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Beauty: Seifenoper und Handarbeit

Selten standen die Hände so im Mittelpunkt wie jetzt. Häufiges Waschen und Desinfektion sind Pflicht, machen die Hände aber nicht schöner. Das ist die Aufgabe von extra viel Pflege.

Ein Sprichwort sagt: Es gibt nichts Gutes, außer man tut es. Häufiges und gründliches Händewaschen zählt nicht nur in Coronazeiten - auch andere Krankheitserreger verbreiten sich bekanntlich von Hand zu Hand - zu den simpelsten und effizientesten Vorsichtsmaßnahmen, die man ergreifen kann, um sich und andere zu schützen.

Aber: So wichtig eine gründliche Handhygiene für die Gesundheit ist, so belastend ist sie für das Aussehen der Hände, die durch den häufigen Kontakt mit Wasser und Reinigungsmitteln zwar sauber, aber auch trockener und deutlich empfindlicher werden können.

Innen- und Außenansicht

Das liegt daran, dass die Haut an den Händen anders ist als die anderer Körperregionen. Und es liegt daran, dass die Haut an den Innenflächen und am Handrücken große Unterschiede aufweist. An den Innenflächen ist sie relativ dick, da sie mit einer robusten Hornschicht bedeckt ist. Sie hat reichlich Fett- und Bindegewebe, ist gut gepolstert, um gegen Druck gerüstet zu sein. Die Innenflächen sind mit reichlich Schweißdrüsen ausgestattet, allerdings haben sie keine Haare (wäre ja noch schöner!), keine Talgdrüsen und nur wenig von dem, was die Dermatologie natürliche Feuchthaltefaktoren (NMF) nennt. Der Handrücken hingegen weist kaum Unterhautfettgewebe auf, ist besonders dünn und (meist) auch nur von wenigen Härchen überzogen. Das sieht schön aus, bedeutet aber leider auch, dass die Anzahl der Talgdrüsen geringer ist. Das ist deshalb bedauerlich, weil sie den Talg liefern, der die Haut mit Lipiden und feuchtigkeitsbindenden Bestandteilen versorgt. Die Haut am Handrücken enthält weniger Fette und kann wenig Feuchtigkeit binden, neigt also von Natur aus schon zu Trockenheit.

Vielen Einflüssen ausgesetzt

Von ihrem Aufbau her sind Hände eigentlich ganz gut für das, was sie tun, ausgerüstet - und das ist, wenn man erst einmal darüber nachdenkt, ganz schön viel. Hände sind nicht nur Viel- und Schwerarbeiter, sie sind auch Feinwerkzeuge. Fast pausenlos für uns im Einsatz und deshalb vielfältigsten Belastungen ausgesetzt. Das sind nicht nur mechanische und chemische Reize, sondern auch äußere Einflüsse wie Wind, Kälte, Sonnenlicht und trockene Luft, die, wenn man die Hände vor ihnen nicht in Schutz nimmt, Spuren hinterlassen.

Aussagekräftig

Hände sind für uns ja nicht nur Werkzeug, sie sind auch als Kommunikationsmittel unentbehrlich. Nicht unbedingt, weil wir so gern mit Händen reden. Es ist vor allem ihr Aussehen, das (mit)bestimmt, wie ein Gegenüber uns einschätzt. Da können Hände zu fiesen Verrätern werden! Man sieht ihnen blitzschnell ihr wahres Alter an und welche Arbeit sie verrichten müssen. Und es lässt sich mit einem Blick erkennen, wie wir mit ihnen umgehen. Ob wir sie gut behandeln. Oder eben nicht.

Ausnahmezustand

Über die Notwendigkeit, sich regelmäßig die Hände zu waschen, besteht kein Zweifel. Bedenkt man allerdings, dass der Haut bei jedem Waschgang Feuchtigkeit und schützendes Fett entzogen werden, dann besteht ebenfalls kein Zweifel daran, dass sie sich jetzt in einem echten Ausnahmezustand befindet. Bis sich nämlich der Hydrolipidfilm (aus Wasser, fettspaltenden Enzymen, Hornzellen, Talg und Schweiß), der nicht nur die Haut vor Austrocknung bewahrt, sondern eine nahezu unüberwindbare Barriere gegen Bakterien und Viren darstellt, wieder von selbst gebildet hat, haben wir uns inzwischen erneut einige Male die Hände gewaschen. So wird die Haut allmählich trocken, sie spannt, schuppt oder juckt. Und ist in diesem Zustand leichtes Opfer für Bakterien und Co.

Strafverschärfung

Es ist Herbst, die Temperaturen sinken und auch das ist für die Hände, die sich noch dazu meist in exponierter Lage befinden, alles andere als fein. Ist es kalt, wird die Aktivität der ohnehin wenigen Talgdrüsen gedrosselt, ab einer Temperatur von acht Grad und darunter wird die Talgproduktion überhaupt eingestellt. In Innenräumen wird die Luft durch Heizen trockener und das lässt auch die Hände trockener werden.

Wichtig: Hände waschen, aber richtig

Weil wir uns gerade sehr oft die Hände waschen (und das bitte unbedingt die empfohlenen 20 bis 30 Sekunden lang), was dem Außenposten Hydrolipidfilm schwer zu schaffen macht, ist es umso wichtiger, womit wir uns die Hände säubern. Milde, am besten pH-neutrale Reinigungsprodukte, hochwertige Seifen - die derzeit ein sensationelles Comeback feiern - zum Beispiel, reinigen gründlich und sanft und enthalten in der Regel rückfettende Substanzen, die bei jedem Waschgang ein wenig Wiedergutmachung leisten. Am besten reinigt man die Hände mit lauwarmem und nicht mit heißem Wasser, das die Haut, wie auch aggressive Reinigungsmittel, zusätzlich auslaugt. Händewaschen ist für die Haut übrigens deutlich "bekömmlicher" als Desinfektion. Denn viele Desinfektionsmittel enthalten hochprozentigen Alkohol, der die Haut austrocknet.

Noch wichtiger: Gut pflegen

Defizite ausgleichen, damit die Haut wieder weich und geschmeidig wird - das ist die Aufgabe von Handcremen. Sie enthalten neben Wasser Stoffe wie Glycerin, Lanolin, Urea oder Aminosäuren (der NMF besteht unter anderem aus Aminosäuren) sowie Auszüge aus Heilkräutern und pflanzliche Wachse, die helfen, Feuchtigkeit in die Haut zu bringen und in ihr zu binden. Dazu kommen Öle (Olive, Weizenkeim, Mandel, Avocado, Jojoba), Kakao- und Sheabutter, Ceramide, Hyaluronsäure oder Squalan (ein Bestandteil des Hauttalgs, der für kosmetische Zwecke aus Oliven gewonnen wird) sowie, um die Regeneration zu fördern, Biotin, D-Panthenol und Niacin. Handcremen wirken übrigens nur, wenn man sie richtig aufträgt. Und das geht so: einen Klecks Handcreme auf den Handrücken geben und ihn mit dem zweiten Handrücken kreisförmig verteilen. Dann die Finger eincremen (Nägel und Nagelhaut nicht vergessen) - ein bisschen so, als ob man einen Handschuh anzieht. Apropos Handschuhe: Das Tragen von Handschuhen, bei der Hausarbeit, im Garten und erst recht im Freien, wenn es kalt ist, sollte, um die Schönheit der Hände zu bewahren, zur Gewohnheit werden.

Do it yourself!

Gut tun Handmasken, die es gebrauchsfertig zu kaufen gibt. Die Do-it-yourself-Version besteht aus dick aufgetragener Hand- oder Allzweckcreme, über die Baumwollhandschuhe gezogen werden. Das Ganze so lang wie möglich - am besten über Nacht - einziehen lassen. Fein sind auch Packungen: vier Esslöffel Topfen und ein Eigelb vermischen, auftragen und nach 30 Minuten abwaschen.

Aufgerufen am 04.12.2020 um 06:59 auf https://www.sn.at/leben/lifestyle/beauty-seifenoper-und-handarbeit-95570113

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