Lifestyle

Das grüne Öl macht der Grünen Mark alle Ehre

Teil zwei meiner Kürbisrecherche.

Gebacken oder geröstet entfalten die Kürbiskerne ihr volles Aroma. SN/roland essl
Gebacken oder geröstet entfalten die Kürbiskerne ihr volles Aroma.

Als der Kürbis im 16. Jh. nach Europa kam, wurde dessen Wert lang nicht erkannt. Dienten die Kürbisgewächse so wie die Erdäpfel doch lange Zeit nur als Viehfutter und als Nahrung für die ärmsten Bevölkerungsschichten. Kürbisse wurden auch immer mit Vorsicht genossen, denn die bitteren Sorten enthalten Giftstoffe, welche man auch durch Kochen nicht neutralisieren kann. Zwei Päpste sollen an Kürbisvergiftung gestorben sein. Aus den damals zur Verfügung stehenden Kürbissen Öl zu gewinnen war sehr aufwendig, waren die Kerne doch verholzt und mussten zunächst einmal mühsam von Hand geschält werden. Für einen Liter Kürbiskernöl braucht man mindestens 33 Kürbisse, so war dieses Öl für den Verzehr viel zu kostbar. Es wurde ausschließlich in Apotheken als Salbe für so manches Leid verwendet, denn über die gesundheitsfördernde Wirkung des Kernöls auf den Menschen war man sich schon zur Zeit Maria Theresias bewusst. Erst Anfang des 20. Jahrhunderts gelang es in der Steiermark, einen Kürbis mit schalenlosen Kernen zu züchten, was die Arbeit der Ölgewinnung wesentlich erleichterte. Das grüne Öl fand nun den Weg in die steirische Küche und bereicherte viele Gerichte. Zunächst nur regional, doch ab Mitte des vorigen Jahrhunderts erlangte es dann auch jenseits der steirischen Grenzen Beachtung. Heute ist steirisches Kürbiskernöl weltweit als Spezialität "Made in Styria" anerkannt und für die Bauern eine gute Einkommensquelle.
In der weststeirischen Gemeinde Preding gibt es neben dem amtlichen Bürgermeister auch noch einen Kürbisbürgermeister, dessen Wahl eine Besonderheit ist. So sitzen die wahlwilligen Bürger um eine Schüssel Türkensterz (Maisbrei) unter einem Baum an dem, mittels Schnur, über der Schüssel ein beachtlicher Kürbis wie ein Damoklesschwert hängt. Nachdem die Schnur von einem Gemeindearbeiter durchtrennt ist, fällt der Kürbis in die Schüssel. Der Kollateralschaden ist beträchtlich und die Person, die am meisten vom Türkensterz abbekommt, ist für die nächsten drei Jahre als Kürbisbürgermeister von Gottes Gnaden gewählt.

Rezept

Gebackenes Kürbiskernschnitzel

(2 Portionen)
Egal welches Fleisch Sie verwenden, ob Kalb, Huhn, Schwein, Wildschwein oder Reh, die Kürbiskerne verleihen dem Gericht ein ganz besonderes Aroma.

Zutaten: 2 Stück Schnitzel à 120 g, 100 g Kürbiskerne, 20 g Semmelbrösel, griffiges Mehl, 1 Ei, Salz, Butterschmalz.

Zubereitung: Kürbiskerne etwas klein hacken, mit Semmelbröseln mischen. Die Schnitzel mit dem Schnitzelhammer plattieren, salzen, in Mehl wälzen, anschließend in versprudeltes Ei tauchen und anschließend in der Kürbis-Brösel-Mischung panieren. In heißem Butterschmalz knusprig herausbacken. Auf Küchenkrepp abtupfen. Als Beilage empfehle ich Petersilerdäpfel oder Reis und Preiselbeeren.

Die Rezepte dafür können Sie unter der Mailadresse alpenkulinarik@rolandessl.at anfordern.

Aufgerufen am 12.11.2019 um 01:53 auf https://www.sn.at/leben/lifestyle/das-gruene-oel-macht-der-gruenen-mark-alle-ehre-77876887

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