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Bio hebt ab

Die Coronakrise ließ den Bioumsatz nach oben schnellen. Ein Zehntel der frischen Lebensmittel ist bereits bio.

Der Bioboom hält an. SN/pixabay
Der Bioboom hält an.

Zu einem Feuerwerk an Rekorden geriet Donnerstag die Präsentation der jüngsten Zahlen zur Entwicklung des Biolandbaus in Österreich. Die durchschnittlichen Haushaltsausgaben für Bioprodukte kletterten laut AMA-Marketing und Bio Austria im Vorjahr um knapp 21 Prozent auf mehr als 190 Euro. Der Lebensmittelhandel steigerte den Bioumsatz gar um 23 Prozent auf 713 Mill. Euro. Erstmals erreichte dort der Bioanteil bei frischen Lebensmitteln zehn Prozent.

Bei Frischmilch etwa erhöhte sich der Bioanteil in den vergangenen drei Jahren von 23,2 auf 26,1 Prozent, bei Gemüse von 15,5 auf 17,6 Prozent, bei Kartoffeln gar von 17,45 auf 21,4 Prozent. Und selbst bei Fleisch scheint der Boom nun anzukommen. Lag der Bioanteil von Frischfleisch vor drei Jahren noch bei 4,5 Prozent, so waren es im Vorjahr bereits 5,5 Prozent.

Österreich zählt damit sowohl in der Produktion als auch beim Konsum zur internationalen Spitze. Mehr als ein Viertel der Flächen in Österreich werden biologisch bewirtschaftet, in Salzburg hält man inzwischen gar bei einem Anteil von fast 60 Prozent. Beim Pro-Kopf-Verbrauch von Biolebensmitteln hält Österreich den vierten Rang.

Und die Krise habe den Bioboom noch einmal klar verstärkt, sagt Spar-Sprecherin Nicole Berkmann. "Sicher regional, sicher gesund, sicher gut", diese Argumente seien den Kunden noch wichtiger geworden. Um 25 Prozent hat Spar im Vorjahr den Bioumsatz gesteigert. Auch Rewe (Billa, Merkur, Adeg, Penny) meldet einen zweistelligen Zuwachs. Neben der Marke "Ja! Natürlich" - mit der Werner Lampert 1994 für Billa die erste große Biohandelsmarke in Österreich schuf und damit dem Bioboom erst zum Durchbruch verhalf - will Rewe künftig mit einer billigeren Schiene unter "Billa bio" jüngere und vor allem preisbewusstere Kunden ansprechen. Dass damit billigere Bioware aus dem Ausland heimische "Ja! Natürlich"-Produkte aus den Regalen verdrängen könnte, verneint Rewe-Sprecher Paul Pöttschacher. "Wir sprechen hier eine andere Kundenschicht an." Bio sei längst auch im Diskont angekommen. So habe auch die Rewe-Tochter Penny ihr Biosortiment zuletzt von 70 auf 140 Produkte verdoppelt. Auch Lidl-Chef Alessandro Wolf hat angekündigt, beim Thema Bio kräftig aufholen zu wollen. 130 Bioartikel hat Lidl im Sortiment.

Für die Bauern ist trotz Biobooms nicht alles eitel Wonne. Für ihre Produkte bekommen sie zwar höhere Preise. Allein von den Erlösen könnten aber auch Biobauern nicht leben, sagt Gertraud Grabmann, Chefin von Bio Austria, dem größten heimischen Biobauernverband. Die Gespräche um die Gestaltung der EU-Agrarreform in Österreich beobachte man mit Argusaugen.

„Nachfrage wird weiter steigen.“ Gertraud Grabmann, Bio Austria SN/bio austria
„Nachfrage wird weiter steigen.“ Gertraud Grabmann, Bio Austria

Was derzeit zur Diskussion steht, gefällt Grabmann gar nicht. Die geplante Bioprämie ist für sie "definitiv nicht der Weg, wie Bio weiterentwickelt werden soll". Der "systemische Ansatz", dass Bio viele Bereiche umfasse, werde dabei nicht abgebildet. "Den derzeitigen Vorschlag werden wir nicht akzeptieren", richtet sie der Landwirtschaftsministerin unmissverständlich aus. Wenig Freude hat die Biobauern-Obfrau auch damit, dass es erst frühestens 2023 wieder Förderungen für Bauern geben wird, die auf Biolandwirtschaft umsteigen wollen. Denn dann erst tritt die EU-Agrarreform nach zweijähriger Verspätung in Kraft. "Der Biolandbau kann sich also in Österreich nicht entsprechend entwickeln, während die Nachfrage weiter steigen wird."

Gelassen versucht Grabmann hingegen zu sehen, dass im Handel in Sachen Bio in den vergangenen Monaten ein regelrechter Wettlauf entstanden ist. Bauern, die sich Sorgen wegen eines wachsenden Preisdrucks durch Bio-Diskont-Marken oder wegen zusätzlicher und oft auch billiger Konkurrenz aus dem Ausland machen, versucht sie zu beruhigen. "Wenn Bio von mehr Ketten intensiv angeboten wird, ist das auch eine Chance", sagt Grabmann. Es werde beides geben und es werde für beides Platz sein. "Natürlich braucht es einen Lebensmittel-Einzelhandel, der auf österreichische Qualität setzt."

AMA-Marketing-Chef Michael Blass ist da skeptischer. Der Lebensmittel-Einzelhandel habe Bio in Österreich dorthin geführt, wo es heute stehe. "Daran knüpft sich die Hoffnung, dass der Handel auch in Zukunft mit dem Thema Bio verantwortungsvoll umgeht und eine Entwicklung wie im konventionellen Bereich bei Bio nicht riskiert."

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