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"Betreutes Wohnen schafft Sicherheit"

Immer mehr Menschen wollen in den eigenen vier Wänden alt werden. Betreutes Wohnen hilft dabei.

Wie kann man auch im Alter noch gut und selbstbestimmt leben? Diese Frage ist eine der wichtigsten in der aktuellen Debatte über die Bevölkerungsentwicklung und das Thema Pflege. Wohnformen gibt es einige, wobei nicht jede für alle sinnvoll ist. "Wer ins Altersheim geht, der muss 80 Prozent seiner Pension und 90 Prozent seines Pflegegelds dafür aufwenden", erklärt Christian Struber, Geschäftsführer von Salzburg Wohnbau und Präsident des Hilfswerks Salzburg. Reicht der Betrag nicht aus, springen öffentliche Förderungen ein. Das ist seit Abschaffung des Pflegeregresses bei allen Menschen in Österreich so.

Wer hingegen eine 24-Stunden-Betreuung zu Hause in Anspruch nimmt, muss die Kosten zur Gänze selbst bestreiten, allerdings gibt es auch dafür Förderungen von Bund und Land. "Unsere Forderung lautet daher: Man muss die Betreuung und Pflege in den eigenen vier Wänden stärken", betont Struber. "Und man sollte pflegende Angehörige stützen."

Vor allem aber: Es sollten mehr entsprechende Immobilien gebaut werden. Sinnvoll sei laut Struber, pro 1000 Einwohner zehn Wohneinheiten für betreutes Wohnen zu schaffen. Bei derzeit 500.000 Einwohnern im Bundesland Salzburg wären rund 5000 Einheiten notwendig. "Es gibt derzeit etwa 2000", sagt Struber. "Wir haben als Salzburg Wohnbau bisher 825 Einheiten in 30 Gemeinden gebaut. Wer dort einmal einzieht, bleibt in 80 Prozent der Fälle bis zu seinem Lebensende." Struber ergänzt: "Wenn man die Leute fragt, sagt die überwiegende Mehrheit der Menschen, dass sie in den eigenen vier Wänden alt werden wollen." Gerade in Salzburg brauche es daneben aber auch mehr Altersheimplätze, schon allein wegen der demografischen Entwicklung.

Hier seien vor allem die öffentlichen Hände, besonders die Kommunen, gefragt, denn "das Segment der sehr teuren Seniorenresidenzen ist eher überschaubar", sagt der Experte.

Beim betreuten Wohnen hingegen geht es um geförderte Mietwohnungen mit einer Nettomiete von 6,60 Euro pro Quadratmeter. Um an so eine Wohnung zu kommen, braucht man ein "dringendes Wohnbedürfnis", eigenen Immobilienbesitz muss man daher abgeben, etwa an die Kinder. Bestehende Fruchtgenussrechte bleiben dabei übrigens aufrecht. Derzeit sind 70 Prozent der betreut Wohnenden Frauen, 30 Prozent Männer.

Die Vergabe der Wohnungen, die mit Wohnbauförderung errichtet werden, erfolgt zu 90 Prozent durch die Gemeinden. "In solchen Anlagen entwickelt sich meist eine gute Form des Zusammenlebens, wo man aufeinander schaut und sich gegenseitig hilft, etwa beim Einkaufen", sagt Struber.

Doch was passiert, wenn die einzelnen Wohnungsmieter miteinander nicht auskommen? Struber: "Ich glaube, dass es in zehn Jahren interessenbezogene Wohnanlagen geben wird. Das existiert zum Teil jetzt schon, etwa bei christlichen Gemeinschaften." Und auf noch ein Phänomen wird sich die Pflege- und Wohnungswirtschaft einstellen müssen: die steigende Zahl an Single-Senioren, um die sich keiner kümmert. Das sei vor allem der hohen Scheidungsrate geschuldet, sagt Struber. Ihm schwebt deshalb ein Miniprojekt vor, mit vier Wohnungen für Single-Pensionisten und einer fünften Wohnung für eine Pflegerin oder einen Pfleger, die/der die anderen betreut.

Damit mehr Wohnraum für die ältere Bevölkerung geschaffen werden kann, hat jüngst die Arge Eigenheim, eine Plattform von gemeinnützigen Wohnbaugesellschaften, bei einer Tagung in St. Wolfgang gefordert, dass beispielsweise das bei den österreichischen Pensionskassen vorhandene Vermögen investiert werden soll. Struber, der auch im Bundesvorstand der Arge Eigenheim sitzt, sieht darin einen doppelten Nutzen. So könnten die Pensionskassen ihr Vermögen langfristig absichern und gleichzeitig ihren Kunden adäquaten Wohnraum zur Verfügung stellen. "Das ist ein geschlossener Kreislauf", sagt Struber. "Das Geld wird für jene Menschen investiert, die ihre Beiträge an die Pensionskassen zahlen." Das war bisher gesetzlich nicht erlaubt, wurde aber nun ermöglicht. Die Kassen könnten bei so einem Investment auf 3,5 Prozent Rendite setzen.

"Betreutes Wohnen bedeutet ja nicht, dass man schon Pflege braucht", sagt Struber. "Das ist also nicht nur für Menschen mit externer Betreuung." Es gebe viele Personen, die ihre Wohnung den Kindern weitergeben wollen und deshalb in eine Wohnanlage ziehen, wo betreutes Wohnen möglich ist, ohne sie selbst noch zu benötigen. "Dafür gibt es die Sicherheit, dass alle Wohnungen behindertengerecht gebaut sind, barrierefrei sind und dass man hier bleiben kann", sagt der Experte. Ein Vertrag mit einem Sozialdienstleister für die gesamte Anlage gewährleistet, dass - wenn man diese einmal braucht - auch Hilfe zur Verfügung steht.

Bezüglich der Situierung innerhalb der Gemeinden hat Struber eine klare Präferenz: "Je zentraler, desto besser." Das scheitert aber oft an den hohen Grundkosten. Auch da kann Struber schon auf Beispiele verweisen. Oft werde eine Anlage für betreutes Wohnen auf einem Baurechtsgrundstück der Gemeinde errichtet. Es sei zum Beispiel in Taxenbach aber auch passiert, dass ein privater Eigentümer seine Immobilie für den Abriss und Neubau zur Verfügung gestellt habe - und dafür selbst nun über eine Wohnung in der neuen Anlage verfüge. Struber wünscht sich mehr solche Private, denn dann könne eine betreute Wohnanlage tatsächlich für alle Beteiligten zu einer Win-win-Situation werden.

Gut zu wissen

Pensionisten in Salzburg
Von den 552.049 Einwohnern (per 31. 12. 2017) des Bundeslands Salzburg sind 135.049 älter als 60 Jahre. 125.470 sind Pensionsbezieher. In 70.300 Haushalten lebt mindestens eine Person im Alter von mehr als 65 Jahren.

Pflege in Salzburg
2017 haben in Salzburg 26.087 Menschen Pflegegeld bezogen. 81 Prozent davon leben zu Hause, 19 Prozent in Altenheimen. Für die Bewohner der Altenheime werden 76 Mill. Euro an Sozialhilfe ausgegeben, für die zu Hause wohnenden Menschen 16 Mill. Euro.

Pflege in Österreich
Von allen Menschen, die 2016 in Österreich Pflege oder Betreuung benötigten, leben 84 Prozent zu Hause, 16 Prozent in Pflegeheimen. Von jenen, die zu Hause wohnen, fallen 2 Prozent in teilstationäre Einrichtungen, 5 Prozent nutzen eine 24-Stunden-Betreuung, 31 Prozent mobile Dienste und 46 Prozent werden ausschließlich von Angehörigen betreut.

Zahlreiche Hilfsdienste und Organisationen unterstützen Menschen mit Rat und Tat. Hier finden Sie eine Auswahl an Aktivitäten im Alter, Beratungsstellen und Pflegezentren. (als pdf-Datei)

Aufgerufen am 06.07.2020 um 12:08 auf https://www.sn.at/leben/lifestyle/betreutes-wohnen-schafft-sicherheit-64665586

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