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Frühlingserwachen am Seeufer

Region Neusiedler See. Im Burgenland, am Tor zur Pannonischen Tiefebene, kommt der Lenz besonders früh.

Der Trapphahn zeigt, was er kann. Schließlich gilt es bei den anwesenden gefiederten Damen einen nachhaltigen Eindruck zu machen. Zwar wissen die Zweibeiner mit ihrem Fernglas kaum, wo bei dem aufgeplusterten Federknäuel vorn und wo hinten ist, dennoch zählt die Balz der Großtrappe zu den wirklich spektakulären Erlebnissen im Seewinkel.

Wenn der Frühling kommt, ist der Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel jeden Tag um eine Attraktion reicher. Dann zieht es auch die Ranger schon am Morgen mit ihren Gästen in den Nationalpark. Viele von ihnen haben das Angenehme mit dem Spannenden verbunden, logieren also in der St. Martins Therme und machen sich gleich nach dem Aufstehen bereit, die unglaubliche Naturvielfalt der Region aus der Nähe zu betrachten. So ein Ausflug mit den St. Martins Rangern ist zwar in der Neusiedler See Card - mit der es 20 Prozent Ermäßigung in der Therme gibt - nicht enthalten, aber nichtsdestoweniger empfehlenswert.

Ausgestattet mit einem Hochleistungsfernglas und dem profunden Wissen des Nationalparkexperten um alles, was hier tschilpt und flattert, werden Silberreiher entdeckt, Flussregenpfeifer erkannt, Rotschenkel und Rotbauchunken belauscht und Säbelschnäbler, Kiebitze und Uferschnepfen beobachtet. Nach der Balzzeit, wenn die Nester bebrütet werden, geht es ruhiger zu.

Der 320 Quadratkilometer große Steppensee mit seiner unglaublichen Artenvielfalt ist vom zweitgrößten Schilfgürtel Europas umgeben, an den ökologisch wichtige Hutweiden anschließen. Auch außerhalb des Nationalparks Neusiedler See - Seewinkel finden sich daher spannende Ökosysteme und die ganze Region ist mittlerweile durch nationale und internationale Bezeichnungen als Weltkulturerbe oder Biosphäre geschützt.

Und noch jemand ist frisch eingetroffen aus dem Süden: Meister Adebar. Der Storch als Wahrzeichen des Burgenlands - und insbesondere der Landschaften rund um den Neusiedler See - ist nicht zu übersehen. Wer seinen Frühlingsspaziergang durch die hübsche Freistadt Rust macht, braucht nur emporzublicken zu den Eisenrädern hoch auf den barocken und Renaissancekaminen der Häuser. Dort setzen sich die Störche im wahren Sinn des Wortes ins gemachte Nest.

Denn Pflege und auch Reparatur - mit biegsamen, langen Trieben der Rieslingrebe - der wetterfesten Behausungen übernimmt meistenteils der Storchenverein des Ortes. Das zieht die erwachsenen Brutpaare an und reduziert die Sterblichkeit des Nachwuchses, zur Freude der Ruster und auch ihrer Gäste.

In der Pannonischen Tiefebene erwacht die Natur so früh wie sonst nirgendwo in Österreich: Die ersten kräftigen Sonnenstrahlen treffen auf die jetzt fein herausgeputzten Weingärten - ein genussvoller Auftakt.

Ein Genuss-Start für die vielen Weinliebhaber! Und auch Bierliebhaber, vor allem, seit es die Privatbrauerei Gols gibt. Denn immerhin wurde diese Brauerei mitten im Weinland ja von einem Winzer gegründet. Der gern experimentiert, und so schwärmt Harald Sautner von seinem neuen Kräuterbier oder dem Kastanienbier. Alles mit Bio-Zutaten aus der Region gebraut, klar. Erst vor Kurzem wurde die Golser Privatbrauerei zur beliebtesten des Bundeslands gekürt.

Die Winzer selbst können nun ein wenig verschnaufen. Der winterliche Rebschnitt ist getan, die Ernte des Vorjahrs schlummert noch in den Fässern. Spannend wird es jetzt also für die Weingenießer. Denn für die nehmen sich die Weinbauern jetzt ganz viel Zeit.

Ab Ende März öffnen in der Region rund um den größten Steppensee Mitteleuropas die ersten Kellertüren zur Degustation der frischen Weine. Ein begehrter Event schickt dazu die ersten Boten voraus: "Wein im Frühling" in der Region Neusiedler See. Eine perfekte Gelegenheit, die fruchtigen Jungstars zu verkosten, in den Kellern und Weingütern mit den Winzern zu plaudern und das Ganze mit einem Ausflug in den Frühling zu verbinden.

Nicht zu verachten natürlich zu den Kostbarkeiten, die im Glas schimmern, und als köstliche Unterlage ist die handfeste Gaumenfreude aus der Region: Pannonien lässt grüßen! Mit Wurstspezialitäten vom nur hier lebenden Grauen Steppenrind, saftigem Schinken vom Wasserbüffel, Schmalz, Speck und Aufstrichen vom Mangalitzaschwein. Dazu das frische Gemüse aus den Gärten und bald auch die ersten Tomaten vom Paradeiserkönig Stekovics …

"Der Lenz ist da!", heißt es auch Anfang Mai bei der Basilika in Frauenkirchen. Um das hübsche barocke Gotteshaus herrscht bunter Trubel, mit viel Kulinarischem, dem Verkauf von allerlei Pflänzchen, Kunsthandwerk und Klostererzeugnissen. Dazu gibt's Vorträge über naturnahes Gärtnern, Konzerte mit Orgel und Chor und sogar Schnuppersafaris und Secret-Garden-Touren mit den St. Martins Rangern. Und auch hier gilt: Nie das Fernglas vergessen! Jederzeit kann ein zwitschernder Frühlingsbote vorbeifliegen, eine Graugansmutter mit ihren Gösseln über die Straße watscheln, können Kiebitze im Zwick balzen oder kann am Lackenrand Einzigartiges entdeckt werden.

Darin ist der Neusiedler See einzigartig: Naturliebhaber können einen Nationalpark und zwei Naturparks an einem Tag mit einem Thema und einer Führung erleben. Drei Parks an einem Tag - in den zwei Naturparks Rosalia-Kogelberg und Neusiedler See - Leithagebirge sowie natürlich im Nationalpark Neusiedler See - Seewinkel spiegelt sich zu jeder Jahreszeit der reiche und vielseitige Schatz der Natur wider.

Und als Sesam-öffne-dich für die Besucher der Region fungiert die Neusiedler See Card: Immer wieder ausgezeichnet und gültig rund ums Jahr während des Aufenthalts, gibt's diese schon ab einer Nächtigung gratis.

Mit über 50 Gratisleistungen und vielen Ermäßigungen in Sport, Kultur, Natur, Freizeit, Verkehr und Badespaß. Es gibt also keine Ausreden mehr, nicht an den Neusiedler See zum frühesten Frühling in Österreich zu fahren.

MIT DEM RAD RUND UM DEN SEE

Der Neusiedler-See-Radweg B10 ist der beliebteste Radweg der Region: 125 Kilometer geht es entlang des Schilfgürtels mit Seeblick, zwischen Weingärten, Feuchtwiesen und Salzlacken um den See. Genussradler kürzen mit den Radfähren ab.

Der Lackenradweg zeigt eine einzigartige Naturwelt mit kaum Steigungen, er ist daher sehr familienfreundlich. Salzlacken findet man im europäischen Binnenland nur im Seewinkel und in Zentralungarn, hier sind Pannonische Salzaster, Queller, Salzmelde und Salzkresse zu finden. Wie auch seltene Vogelarten wie Säbelschnäbler und Seeregenpfeifer, die nur hier brüten. Fernglas nicht vergessen!

Der Kirschblüten-Radwanderweg B12 verläuft am Fuß des Leithagebirges, durch den Welterbe-Naturpark und seine Kulturlandschaft, vorbei an Tausenden Kirschbäumen, die - je nach Witterung - von Mitte bis Ende April die Region in ein einziges weißes Blütenmeer verwandeln. Für ambitionierte Pedalritter.

Der Kulturradweg Gols präsentiert sich für Familien und Genussradler. Start und Ziel des 26 Kilometer langen Rundkurses: Gols als größte Weinbaugemeinde Österreichs. Etappen: das Dorfmuseum Mönchhof, das Barockschloss Halbturn, die barocke Basilika in Frauenkirchen, dazu Galerien und Vinotheken.

Info: www.neusiedlersee.com

Aufgerufen am 01.10.2020 um 04:17 auf https://www.sn.at/leben/lifestyle/fruehlingserwachen-am-seeufer-68230612

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