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In der Seifenküche entstehen Duftstücke

Es ist ein bisschen wie Kochen. In der Seifenmanufaktur der Rafflers am Wolfgangsee wird gerührt und gemischt. Am Ende stehen duftende Meisterstücke bereit, auch am Salzburger Christkindlmarkt.

Seifen machen ist eine staubige Angelegenheit. Das bekommen Theresa und Thomas Raffler zu spüren, als sie in ihrer Seifenmanufaktur in St. Wolfgang den "Fleischwolf" anwerfen und schnell von einer weißen Duftwolke eingehüllt werden. An der großen Maschine erfolgt der Startschuss für ihre Seifenkreationen. Basis der pflegenden und duftenden Blöcke sind sogenannte Seifenpellets, die sie in einem Tiroler Unternehmen nach eigener Rezeptur anfertigen lassen. "Diese Pellets bestehen aus Öl und einer Lauge und werden im ,Fleischwolf' zu Seifenstaub verarbeitet", erklärt Theresa Raffler, Chefin in spe der Benediktiner Seifenmanufaktur, die sie 2020 von ihrem Vater Andreas Wipplinger übernehmen wird.

Dieser hat gemeinsam mit seiner Frau Anfang der 90er den Grundstein für das Unternehmen gelegt. Damals verschlug es die beiden Kaufleute vom Mühlviertel ins Salzkammergut. Sie machten sich selbstständig, verkauften Blumen, Hochprozentiges und vieles mehr, bevor sie schließlich 1994 zu den Wurzeln des Hauses mit der Adresse Markt 9 zurückkehrten. Zur Herstellung von Seifen.

Denn in dem geschichtsträchtigen Gebäude - es gehört zu jenen 40 Bauernhöfen und Markthäusern, die den Grundstock des Wallfahrtsorts bilden - haben schon Benediktinermönche vor 600 Jahren Seifen hergestellt. "Damals aus tierischen Produkten wie Rindertalg." Heute seien pflanzliche Zutaten im Einsatz. Öle, Lebensmittelfarben. Nur auf Ochsengalle und Milchpulver greifen die Rafflers zurück. "Die Ochsengallseife ist einer unserer Verkaufsschlager, das perfekte Fleckenmittel."

Seifen erfreuen sich derzeit großer Beliebtheit. Raffler nennt zwei Gründe dafür: "Zum einen enthalten sie keine Chemie wie Silikone und Tenside, zum anderen bekommt man Seifen ohne Verpackung." Zudem seien sie eine Wohltat für die Haut. "Auch wenn sich die Haut durch die Pflege mit Flüssigprodukten erst wieder an Seife gewöhnen muss. Unsere Poren sind dadurch total verstopft."

Besonders begehrt sind auch Seifen mit Eisenkraut, eine von mehr als 100 Sorten im Geschäft in St. Wolfgang, aber auch in den Filialen in Hallstatt, Mayrhofen und Seefeld. Diese sind besonders rückfettend und erfrischen mit ihrem Duft nach Zitronenverbene. Ein weiterer Verkaufsschlager sind Seifen zum Haarewaschen und für die Rasur.

Nachdem die Rafflers die Seifenpellets zu Seifenstaub verarbeitet haben, geht es ans Rühren und Vermischen. Auf dem Programm steht Ananasseife. Erst kommt gelbe Lebensmittelfarbe zum Staub, dann ein wenig Öl für die richtige Konsistenz, schließlich ein paar Tropfen Ananasöl. Thomas Raffler rührt, seine Frau nimmt eine Handvoll Flocken und zerreibt sie vorsichtig zwischen ihren Fingern. "So fühlt man, ob die Konsistenz stimmt." Dann wandert die Masse in die nächste Maschine, wo sie zu Flocken verarbeitet wird. Diese gehen zurück in den "Fleischwolf", wo sie mit einem neuen Sieb zu Blöcken geformt werden.

Im Geschäftslokal im Ortszentrum von St. Wolfgang wird nur noch ab und zu Seife gefertigt. "Vor allem dann, wenn Kunden sehen wollen, wie unsere Seifen entstehen." Hinter dem Laden befindet sich eine große Fertigungshalle, dort entstehen innerhalb eines Jahres Tausende Seifen aller Art. Die Chefs schätzen, dass in der Benediktiner Seifenmanufaktur gut sieben Tonnen Seifenpellets pro Jahr verarbeitet werden.

In der Vorweihnachtszeit erweitern die Seifenmacher dann um einen zusätzlichen Standort. Am Salzburger Christkindlmarkt sind sie mit je einer Hütte auf dem Residenzplatz und dem Domplatz vertreten. "Es ist inzwischen schon Tradition, dass wir unsere Seifen dort verkaufen. Das gehört für uns einfach zur Adventzeit", so Theresa Raffler.

Aufgerufen am 18.01.2020 um 05:38 auf https://www.sn.at/leben/lifestyle/in-der-seifenkueche-entstehen-duftstuecke-79786327

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