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Die Lungauer Troadkästen

Sie prägen das Landschaftsbild und sind in dieser Form sonst nirgendwo in Salzburg zu finden: die oft reich verzierten gemauerten Getreidespeicher, auch Lungauer Troadkästen genannt.

Rund 300 sind in Salzburgs südlichstem Gau noch vorhanden. Viele wurden in den vergangenen Jahren wieder liebevoll und aufwendig auch mit Unterstützung des Bundesdenkmalamts restauriert.
Die Getreidespeicher lassen sich seit vielen Jahrhunderten nachweisen. Ab dem 16. Jahrhundert wurden die anfänglichen Holzblockkästen, die meist mit kunstvollen Schwalbenschwanz-Verzinkungen gezimmert wurden, durch robustere, aus Stein gemauerte ersetzt. Man nimmt an, dass sie von Wandermaurern aus dem oberitalienischen Raum errichtet wurden, die auf der Tauernstraße zu den Großbauten der Erzbischöfe nach Salzburg zogen und ein wenig dazuverdienen wollten. Von Wandermalern aus Friaul wurden sie dann mit farbenfrohen Malereien verziert.

Malereien erzählen Geschichten

Vor allem im 17. und 18. Jahrhundert entfaltete sich die Fassadenbemalung zu voller Blüte. Zahlreiche Malereien erzählen Geschichten und bilden bekannte religiöse Szenen ab. Aber auch historische Motive wie ein Soldat aus den Franzosenkriegen (auf einem Getreidespeicher in St. Andrä) sind zu sehen.

Die Troadkästen wie dieser in Muhr wurden zum Schutz vor Feuer immer ein wenig abseits des Hofs errichtet. SN/walter schweinöster
Die Troadkästen wie dieser in Muhr wurden zum Schutz vor Feuer immer ein wenig abseits des Hofs errichtet.

An Verzierungen finden sich bunte Eckquader, Fenster- und Türrahmungen, laufender Hund (Streifen, die an sich überschlagende Wellen erinnern), Blumensträuße, Rosetten oder ein Kreis-Sonnen-Symbol - die Sonne als bestimmende Kraft für Wachstum und Leben. Die Ornamente wurden etwa mit angerührtem Kohlenstaub, Ziegelstaub oder pflanzlichen Extrakten angefertigt. Außergewöhnliche Farben wie Goldocker, Oxidrot, Malachitgrün und Smalteblau wurden verwendet.

Die Troadkästen erfüllten einen besonderen Zweck: Da Bauernhäuser aus Holz immer wieder Bränden zum Opfer fielen, wurden das überlebenswichtige Saatgut, Lebensmittel wie geselchtes Fleisch und auch Wertgegenstände zwar im Hofverband, aber dort in den frei stehenden gemauerten Getreidekästen gelagert.

Auch wenn das Korn gemahlen war, wurde es zum Schutz vor Mäusen und anderen Tieren in den Troadkasten gebracht. Vor Mehlwürmern gab es jedoch keinen Schutz. Sie wurden einfach ausgesiebt und das Mehl trotzdem verwendet.

Quelle: SN

Aufgerufen am 04.12.2020 um 04:03 auf https://www.sn.at/leben/lifestyle/die-lungauer-troadkaesten-92583316

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