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100% Recycling: Klingt gut, doch was steckt dahinter?

Waren in frühen Kindertagen bunte Verpackungen, lustige Karikaturen und einprägsame Werbeslogans für die Wahl eines Produktes im Supermarkt verantwortlich, sind es heute diverse Begrifflichkeiten. Ganz vorne dabei sind mitunter "nachhaltig" "wiederverwertbar" und "Recycling". Je mehr Gütesiegel dann noch auf die Verpackung gedruckt sind, desto besser. Im Grunde ist dieser Prozess der "Auslese" nicht der schlechteste, doch was kauft man hier eigentlich? Was bedeutet es, wenn die Verpackung aus z.B. 100% recyceltem Material besteht? Was packe ich mir da in den Einkaufswagen - womöglich auch ein Stück Verantwortung?

Recyceltes Material ist oft ein Verkaufsargument, doch was bedeutet das eigentlich? Und was passiert mit dem Plastik im Hausmüll? SN/pexels
Recyceltes Material ist oft ein Verkaufsargument, doch was bedeutet das eigentlich? Und was passiert mit dem Plastik im Hausmüll?

Hand aufs Herz: Es gibt auch im Erwachsenenalter durchaus noch Produkte, deren Kaufentscheidung eine Kindheitserinnerungen, ein TV-Spots mit Ohrwurmpotenzial oder einfach eine schöne Verpackung, zugrunde liegt. Doch in den letzten Jahren hat sich, mitunter durch die verstärkte Auseinandersetzung mit Themen wie Umwelt und Klima, das Bewusstsein und damit der Konsum verändert. Nicht zuletzt durch die aktuelle Corona-Pandemie sind auch wieder vermehrt die eigene Gesundheit sowie Regionalität in den Mittelpunkt gerückt.

Was bedeutet Recycling?

Ein Blick auf das Waschmittel zeigt, dass die Verpackung zu 100% aus Altplastik hergestellt wurde. Klingt doch ganz gut, doch welcher Abfall wird dafür verwendet und wird auch aus dem Kunststoff aus dem eigenen Hausmüll etwas Neues?
Recycling, also das wiederverwenden von Material, ist keine Erfindung der Neuzeit. Schon vor Jahrhunderten wurde Altmetall gesammelt und eingeschmolzen um etwas Neues und Brauchbares zu produzieren. Forscher der Universität Tel Aviv haben recycelte Werkzeuge gefunden, die Schätzungen zufolge vor über 1 Million Jahren zum Einsatz kamen. Laut Experten steckte hinter dem Recycling der frühen Menschen eine Überlebensstrategie. Heute tun wir es in erster Linie für den Umweltschutz, doch dieser ist die Basis unseres Überlebens - also gehen die Intentionen gar nicht so weit auseinander. Doch dazu später mehr.
Heute werden beim Recycling wiederverwertbare Abfälle durch verschiedene Methoden in neue Rohstoffe verwandelt. Ziel von Recycling ist ein ständiger Kreislauf von bestehenden Rohstoffen, in welchen nur in geringen Mengen oder kein neues Material zugeführt werden muss.

Da der Kreislauf irgendwo starten muss, machen wir den Anfang bei uns zu Hause. Nachdem der letzte Tropfen des Waschmittels aus der Verpackung ist, geht es für die Verpackung…ja, wohin eigentlich? In Österreich fallen im Jahr zirka 1,4 Millionen Tonnen Restmüll an, das entsprich rund 166 Kilo pro Kopf. Die Montanuniversität Leoben hat 2018 ermittelt, dass zirka die Hälfte davon, wiederverwertbares Material wie Kunststoffe, Altglas und Biomüll einnimmt.
Gesamt werden rund 87% des Restmülls thermisch verwertet, also verbrannt. Darunter eben auch viele wiederverwertbare Materialien wie PET-Flaschen und Kunststoffverpackungen. Doch unserer Waschmittel-Verpackung soll es anders ergehen und dies beginnt mit der richtigen Mülltrennung. Dies schont die Umwelt und die Ressourcen. Damit die Waschmittel-Verpackung also recycelt werden kann, kommt sie in die gelbe Tonne oder in den gelben Sack.

Wie funktioniert Recycling?

In Österreich werden folgende Abfälle im Optimalfall getrennt gesammelt:

  • Bioabfälle
  • Altpapier / Karton
  • Altglas
  • Altmetalle / Dosen
  • Kunststoffverpackungen
  • Problemstoffe
  • Altkleider
  • Styropor
  • Elektrogeräte
  • Getränkeverbundkartons

Vor allem der Bereich Kunststoffrecycling ist in den letzten Jahren in aller Munde und beschäftigt auch die österreichische Wirtschaft und Politik. Denn laut aktueller Zahlen werden nur 22,5% der heimischen Plastikabfälle wiederverwertet. Laut EU soll die Recyclingquote jedoch bis 2030 rund 55% betragen. Laut Experten wird trotz aktiver Beteiligung an der Mülltrennung noch immer zu viel Plastikmüll verbrannt. Ein Grund dafür ist der große Aufwand beim Trennen der Kunststoffabfälle. Mit gängigen Sortiersystemen ist es quasi unmöglich sowie sehr kostenintensiv, die verschiedenen Kunststoffe die sich zum Teil in einer einzigen Verpackung befinden, voneinander zu trennen. Da die meisten Kunststoffverpackungen aus einem Plastik-Gemisch oder verschiedenen Schichten unterschiedlicher Materialien bestehen und diese nur unter hohem Energieaufwand in die Einzelteile zerlegt werden können, landen die Verpackungen am Ende häufig in Verbrennungsanlagen zur Energiegewinnung.

Best Practice Kunststoff-Kreislaufwirtschaft: Das ständige Wiederverwenden von Rohstoffen SN/sn
Best Practice Kunststoff-Kreislaufwirtschaft: Das ständige Wiederverwenden von Rohstoffen


In der Sortiermaschine wird der Plastikmüll nach Qualität des Kunststoffs getrennt. Dabei wird der weitere Weg entschieden. So ergeht es auch unserer Waschmittel-Verpackung. Handelt es sich hierbei um sortenreinen Kunststoff, dann ist die Chance groß, dass das Material nach einer gründlichen Reinigung sowie einer Weiterverarbeitung zu Flakes und Granulatkörner, wieder die ursprüngliche Rolle einer Waschmaschinen-Verpackung einnehmen wird - oder zumindest eine Rolle mit ähnlichem Wert.
Handelt es sich jedoch um Kunststoff minderer Qualität sowie Kunststoff-Gemische die von der Sortieranlage nicht in einzelne Bestandteile getrennt werden können, dann ist unsere Waschmittel-Verpackung mit ziemlicher Sicherheit zum Downcycling verdonnert. Dies bedeutet das Gegenteil von einem Upgrade - denn aus dem einstigen Material der Waschmaschinen-Verpackung wird dann z.B. eine Mülltonne.

Was können Unternehmen und Konsumenten für eine bessere Recyclingquote tun?

Man hat das Plastik- und Giftproblem bisher immer als ein Thema der Moral behandelt. Dabei ist es eine Frage der Innovation: Es geht darum, bessere Materialien zu entwickeln. Michael Braungart, Ökodesign-Experte


Zu viele Kunststoffverpackungen werden nicht für die Wiederverwertung entworfen. Für Unternehmen ist es daher wichtig, schon beim Design der Flasche auf Recycling zu achten und sicherzustellen, dass Recycling möglich ist. Da recyclingfreundliche Verpackungen nicht gesetzlich vorgeschrieben sind, liegt es auch in den Händen der Konsumenten, ein Zeichen zu setzen. Beim Einkauf sollte daher auf folgendes geachtet werden:

  • Besteht die Verpackung aus einem einzigen Material (z.B. nur aus Plastik)?
  • Lassen sich bei einem Produkt mit mehreren Materialien, die einzelnen Elemente gut voneinander trennen (z.B. Plastik und Karton)?
  • Wurde heller oder transparenter Kunststoff verwendet (nicht eingefärbt)?
  • Lassen sich Verschluss, Etiketten, etc. leicht entfernen?

Am besten informiert man sich jedoch vor dem Kauf über das Unternehmen und deren Recyclingphilosophie. Auch auf den Produkten selbst finden Verbraucher häufig einen Hinweis darauf, ob das Produkt aus recyceltem Material besteht und ob die Verpackung für Recycling geeignet ist.

In Europa gilt die Marke Frosch (u.a. Haushaltsreiniger) seit den 80er Jahren als Vorreiter in den Bereichen Recycling und Nachhaltigkeit. So werden die Frosch-Flaschen zu 100% aus Altplastik hergestellt - inklusive Haushaltsmüll aus der gelben Tonne bzw. dem gelben Sack. Das Unternehmen wurde seit der Gründung mehrmals mit Verpackungs- und Umweltpreisen ausgezeichnet.

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Warum ist Recycling so wichtig?

Mit Recycling schonen wir Ressourcen, da das Material immer und immer wieder in den Kreislauf aufgenommen und verwertet wird. So entlasten wir die Umwelt und das Klima, denn die Herstellung von neuen Rohstoffen aus u.a. Rohöl, wird minimiert. Das schlägt sich auch positiv auf die Co2-Bilanz nieder.
Ein weiterer Grund ist, dass laut WWF jährlich 4,8 - 12,7 Millionen Tonnen Plastik im Meer landen. Dies wird zunehmend zum Problem, da es zahntausenden Tieren das Leben kostet. Dies sollte auch uns Menschen nicht kalt lassen, denn kleine Partikel werden von Tieren aufgenommen, die durch die Nahrungsaufnahme dann auch in den menschlichen Organismus gelangen. Plastik gelangt in Form von Mikroplastik durch z.B. Kosmetikprodukte, jedoch auch durch achtlos weggeworfenen Müll, ins Meer. Laut Global2000 gelangen so jährlich rund 40 Tonnen Plastik in die Donau und dementsprechend auch in die Weltmeere. Das Problem stellt daher der Umgang mit vorhandenem Plastik dar. Nur wenn Plastik immer wieder verwendet wird, kann die Umwelt von unnötigen Plastikabfällen befreit werden.


Darum gilt es, schon zu Hause die unterschiedlichen Materialien voneinander zu trennen und richtig zu entsorgen. Das hilft dabei, den Rohstoffen ein längeres Leben zu ermöglichen. Beim Kauf auf recyclingfreundliche Verpackungen achten - im Optimalfall aus recyceltem Altplastik, denn dieses Material wurde schon einmal recycelt und in den Kreislauf zurückgeführt. Und wer weiß, vielleicht steckt in unserer nächsten Spülmittel-Flasche ein bisschen was von unserer Waschmittel-Verpackung.


Aufgerufen am 16.01.2022 um 11:00 auf https://www.sn.at/leben/lifestyle/100-recycling-klingt-gut-doch-was-steckt-dahinter-96183814

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