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Eine dunkle Begierde

Kontrastprogramm.Die Trendlooks entführen in diesem Herbst in Parallelwelten. Auf der einen Seite verbergen die Augen dunkle, düstere Geheimnisse, die Lippen tragen Beerentöne oder kräftiges, blutiges Rot und wirken, weil verführerischer Glanz völlig fehlt, herausfordernd und beinahe nackt. Kunstvolles Nackt mit feenhaftem Nude wartet auf der anderen Seite des Spektrums.

Kristen Stewart, die Belle aus der Vampirsaga "Twilight" ist das Gesicht von Chanels "Le Rouge - Collection No1", dem ersten Trendlook, den Lucia Pica als Global Creative Make-up & Color Designer kreiert hat. Selten wurde Rot, ohnedies eine Farbe, die zu Extremen neigt, so kompromisslos in Szene gesetzt. "In Rot", sagt Pica, "steckt eine besondere Kraft. Emotion, Wärme, aber auch etwas Verstörendes. Rot ist eine Farbe, die sowohl etwas Reales als auch Radikales in sich birgt." Das zeigen die aktuellen Trendlooks mit Lippen in intensivem, dunklen Rot - leuchtendes Rot ist und bleibt ein Klassiker, steht aber in dieser Saison eindeutig in der zweiten Reihe - und dramatischen Beerentönen, die bis ins Schwarze gehen können, sehr deutlich. Wohl auch, weil sich die Lippen nicht wie gewohnt gefällig mit verführerischem Glanz zeigen, sondern matt, klar, streng, beinahe nackt, herausfordernd, an der Grenze zur Arroganz. Ganz so, als ob aus dem ewigen Spiel mit Verlockung und Verführung plötzlich ernst geworden wäre.

Einen matten, dunklen Lippenstift zu tragen wird für viele gewöhnungsbedürftig sein und wohl auch Überwindung kosten. Aber es ist aufregend zu sehen, wie dramatisch sich ein Gesicht damit verändern kann. Das richtige Rot für helle Hauttypen hat blaustichige Töne, für Hauttöne mit gelb-olivem Unterton sind Beerentöne ideal.

Nicht weniger aufregend präsentieren sich die Augen. Leidenschaft, Triumph, Verletzlichkeit, Verführung, Verachtung, Obsession - all das kann in einem Blick liegen. Braun in verschiedenen Nuancen zeigt sich heuer - vor allem im Kombination mit Rot, Aubergine, Beige, Rosa, Blau oder Grün - erstaunlich tiefgründig und keineswegs brav. Alles andere als langweilig sind auch Grau und Schwarz, die Basics für den verrucht-verführerischen Beauty-Klassiker Smokey Eyes, an denen im Herbst und Winter kein Weg vorbeiführt. Was auch sein muss, sind metallisch schimmernde Lider in Gold und Silber, die den Blick herrlich öffnen können, und Discoglitzer-Lidschatten.

Eine Alternative zu Lidschatten sind extreme Linien, die mit Eyeliner nicht nur am oberen oder unteren Wimpernrand gezogen werden. Sie nutzen, als grafisches Element oder als raffinierte Extravaganz, etwa um die Lidfalte extrem zu betonen, die ganze Fläche des Augenlids. Bevorzugte Farben sind Schwarz, Braun oder Bordeaux und, für ganz Mutige, knallige Kontrastfarben. Der Effekt: spektakulär. Den passenden Rahmen bilden perfekt getuschte Wimpern (wieder bevorzugt in Schwarz) und präzise definierte Augenbrauen. Damit derart mächtige, markante Farben ihre Wirkung entfalten können, brauchen sie die richtige Leinwand, also einen makellos zarten Teint mit elegantem, samtig-matten Finish.

Der Gegenpart zu so kunstvoller Inszenierung von moderner, selbstbewusster Weiblichkeit kann eigentlich nur der Rückzug zu Natürlichkeit, Unschuld und ein wenig Romantik sein. Erfrischend schlicht präsentiert sich - das war vor allem in Fashion-Shows für Herbst/Winter 2016/17 zu sehen - ein weiterer Make-up-Trend: Nude. Nude-Looks sehen aus, als ob sie noch nie mit Make-up in Berührung gekommen wären. Was natürlich nicht so ist. Denn Nude ist die hohe Kunst der Perfektionierung des Natürlichen. Dezente Creme-, Beige- und Brauntöne veredeln - wenn überhaupt! - die Augen, die dann nur noch ein ganz klein wenig Wimperntusche brauchen. Die Lippen tragen hauchzartes Pink, Rosa, Beige, Rosenholz oder weiches, schmeichelndes Rot - also Farben, die ihre natürliche Farbe und Schönheit betonen, vielleicht ein wenig Lipgloss. Eine Idee Rouge auf die Wangen und fertig ist die mädchenhaft-fragile Schönheit.

Schön wär's. Damit die Haut, die bei diesem Look durchscheinend und eher matt sein soll, natürlich und möglichst transparent aussieht, braucht sie ein wenig Nachhilfe von Concealer, Highlighter und Primer, die sie glatter und ebenmäßiger machen, Pigmentstörungen und Rötungen abmildern und den Teint frischer aussehen lassen. Erst dann kommen Foundation und Puder und was es sonst noch braucht, um die Illusion natürlich schöner Haut herzustellen, an die Reihe.

Aufgerufen am 25.09.2018 um 05:38 auf https://www.sn.at/leben/lifestyle/eine-dunkle-begierde-1036735

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