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Der Kopf macht den Unterschied

Mentaltraining im Laufsport. Mentale Stärke ist beim Laufen genauso wichtig wie die körperliche Fitness.

"Ich will den Menschen zeigen, dass es keine Grenzen gibt. Grenzen gibt es nur im Kopf", das waren Eliud Kipchoges Worte, bevor er in Wien als erster Mensch überhaupt einen Marathon unter zwei Stunden (1:59,40 Stunden) bestritt. Doch zu diesem Erfolg trug nicht nur die körperliche Fitness, sondern auch seine mentale Stärke bei. Während in vielen Sportarten das mentale Training zum festen Bestandteil zählt, hinken andere Sportverbände noch hinterher. Tatsache ist jedoch, dass das Mentalcoaching sowohl bei Spitzensportlern als auch bei Hobbyathleten immer mehr und verstärkt eingesetzt wird.

Diese Meinung vertritt auch die Salzburger Mentaltrainerin Julia Buchner. Sie übte selbst als Turniertänzerin Profisport aus und sammelte in dieser Zeit vielerlei Erfahrung hinsichtlich der Leistungssteigerung anhand des mentalen Trainings. "Mentales Training kann in jeder Sportart hilfreich sein, aber die Themen unterscheiden sich etwas." Das gilt insbesondere für Ausdauersportarten, wie zum Beispiel Laufen. Sätze wie "Ich kann nicht mehr" oder "Meine Beine tun weh" sind dabei sicherlich jedem Läufer schon einmal in den Sinn gekommen.

Bei diesen Themen setzt das Mentaltraining an: Wie kann man länger durchhalten, seine Grenzen ausdehnen und einen besseren Umgang mit Schmerzen oder negativen Gedanken im Wettkampf finden? Dafür verwendet Mentaltrainerin Buchner diverse Methoden: "Visualisierungen, wie das bildliche Vorstellen und Vorwegnehmen von Wettkampfabläufen, unterschiedliche Atem- und Entspannungsübungen zur Herstellung des optimalen Leistungszustands, aber auch die Erarbeitung von Ritualen und Routinen verhelfen meinen Athleten, ihre mentale Stärke zu optimieren."

Regelmäßiges Mentaltraining ist der Schlüssel zum Erfolg
Auch die 20-jährige Julia Bauböck aus Seeham konnte dank regelmäßigen Mentaltrainings ihre Leistungen als Triathletin steigern. Vor allem weil die Sportart aus drei verschiedenen Disziplinen - Schwimmen, Radfahren und Laufen - besteht, spielt die mentale Stärke eine noch gewichtigere Rolle. Die Athleten müssen sich nicht nur körperlich rasch auf neue Belastungen umstellen, sondern diese auch mental bewältigen. Die erfolgreiche Triathletin Bauböck konnte in ihrer jungen Karriere bereits zahlreiche internationale Topplatzierungen einfahren. Auf nationaler Bühne landete die Nachwuchssportlerin regelmäßig auf dem Podest. Doch neben Juniorenbewerben konnte sie auch bereits Erfolge im Erwachsenenbereich feiern, wie beispielsweise den dritten Platz im Trumer Triathlon in der Allgemeinen Klasse Sprint.

Doch es gab auch einige Rückschläge: Aufgrund der Erkrankung am Pfeifferschen Drüsenfieber musste Bauböck eine Saison lang pausieren. Um wieder an der Spitze mitzumischen, half vor allem das regelmäßige Mentaltraining, wodurch sie ein starkes Comeback hinlegte.

Nicht nur körperliche Probleme können im Mentaltraining behandelt werden, sondern wie im Fall von Bauböck insbesondere auch Selbstzweifel. Diese können durch gezieltes Coaching ab- und neues Selbstbewusstsein aufgebaut werden. Methoden wie Fantasiereisen oder mündliche Analysen des Wettkampfes kamen zum Einsatz. Neben Plan A sollten Sportler auch einen Plan B im Hinterkopf bereithalten, denn oftmals läuft nicht alles so, wie es sich die Sportler vorstellen. "Man muss als Athlet immer im Kopf stark bleiben, bei einem Rennen wird erst im Ziel abgerechnet", betont Bauböck.

Vom Kicker zum Marathonläufer
Dass jedoch auch Hobbyläufer ohne mentales Training ihre Ziele erreichen können, beweist der Salzburger Raimund Friedl. Ursprünglich kommt er aus dem Fußballbereich und ist dem runden Leder schon lang treu. Doch nun will er einen Punkt auf seiner Bucketlist streichen: die Teilnahme an einem Marathon. Er bestritt bereits zahlreiche Halbmarathons, dieses Jahr will er sich endlich seinem großen Traum, den 42,195 Kilometern, annehmen. Um dieses Ziel zu erreichen, trainieren seine Frau Ricarda und er hart. Dabei darf die mentale Stärke nicht außer Acht gelassen werden.

"Prinzipiell bin ich der Meinung, dass die mentale Komponente in allem ein sehr entscheidender Faktor ist. Nicht nur beim Laufen oder Fußball, sondern generell im Leben", bringt es der Hobbyläufer deutlich zum Ausdruck. Bei der mentalen Vorbereitung auf den Marathon arbeitet er mit einer bestimmten Zielsetzung und bildlichen Vorstellungskraft. Das erste Ziel ist, einfach gesagt, das Weglaufen, um dann von Kilometer zu Kilometer zu denken. Zusätzlich helfen Friedl vor allem das Bild, über die Ziellinie zu laufen, und die damit verbundenen Emotionen wie Erleichterung, Glück und Zufriedenheit. Kurzum: Das Gefühl für seine harte Arbeit soll belohnt werden!

Negative Gedanken, wie beispielsweise das Aufgeben oder Scheitern, verdrängt er komplett und verschwendet keine Minute daran. "Die Option ,Aufgeben' gibt es bei mir nicht!", sagt Friedl.

Mit kleinen Schritten zum großen Ziel
Das Mentalcoaching zählt bei den meisten Leistungssportlern bereits zum festen Bestandteil ihres Trainingsplans. Doch die mentale Komponente ist nicht nur für Profiläufer von großer Bedeutung, sondern auch für Hobbyathleten. "Besonders der Umgang mit Motivationstiefs, das Zeitmanagement, eine hilfreiche Zielsetzung und das Durchhalten im Training können stark verbessert werden", erklärt Buchner.

Hobbyläufer arbeiten nur selten mit Mentaltrainern zusammen, können jedoch versuchen, sich selbst durch Tipps mental zu stärken:

• Zeitnahe Vorhaben anstreben
• Kleine und realistische Ziele setzen
• Zwischenziele einbauen
• Erfolgserlebnisse einfahren
• Den Erfolg visuell vorstellen
• Regeneration und Pause einhalten

"Bei allem Ehrgeiz soll aber der Spaß an der Sache nicht verloren gehen", empfiehlt Buchner.

Aufgerufen am 29.05.2020 um 06:03 auf https://www.sn.at/leben/lifestyle/der-kopf-macht-den-unterschied-86841775

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