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Der Muntermacher Kaffee ist gesünder als gedacht

Nach vielen widersprüchlichen Studien scheint heute klar zu sein: Die positiven Effekte von Kaffee überwiegen. Zur Pflichtübung sollte Kaffeetrinken dennoch nicht werden.

Positive Effekte überwiegen beim Kaffee. SN/pixabay
Positive Effekte überwiegen beim Kaffee.

Über die gesundheitsbezogenen Auswirkungen von Kaffeekonsum gibt es zahlreiche Daten und noch mehr Meinungen. Lang galt der so beliebte Muntermacher als gesundheitlich bedenklich. Dem zu hohen Kaffeegenuss wurde häufig nachgesagt, er entziehe dem Körper Wasser und erhöhe Blutdruck und Cholesterinwerte. Doch von diesen Meinungen wird zunehmend Abstand genommen. Immer mehr Studien bringen die positiven Effekte von Kaffee zum Vorschein.

Kaffee gilt als eines der beliebtesten Heißgetränke weltweit. Allein in Österreich werden nach Angaben des Österreichischen Kaffee- und Teeverbands jährlich pro Kopf rund 7,8 Kilogramm Kaffee konsumiert.

Es gibt zahlreiche Untersuchungen zu den Auswirkungen von Kaffee. Einige zeigen negative Effekte, andere wiederum positive Wirkungen. Einige Punkte sind weiterhin umstritten, andere gelten als be- oder widerlegt. Ein Grund für die Widersprüchlichkeit in der Forschung ist, dass die Menschen sehr unterschiedlich auf den Hauptwirkstoff Koffein reagieren.

Nach den jüngsten Erkenntnissen überwiegen jedoch die positiven Effekte von Kaffee. So wurde zuletzt zum Beispiel eine Reduktion des Diabetesrisikos durch Kaffeekonsum beobachtet. Die neue Übersichtsstudie, die Daten aus 30 früheren Untersuchungen ausgewertet hat, zeigt: Drei bis vier Tassen Kaffee am Tag senken das Risiko für Typ-2-Diabetes um rund 25 Prozent.

Aber nicht nur auf das Diabetesrisiko wirkt sich der Kaffee positiv aus. Auch die vermeintliche Annahme, dass Kaffee das Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiko erhöhe, konnte widerlegt werden. Mittlerweile gibt es Hinweise, dass bei drei bis vier Tassen Kaffee täglich das Erkrankungsrisiko sogar ein wenig sinkt.

Nach neuen Erkenntnissen wirkt sich Kaffee auch protektiv in Bezug auf Krebserkrankungen aus. Zumindest bei manchen Krebserkrankungen, etwa der Leber oder der Gebärmutter, gibt es offenbar positive Effekte, wie die Internationale Krebsforschungsagentur (IARC) erklärt.

Überraschende Ergebnisse wurden außerdem in der Alzheimer- und Parkinsonforschung entdeckt. Es konnte gezeigt werden, dass bestimmte Inhaltsstoffe des Kaffees eine schützende Wirkung vor Alzheimer oder Parkinson haben.

Welche Inhaltsstoffe nun genau für den positiven Effekt verantwortlich sind, ist noch nicht ausreichend erforscht. Das Koffein scheint für diesen Effekt jedoch nicht ausschlaggebend zu sein. Denn auch bei entkoffeiniertem Kaffee kam es zu positiven Ergebnissen.

Kaffeetrinken sollte trotz der vielen neuen positiven Erkenntnisse ein Genuss bleiben und keine Pflichtübung werden. Denn Kaffee ist kein Wundermittel und kann nicht schlechte Ernährung, Bewegungsmangel oder Übergewicht ausgleichen. Um Erkrankungen wirksam vorzubeugen, kommt es immer auf den gesamten Lebensstil an.

Um die schützende Wirkung des Kaffees zu nutzen, wird Erwachsenen ein moderater Konsum von drei bis vier Tassen mit rund 150 Milliliter pro Tag empfohlen. Ein moderater Koffeinkonsum entspricht bei einem Erwachsenen etwa 300 Milligramm Koffein pro Tag.

Ein zu hoher Koffeinkonsum kann hingegen bei vielen mit erhöhtem Puls, Unruhe und Schlafstörungen einhergehen. Die gute Nachricht für all jene, die deshalb lieber zu koffeinfreiem Kaffee oder Tee greifen: Auch hier konnten positive Auswirkungen gezeigt werden.

Insbesondere die enthaltenen Antioxidantien und Phenole sollen hier für die positive Wirkung verantwortlich sein.

Friedrich Hoppichler ist Ärztlicher Leiter des Krankenhauses der Barmherzigen Brüder in Salzburg.

Aufgerufen am 24.10.2020 um 05:47 auf https://www.sn.at/leben/lifestyle/der-muntermacher-kaffee-ist-gesuender-als-gedacht-87455503

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