreich weist etwa jeder fünfte Erwachsene diese Kombination auf, die das Risiko für Herzinfarkt und Schlaganfall erhöht. Als wesentliche Ursachen des Metabolischen Syndroms gelten Bewegungsmangel und Überernährung.

Doch weniger bekannt ist, dass auch Schlafmangel das hormonelle Gleichgewicht stören kann. Die Beweislage ist laut Sebastian Schmid von der Medizinischen Universitätsklinik I in Lübeck eindeutig. "Jede Stunde weniger Schlaf pro Tag ist in epidemiologischen Studien mit einer Zunahme von Übergewicht, Typ-2-Diabetes, erhöhten Cholesterinwerten und einem Bluthochdruck verbunden", sagte der Leiter der Endokrinologie, Diabetologie & Internistischen Adipositasmedizin an der deutschen Klinik laut einer Aussendung der DGE.

Auch der Zusammenhang zwischen einer verkürzten nächtlichen Schlafdauer und einem erhöhten Sterberisiko gilt als belegt. "Chronischer Schlafmangel kann zu einem früheren Tod führen", sagte Schmid.

Den Ursachen sind der deutsche Experte und andere Forscher im Schlaflabor auf den Grund gegangen. Schlafentzug, aber auch eine Störung des normalen Tag-Nacht-Wechsels führen dort schon in wenigen Tagen zu einer hormonellen Störung, die als Insulinresistenz bezeichnet wird. "Die Patienten haben erhöhte Blutzuckerwerte, obwohl sie vermehrt Insulin produzieren", erklärte Schmid. Außerdem verschiebt sich das Gleichgewicht von Hunger regulierenden Hormonen. Die Folge ist ein vermehrter Appetit. Es kommt im limbischen System des Gehirns außerdem zu einer Aktivitätsänderung der Belohnungszentren. "Menschen mit Schlafmangel greifen dann gerne zu energiedichten Lebensmitteln wie Chips oder Schokoladenriegeln", sagte der Experte aus Lübeck. "Auf Karotten oder andere gesunde Nahrungsmittel haben sie dagegen keine Lust." Nicht ausgeschlafene Menschen essen gerne und sie essen viel. "Die Studien zeigen, dass Schlafmangel den Hunger, Appetit und letztlich auch die Nahrungsaufnahme steigern kann."

Aber auch zu viel Schlaf wurde in mehreren Studien mit ungünstigen Folgen wie Übergewicht und einem höheren Risiko für Diabetes in Zusammenhang gebracht, erklärte Matthias Weber, Leiter der Endokrinologie der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz. Das Risiko scheint besonders dann erhöht zu sein, wenn ein Zuviel an Schlaf (d. h. mehr als neun Stunden am Tag) mit wenig Bewegung verbunden ist. Es scheint nicht nur darauf anzukommen, nicht zu wenig zu schlafen, um eine damit möglicherweise verbundene übermäßige Kalorienaufnahme zu vermeiden. Man sollte auch auf eine optimale Balance von Aktivität und Ruhephasen mit ausreichender Bewegung und Vermeidung von übermäßigem Stress achten, was dann meist auch zu einer optimalen Schlafdauer von sieben bis acht Stunden führt.

Weltweit sind etwa 415 Millionen Menschen an Diabetes erkrankt. 2015 gab es fünf Millionen Todesfälle wegen Diabetes. Bis zum Jahr 2040 rechnen Fachleute mit mehr als 640 Millionen Menschen mit Diabetes.

Quelle: APA

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