Lifestyle

Barfuß geht's besser

Die Schwäbische Bäderstraße. Hier, zwischen Bodensee und Allgäu, liegt der Ursprung der Kneipp-Kur.

Schon mal vom Barfußindianer von Bad Wörishofen gehört? Nein, das hat nichts mit dem sächsischen Schriftsteller Karl May zu tun. Für zünftige Sprüche jedoch ist Toni Fenkl, wie er im richtigen Leben heißt, bekannt. Es ist ein Erlebnis, mit dem passionierten Barfußgeher und Kneipp-Anhänger durch den Kurpark des Allgäuer Kurstädtchens zu gehen. Der wurde schon Ende des 19. Jahrhunderts vom Verschönerungsverein angelegt, als Initiator gilt Erzherzog Joseph von Österreich, dem Kneipp nach einem Ischiasanfall Linderung verschafft hatte.

Toni Fenkl, ein stattliches Mannsbild mit grauer Mähne und ebensolchem Bart, tritt standesgemäß barfuß und in kurzer Lederhose auf. Heute geht es über den Barfußweg, der 1,6 Kilometer lang ist und viel Abwechslung bietet. Da sind weiche Baumnadeln im Wald, die Kühle von taufrischem Rasen, das Kribbeln auf den Sohlen durch Rindenmulch oder die unterschiedlichsten Steine von weichem Sand bis zu richtig grobem Kies. Man kommt am wunderbaren Rosengarten vorbei, passiert eine lebendige Sonnenuhr und kann in einer Grube durch Moorschlamm waten. An einer Station sind die unterschiedlichen Fußmaße angegeben, einst eine der wichtigsten Längeneinheiten und in Deutschland erst 1875 durch den Meter abgelöst, in vielen Regionen jedoch unterschiedlich groß. Daher ist der Wörishofener Barfußweg für einen Chinesen 4330 Fuß lang, ein Bayer legt dort aber 5308 Fuß zurück.

Barfuß gehen und sich durch Güsse mit kaltem Wasser behandeln - für Fenkl gehört das jedenfalls zusammen. "Der Körper hat 40.000 Wärmerezeptoren, aber 200.000 Kälterezeptoren." Schuhe und Socken kann man am Beginn des Wegs in verschließbaren Boxen verstauen, damit man sie nicht tragen muss. Schon Pfarrer Kneipp habe gesagt, Barfußlaufen sei der Anfang aller Abhärtung und wirke "wie ein Zugpflaster", weil es den Stoffwechsel anrege. Wer barfuß geht, stärkt auch die Muskulatur, das Gleichgewicht verbessert sich. Kurz gesagt: "Barfußlaufen ist das beste Mittel zur Entschleunigung", erklärt Toni Fenkl.

Sebastian Kneipp (1821-1897) stammte aus einer Weberfamilie in Stephansried in Oberschwaben, verdingte sich als Hirte und Knecht und wird mit über 20 Jahren Lateinschüler beim Kaplan Matthias Merkle in Grönenbach - die Basis für das Gymnasium und das Theologiestudium, das Kneipp mit 27 Jahren beginnt. Er leidet unter Tuberkulose. Dann stößt er auf das Buch "Von der Kraft und Wirkung frischen Wassers in die Leiber der Menschen" aus 1749, von Johann Siegmund Hahn, Stadtphysikus in Schweidnitz in Schlesien, und heilt sich durch Tauchbäder in der eiskalten Donau bei Dillingen in Bayern selbst.

Kneipp wird später mehrfach wegen Kurpfuscherei angezeigt. Ab 1855 lebt er als Beichtvater bei den Dominikanerinnen in Bad Wörishofen. Seine Aufgabe war es, das Kloster wirtschaftlich wieder in Schwung zu bringen. Heute ist dort die KurOase als Hotel der Kolpinggruppe und macht ihrem Namen alle Ehre. Pfarrer Kneipp war bereits 65 Jahre alt, als er 1886 "Meine Wasserkur" veröffentlichte. Das Buch wurde in 14 Sprachen übersetzt, 1888 wurde das erste Badehaus in Wörishofen eröffnet. Der Zulauf war enorm. Kneipps Lehren vom Wassertreten sind heute noch weitverbreitet, und die von dem befreundeten Apotheker Leonhard Oberhäußer gegründeten Kneipp-Werke in Würzburg sind mit ihren Pflegeprodukten auch erfolgreich.

Zum Schluss wollen wir den Barfußindianer Toni Fenkl nochmals zu Wort kommen lassen. Da empfiehlt er den "kalten Halsguss" - also einen Besuch im Biergarten. "Das ist eine Kneipp-Anwendung", betont Fenkl und grinst. Wohl bekomm's!

Tipp: Kneipp-Anwendungen mit kaltem Wasser nie mit kalten Händen oder Füßen machen, immer vorher aufwärmen. Der Guss soll nicht länger als 30 Sekunden dauern, beim Wassertreten immer einen Fuß aus dem Wasser heben (Storchengang).

SCHWÄBISCHE BÄDERSTRASSE

Die Kurorte entlang der "Schwäbischen Bäderstraße" kooperieren schon seit mehr als vier Jahrzehnten, ganz ohne "Kirchturmdenken". Den ersten gemeinsamen Werbeprospekt gab es 1979, ein Jahr später das einheitliche Logo mit dem typischen barocken Kirchturmdach in Braun und einer Welle in Blau. Heute zählen neun Kurorte zur rund 180 Kilometer langen Bäderstraße: Überlingen am Bodensee, Bad Saulgau, Bad Buchau, Bad Schussenried, Aulendorf, Bad Waldsee, Bad Wurzach, Bad Grönenbach und eben Bad Wörishofen. Die einen sind Thermal- oder Moorheilbäder, andere konzentrieren sich auf Kneipp-Anwendungen. In Aulendorf steht neben dem Schloss ein Mammutbaum, den Kaiserin Sisi gestiftet hat. In Bad Waldsee fließt der Urbach direkt durch das Gelände der Außensaunen. Und es gibt ausgefallene Aufgüsse wie etwa Eis mit Minze.
Die Bäderstraße hat natürlich auch einen Bäderradweg, der sich über rund 250 Kilometer vom Bodensee über das oberschwäbische Hügelland bis ins Allgäu schlängelt, mit typischen Ried- und Moorflächen und sanften Hügeln und Wäldern. Zur Infrastruktur gehören natürlich heute auch E-Bike-Verleihstationen.
www.schwaebische-baederstrasse.de

Aufgerufen am 28.11.2021 um 07:42 auf https://www.sn.at/leben/lifestyle/barfuss-geht-s-besser-69883474

Kommentare

Schlagzeilen