Lifestyle

Hüter von Heimat und Brauchtum

Seit 50 Jahren prägt Hans Strobl die Welt der Tänzer und Plattler. Und noch vieles mehr.

Die Arbeit für die Erhaltung unserer Bräuche ist wichtiger denn je. In unserer oft hemmungslos globalisierten Welt gibt das Tausenden jungen Menschen Halt und Sinn!" Der das sagt, ist wohl einer der profiliertesten Funktionäre für Heimat- und Brauchtum im Land Salzburg. Einer, der sich dafür seit Jahrzehnten in die erste Reihe stellt: Seit 50 Jahren prägt Hans Strobl im Land die Welt der Trachtenvereine und Plattler wie kein anderer.

Dabei war es eher Zufall, dass er zum Gebirgstrachtenerhaltungsverein St. Johann gestoßen ist. Zarte 13 Jahre alt war der Sohn des Waffenmeisters bei den Bauernschützen St. Johann, als er und sein älterer Bruder Peter beim Maibaumaufstellen neben dem ehemaligen Gasthof Scherer gefragt wurden, ob sie nicht mittanzen wollten. Das war die Geburtsstunde für eine Brauchtumskarriere sondergleichen. Mit 17 Jahren wurde der junge Mann Kassier, mit 22 "Verlegenheitsobmann", weil kein anderer das Amt hat übernehmen wollen. "Ich habe für ein Übergangsjahr zugesagt", sagt er lachend, "20 Jahre sind es dann geworden." Bald saß der St. Johanner auch im Gauverband Pongau, wurde 2012 zum Nachfolger des legendären Obmanns Bertl Rieser gewählt. Diese Funktion hat er heute noch inne.

"Wir haben im Pongau 20 Tanzgruppen und 20 Schnalzervereine", erzählt er stolz. "Dazu kommen Trachtenfrauen, Perchten, Krampusgruppen, Mundartdichter, Hochzeitslader und Ranggler." Drei Gaufeste hat Hans Strobl als Obmann organisiert. Höhepunkte waren der Große Bandltanz seiner Leute bei der Eröffnung der Salzburger Festspiele sowie zum Jubiläum "100 Jahre österreichischer Trachtenverband" im Freilichtmuseum Großgmain.

Längst wurde die Arbeit des Pongauers derart geschätzt, dass sich das sogar bis in die Landeshauptstadt herumgesprochen hat: Von 2003 bis 2012 war Hans Strobl Geschäftsführer aller Salzburger Heimatvereine. Sieben Jahre lang war der Brauchtumsexperte auch Redakteur der "Österreichischen Trachtenzeitung", die vierteljährlich herausgegeben wird.

Was hat Hans Strobl nicht alles noch "so nebenbei" erledigt! Über Jahrzehnte hat er sich um den Perchtenlauf in seiner Heimatstadt St. Johann gekümmert. Auch der jährliche Krampuslauf am 5. Dezember trägt seine Handschrift.

Hans Strobl als Schönpercht beim Perchtenlauf in St. Johann. SN/privat/repro: franz taferner
Hans Strobl als Schönpercht beim Perchtenlauf in St. Johann.

Ein Höhepunkt des Brauchtumsjahrs ist das Prä-Eisschießen zwischen den Pinzgauer und Pongauer Heimatvereinen, das er mit Xandi Oberhofer (Saalfelden) vor mehr als zwei Jahrzehnten ins Leben gerufen hat. Freilich mit eher mäßigem Erfolg: Bei 22 Kräftemessen gab es für den Pongau unter Moar Hans Strobl lediglich drei Siege zu feiern.

Ja, und da ist natürlich noch sein Wirken und Werken als Hochzeitslader. "Ein Vereinsmitglied hat mich 1975 gefragt, ob ich das nicht bei seiner Hochzeit übernehmen würde", erinnert sich der St. Johanner. 415 Hochzeiten (in Worten: vierhundertfünfzehn) sind es seither geworden, bei denen Hans Strobl für Braut und Bräutigam als Zeremonienmeister fungierte.

Langsam, aber sicher gelingt es dem 67-Jährigen, ein bisschen leiserzutreten, eine Funktion nach der anderen in jüngere Hände zu legen. An acht Pongauer Volksschulen aber gibt er noch regelmäßig sein Wissen weiter, erzählt den Kindern über Palmbuschen und Ratschenbau, das Aufstellen von Maibäumen, das Binden einer Erntekrone, über den Nikolaus- und Krampusbrauch, über Schnalzer, Tänzer und Plattler.

"Je länger ich dabei bin, umso wichtiger ist es für mich, unsere Bräuche den jungen Generationen zu vermitteln", resümiert Hans Strobl nachdenklich. "Es zahlt sich aus, Heimat und Brauchtum hochzuhalten!"

Quelle: SN

Aufgerufen am 26.11.2020 um 01:05 auf https://www.sn.at/leben/lifestyle/hueter-von-heimat-und-brauchtum-92584450

Kommentare

Schlagzeilen