Lifestyle

Das kleine "Grenzwandern"

Auf vielen abseits gelegenen Wegen und an einigen ungewöhnlichen Orten kann man in Salzburg die Staatsgrenzen überschreiten. Drei Grenzgänge zum Nachwandern.

Es könnte auch eine knifflige Frage aus einem Wissensquiz sein: Auf welcher Hütte des Deutschen Alpenvereins zieht sich der Grenzverlauf zwischen Österreich und Deutschland quer durchs Gebäude? Richtige Antwort: Auf dem Purtschellerhaus am Gebirgsstock des Hohen Göll, wo sich kurioserweise ein Drittel der Hütte auf deutschem Bundesgebiet und zwei Drittel auf österreichischem Terrain befinden. Dort überquert man zwischen Gaststube und Toilette die Grenze von Deutschland nach Österreich ganz mühelos. Einzig eine farbige Linie auf dem Boden deutet auf die vorhandene Staatsgrenze hin. Seiner besonderen Lage verdankte das Purtschellerhaus auch einen Besucheranstieg nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs: Da während der Zeit der Besatzung keine Grenzüberschreitungen erlaubt waren, wurde aus dem Purtschellerhaus bald so etwas wie eine bilaterale Begegnungszone, nämlich für diejenigen Pärchen, die durch politische Situation getrennt worden waren.

Am schnellsten erreicht man das Purtschellerhaus vom Ahornsattel an der Roßfeldstraße über den Eckersattel, eine absolut empfehlenswerte und vor allem familientaugliche Wanderung mit einer Gehzeit von etwa 1¼ Stunden. Von österreichischer Seite aus ist schon ein bisschen mehr Einsatz gefragt: Startet man in Kuchl oder Golling, über die Dürrfeichtalm und den Eckersattel, benötigt man etwa 3½ Stunden. Ganz konditionsstarke Bergfexe können den Hohen Göll, der mit seiner Höhe von 2522 m den Grenzwall zwischen dem "Freistaat" und Österreich bildet, natürlich auch überschreiten. Zum Carl-von-Stahl-Haus (1736 m) oder Schneibsteinhaus (1668 m) über den Schustersteig, Gölleiten, Hoher Göll, Hohes Brett und Jägerkreuz in einer Gehzeit von 6 Stunden (nur für Geübte!).

Über den Hintersee zum Hirschbichl
Für einen echten Grenzgänger (respektive Grenzwanderer) ist dieser Ort ein Highlight: So findet sich zwischen der Pinzgauer Gemeinde Weißbach bei Lofer und der Berchtesgadener Gemeinde Hintersee eine alte Grenzstation am Hirschbichlpass. Schon im Mittelalter wurde auf dem alten Säumerpfad von der Ramsau in den Pinzgau das Salz der Salzbergwerke vom Dürrnberg über Berchtesgaden in den Pinzgau transportiert - historischen Quellen zufolge existierte die Grenzbefestigung dort sogar schon seit 14 vor Christus. Im Verlauf der Geschichte blieb die "Mooswacht", wie der Hirschbichlpass auch genannt wird, immer ein strategisch wichtiger Punkt. Beginnt man die Wanderung auf bayrischer Seite, startet man üblicherweise vom Klausbachhaus in Hintersee, einem wunderschön, restaurierten alten Bauernhaus, in dem auch die Nationalpark-Infostelle untergebracht ist. Von dort aus führt die Tour auf dem Alpenvereinsweg (mit der Nummer 481 ) sieben Kilometer moderat ansteigend durch das Tal einwärts bis zum Hirschbichlpass. Das Klausbachtal ist je nach Jahreszeit ein Ereignis für sich: Ausgetrocknete Bachbette, Blumenwiesen, lichter Mischwald und auch Almen säumen den Weg auf den Hirschbichl. Oben auf der Mooswacht angelangt, erwartet alle müden Wanderer gleich nach dem Empfang in der Republik Österreich ein wunderschönes Ensemble ehemaliger Zoll- und Grenzgebäude - und natürlich eine wohlverdiente, gute Mahlzeit im Alpengasthof Hirschbichl. Wen es noch weiter hinauf zieht, der kann in zirka 25 Minuten auf die Litzlalm wandern, wo ein sensationeller Blick auf die umliegende Bergwelt lockt. Von der anderen, also der österreichischen Seite aus startet man die Wanderung über den Hirschbichl in Weißbach am besten beim "Schaustadl", wo sich ein (gebührenpflichtiger) Parkplatz befindet. Teile der Strecke kann man übrigens auch mit dem Almwanderbus zurücklegen, der im Sommer zwischen Hintersee und Weißbach verkehrt. Je nachdem wie man die grenzüberschreitende Wanderung anlegt, kann sie sowohl familientauglichen Ansprüchen genügen, aber auch richtig herausfordernd sein.

Auf Schmugglerpfaden
Ein beeindruckendes Naturschauspiel offenbart sich, wenn man vom Unkener Heutal über den Staubfall "hinaus" ins benachbarte deutsche Ruhpolding wandert. Die Tour startet auf der österreichischen Seite beim Heutaler Hof, von wo aus man nach nur wenigen Minuten einen ersten Wasserfall, den Fischbachfall, erreicht. Der bildet aber eigentlich nur die Vorhut, denn nach weiteren 15 Minuten Gehzeit gelangt man schon zum beeindruckenden rund 200 Meter hohen Staubfall, der zugleich auch den Grenzpunkt zwischen Österreich und Bayern bildet. Unter dem Wasserfall hindurch passiert man die Staatsgrenze und wandert weiter abwärts Richtung Ruhpolding - übrigens auf den Pfaden der Schmuggler, die diese Route früher im Sinne ihres eigenen Verständnisses eines "freien Warenverkehrs" genutzt haben. Die Wanderung endet (oder beginnt, wie man will) am Parkplatz des Holzknecht Museums in der Laubau. Mit etwa 2,5 Stunden Gehzeit muss gerechnet werden.

Quelle: SN

Aufgerufen am 01.12.2020 um 07:05 auf https://www.sn.at/leben/lifestyle/das-kleine-grenzwandern-76735747

Kommentare

Schlagzeilen