Lifestyle

Bunte kulturelle Vielfalt

"Ihr könnt mich ruhig Buschmann nennen", ruft Sally Goldenboy dem begeisterten Publikum zu. Es ist eine sehr bunte Mischung, die sich vor der Bühne drängt und zu den heißen afrikanischen Rhythmen klatscht und tanzt. Menschen aus 74 verschiedenen Nationen leben in Zell am See - viele von ihnen sind gekommen, um beim zweiten Fest der Kulturen ihre Bräuche vorzustellen und sich gegenseitig kennenzulernen.

Letztes Jahr war die Veranstaltung noch geprägt von skeptischer Distanziertheit. Man hielt Abstand, höfliches Nebeneinander war die Regel. Seither hat sich viel bewegt und es war eine freundschaftliche Stimmung unter den Mitgliedern der einzelnen Vereine zu spüren. Viele Teilnehmer der Volksgruppen haben sich gegenseitig fotografiert und sich über Trachten und Tänze der anderen informiert.

Heli Gappmaier und Islami Islam tauschten sogar die Kleidung: Der Kosovo-Albaner, seit acht Jahren in Österreich, schlüpfte in die Lederhose, der Zeller probierte die Tracht von Islami. Der Rollentausch könnte durchaus als Anregung für das nächste Fest dienen. Gappmaier erklärte, er habe in der traditionellen Kleidung des albanischen Muslims eine völlig neue Perspektive auf die "fremde" Kultur bekommen. "Integration bedeutet aufeinander zugehen und sich gegenseitig kennenlernen", so die ressortzuständige Landesrätin Tina Widmann. "Dazu leistet dieses Fest einen wertvollen Beitrag. Es schafft Begegnungsmöglichkeiten zwischen verschiedenen Kulturen. Nur wenn die Menschen Gelegenheit haben, etwas Neues persönlich kennenzulernen und direkt in Kontakt treten zu können, werden Scheu und Vorurteile abgebaut." Das ist an diesem heißen Sommertag auf jeden Fall gelungen. Zwischen den Kulturen hat sich viel bewegt, das war deutlich hörbar, spürbar, erlebbar.

Kleidung als Zeichen für ZugehörigkeitBozana Sancanin vom Kulturverein Harmonica ist seit mehr als 20 Jahren in Österreich. Sie will nicht nur den Zellern, sondern auch den eigenen Kindern Vedrina, Aleksandra und Momir die Tänze und Lieder aus der Heimat beibringen. Diese begeistern sich auch für die Aufführungen der anderen Vereine. Schuhplatteln würden sie zwar nicht lernen wollen, Vedrina würde gern bei den türkischen Tänzern mitmachen, "wegen der coolen Pluderhosen". Migrationshintergrund hat auch Claudia Machreich, die Leiterin des Seniorenheims in Zell. Die Deutsche hat die Liebe 1996 nach Zell am See verschlagen. Sie fühlt sich bestens integriert und führt als Beweis an, vier Dirndlkleider in allen Varianten zu besitzen. Kleidung scheint neben der Sprache für viele Nicht-Urpinzgauer ein wichtiges Zeichen für Zugehörigkeit zu sein. Viele geben an, Lederhose und Dirndl zu besitzen. Zum Abschluss wurde gemeinsam der Salzburgsong aufgeführt: "Du bist mei Stadt, du bist mei Land, dei Schönheit, di is weltbekannt."

Quelle: SN

Aufgerufen am 04.12.2020 um 07:13 auf https://www.sn.at/leben/lifestyle/bunte-kulturelle-vielfalt-5943517

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