Gesundheit

Wenn der große Zeh drückt

Der Hallux valgus ist die häufigste Fußfehlstellung. Vor allem Frauen sind betroffen, was auch am Schuhwerk liegt. Im Anfangsstadium kann man mit Fußgymnastik noch einiges bewirken.

Bei diesem Model sind Anzeichen eines Halux zu sehen.  SN/AP
Bei diesem Model sind Anzeichen eines Halux zu sehen.

Er sieht nicht schön aus und tut auch noch weh: Der Hallux valgus, allgemein bekannt als Überbein oder Frostballen, ist eine Schiefstellung der großen Zehe, wobei der Großzehenballen am Fußinnenrand hervortritt. Durch die langfristige Beeinträchtigung der Funktion des Fußes kommt es im Anschluss zu Schmerzen, Schwellungen und Rötungen.

Beim Hallux valgus handelt es sich um die häufigste Fehlstellung des Vorfußes und der Zehen. Während bei einem gesunden Fuß die Zehenknochen gerade ausgerichtet sind, neigt sich bei einem Hallux valgus das Grundgelenk der Großzehe nach außen. Durch diese Abspreizung des ersten Mittelfußknochens wird der Fuß breiter. An seiner Innenseite wird eine mehr oder weniger große und charakteristische Wölbung am Großzehengrundgelenk sichtbar. Unbehandelt verändert die Großzehe zunehmend ihre Ausrichtung und schiebt sich über oder unter die Kleinzehen. Sie verdrängt diese aus ihrer natürlichen Position, was zu weiteren Fußdeformitäten führt.

"Anfangs ist der Frostballen nur gering und fallweise gerötet. Wird der Hallux nicht behandelt und weiterhin falsches Schuhwerk getragen, werden die Ausprägungen stärker. In weiterer Folge schiebt sich die große Zehe über oder unter die benachbarte kleine und führt zu Fehlstellungen weiterer Zehen", sagt der Wiener Facharzt für Orthopädie, Max Böhler.

Wo anfangs nur ein ästhetisches Problem ist, entwickelt sich der Hallux valgus zu einem schmerzhaften Begleiter: Der Fuß kann im fortgeschrittenen Stadium nicht mehr schmerzfrei abgerollt werden und der Betroffene hat Schmerzen beim Gehen. In diesem Fall kann die Fehlstellung nur noch mit einer Operation behandelt werden. Mithilfe eines Röntgenbildes kann das Ausmaß der Deformität genau festgestellt und eine geeignete Therapie vom Orthopäden empfohlen werden.

Es gibt auch eine erbliche Ursache

Oft ist die Ursache eines Hallux valgus eine vererbte Bindegewebsschwäche, die einen Senk- und Spreizfuß zur Folge hat. Durch die verminderte Spannung der Bänder kommt es zu einer Abflachung des Fußes, welche beim Gehen das Quergewölbe des Fußes stark belastet und dafür sorgt, dass dieses immer breiter wird. Diese Verbreiterung verursacht die Schwäche der Bandverbindungen zwischen den Mittelfußknochen und begünstigt die Schiefstellung. "Neben der erblichen Veranlagung ist das Tragen von falschem Schuhwerk die häufigste Ursache.

Zu enge oder zu spitze Schuhe aber auch zu hohe Absätze verformen den Fuß, erhöhen den Druck auf den Vorfuß und verschlimmern die Ausprägung der Fehlstellung.

Sollte es bereits eine genetische Veranlagung für einen Hallux valgus geben, kann man bereits früh der Fehlstellung vorbeugen. Sehr wichtig ist vor allem ein geeignetes Schuhwerk, um den Zehen mehr Platz und dem Fuß mehr Komfort zu bieten und druckbedingte Schmerzen zu vermeiden. Die Schuhe sollten flach, weit und nicht zu klein sein. Übungen, Physiotherapie und das Tragen von bequemen Schuhen sind der erste Schritt, um das Risiko einer Fehlstellung zu vermindern.

Hier einige kleine Übungen

Selbst kurze Zehenübungen tragen bereits positiv zur Fußgesundheit bei. Eine gut trainierte Muskulatur fördere die Herstellung der Form und Stabilität des beweglichen Fußgewölbes. Durch die Aktivierung und den Aufbau der Fuß- und Zehenmuskeln werde das vordere Fußgewölbe gestärkt und aufgerichtet, wie auch Experten des Fußzentrums Wien erklären.

Gut ist zudem das Gehen auf Naturboden (Kiesel, Gras) zur generellen Stimulation der Fußmuskeln. Die Fußmuskulatur stärkt sich von ganz allein, wenn dem Fuß und vor allem den Zehen die Möglichkeit zu mehr Bewegung gegeben wird. Zum Üben: Barfuß auf eine feste Unterlage stellen. Die Zehen anheben. Es folgt die Steigerung, bis man auf der Zehenspitze steht. Kurz halten und langsam wieder abrollen. Diese Übung kann auch wechselseitig durchgeführt werden. Der Umfang der Zehengymnastik Übungseinheit sollte 10 Mal den vollständig durchgeführten Ablauf, nicht übersteigen. Diese Dehnübungen beanspruchen vor allem den Großzeh.

Rollen eines kleinen Balles: Hierzu legt man auf eine harte Unterfläche einen Ball (geeignet ist ein Golfball). Den unbekleideten Fuß stellt man darauf. Nun beginnt man, den Ball unterhalb der Fußsohle, hin und her zu bewegen. Diese Übung sollte man zwei Minuten durchführen. Da es eine angenehme Massage der Fußreflexzonen ist, kann auch der nicht betroffene Fuß, mit in diese Übungen einbezogen werden. Diese Übung sollte im Sitzen durchgeführt werden.

Wenn alles nichts mehr hilft, ist eine Operation notwendig

Sind die ersten Anzeichen einer Fehlstellung bemerkbar, kann man die Symptome wie Schmerzen und Entzündungen durch das Tragen von bequemen Schuhen, Schuheinlagen mit Stütze und Hallux-valgus-Schienen lindern. Die Beschwerden lassen sich dadurch abschwächen und das Verschlimmern der Fehlstellung kann verlangsamt werden. Eine Korrektur ist damit jedoch nicht möglich.

Sollte es sich bei der Schiefstellung lediglich um ein ästhetisches Manko handeln, ist eine Operation nicht unbedingt notwendig, kann jedoch mit einem Orthopäden in Erwägung gezogen werden. Im schlimmsten Fall, wenn es schon zu Dauerschmerzen beim Gehen kommt, sollte die Fehlstellung jedenfalls operativ korrigiert werden. Bei einem operativen Eingriff werden die korrekte Fußstellung und die Ausrichtung des Zehengelenkes wiederhergestellt.

Je nach Operationsmethode ist nach dem Eingriff körperliche Schonung für zwei bis drei Wochen notwendig. Zumeist dürfen die Patienten den operierten Fuß unmittelbar nach dem Eingriff unter Verwendung eines Rehabilitationsschuhes voll belasten. Hierbei wird der operierte Vorfuß geschont, die Gewichtsübertragung erfolgt ausschließlich über die Ferse. Dieser Schuh muss für etwa vier bis sechs Wochen getragen werden.

Aufgerufen am 27.11.2021 um 03:19 auf https://www.sn.at/leben/gesundheit/wenn-der-grosse-zeh-drueckt-36778564

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