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Heimische Moore im Bild: Schön versumpft

Sagenumwoben, ausgebeutet, bedroht. Ein neuer Bildband setzt der Schönheit heimischer Moore ein Denkmal.

Irrlichter, Moorleichen, bodenlose Sumpflöcher: Moorlandschaften bergen Geheimnisse, um sie ranken sich zahlreiche Gruselgeschichten und Sagen. In ganz Österreich belegen Moore eine Fläche von etwa 250 Quadratkilometern. Auf die Landesfläche umgelegt bedeutet dies einen Anteil von lediglich 0,3 Prozent.10.000 Jahre alte EntwicklungNach der letzten Eiszeit, der Würm-Kaltzeit, vor etwa 10.000 Jahren begann die Entwicklung der Moore. Doch der Mensch schaffte es in nur 150 Jahren, rücksichtslos zahllose heimische Moorlandschaften zu zerstören. Die Hauptursachen waren die Trockenlegung für landwirtschaftliche Nutzflächen und der Torfabbau. Heute ist nur noch ein Bruchteil der ursprünglichen Flächen erhalten und Moore zählen weltweit zu den am meisten gefährdeten Landschaften. Weshalb sie schlussendlich gottlob unter besonderen Schutz gestellt wurden. Der Salzburger Fotograf und Journalist Kurt Wolfgang Leininger hat mit "Geheimnis Moor" ein Buch über die Moorlandschaften zwischen Ibm und Ainring herausgebracht. Darin erklärt er unter anderem ihre Entstehung, ihre Bewirtschaftung, Ausbeutung und die aktuellen Schutzmaßnahmen. Er beschreibt tierische Moorbewohner, wie die dort lebenden Vögel. Im Ainringer Moos (Bayern) etwa wurden 39 Arten nachgewiesen, die vom Aussterben bedroht sind. Aber auch seltene Pflanzen finden sich in den kargen Landschaften.Moor als Medizin und NahrungsmittelLeininger spannt den Bogen dann weiter vom Ausflugsziel bis zum Moor als Medizin und Nahrungsmittel. Illustriert ist das Buch großteils mit wunderbaren Landschaftsbildern, aber auch historische Aufnahme finden sich darin. "Ich wohne in der Nähe des Moors und gehe sehr gern hin. Vor allem, wenn ich müde bin. Das baut mich auf", erklärt Leininger. Aber Moore seien nicht nur Kraftplätze für den Menschen, sondern Lebensraum für zahlreiche Tiere und Pflanzen und wichtig für die Regulierung des CO2-Haushalts. "Man kann das ganze Jahr ein Moor besuchen, jedes hat seinen ganz eigenen Charakter", fügt er hinzu. Mit dem Buch wolle er auch die Aufmerksamkeit auf diese teils vergessenen Landschaften lenken und eine Publikation anbieten, die das Thema verständlich aufarbeite: "Wenn wir in der Freizeit etwas unternehmen wollen, dann denken wir meistens nur daran, einmal in die Berge oder auf eine Alm zu gehen." Die ersten Fotografien für das Buch entstanden vor 2,5 Jahren. Neun Monate brauchte er für Text und Recherche. "Ich hatte unheimlich viele Helfer, die mir Informationen oder alte Fotos zugetragen haben. Sie alle sind hinter dem Buch gestanden", sagt er. Das Bewusstsein für den Erhalt unserer Moore ist in den vergangenen 30 Jahren deutlich gestiegen. Ein besonderes Beispiel dafür ist etwa die Flachgauer Gemeinde Bürmoos, deren Geschichte und Bevölkerung eng mit dem Torfabbau verwoben ist, wie Leininger aufzeigt. 1992 wurde dort der Torferneuerungsverein gegründet, der sich für die Renaturierung der Torfabbauflächen einsetzte. Schon in den frühen 1980er-Jahren hatten sich Aktivisten mit diesem Ziel zusammengeschlossen.Nicht einfach, Interessen durchzusetzenGanz so leicht war es aber nicht, ihre Interessen durchzusetzen: So gab es damals auch Überlegungen, das geschundene Moorgelände anderweitig zu nutzen, etwa als Golfplatz oder Wohnsiedlung. Damals wurde auch darüber spekuliert, ob der Salzburger Flughafen nicht nach Bürmoos oder Lamprechtshausen verlegt werden sollte. Heute hat der Torferneuerungsverein 560 Mitglieder, seit 1985 wurden von ihnen mehr als 50.000 freiwillige Arbeitsstunden geleistet, um die letzten Reste des einst 420 Hektar großen Hochmoors von Bürmoos zu erhalten. Auf dass man hier noch lang gedanklich versinken kann.

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