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In luftigen Höhen

Klettersteiggehen erfreut sich seit Jahren großer Beliebtheit. Doch viele Anfänger unterschätzen die Anforderungen. Ein Experte vom Alpenverein Salzburg hat für Einsteiger Tipps und Tricks parat.

Die Dolomiten in Südtirol brachten Rene Hackstock, heute als Übungsleiter für Alpinklettern beim Alpenverein Salzburg tätig, zum Klettern - als Jugendlicher nahmen ihn Tante und Onkel mit auf einige Klettersteigtouren, auch seine Mutter war dabei. In Österreich war das Klettersteiggehen damals noch eher unbekannt, erst nach und nach wurden auch hier Klettersteige errichtet, um die große Nachfrage zu befriedigen und Bewegungstalenten und Naturliebhabern wie Rene Hackstock ein entsprechendes Angebot zu bieten. Denn, das zeigt die Nachfrage, Klettern boomt seit einigen Jahren - sei es das Seilklettern in der Halle, das Klettern am Felsen, das Begehen von Klettersteigen oder auch das Bouldern (Klettern ohne Kletterseil und Klettergurt an Wänden, aus denen ohne Verletzungsgefahr abgesprungen werden kann).

Hackstock beschreibt das Klettern "als eine sehr natürliche Bewegungsform, die Spaß macht". Der große Vorteil von Klettersteigen besteht darin, dass man nicht auf einen Partner angewiesen ist, der sichert, und auch allein losklettern kann. Aber natürlich sollte man einige Voraussetzungen mitbringen, um eine Wand, die mittels eines fixen Stahlseils erschlossen ist, auch gut hochzukommen. "Dazu gehört eine körperliche Grundfitness, sicherlich auch Schwindelfreiheit. Man sollte Spaß an der Bewegung an der Natur haben und sich richtig selbst einschätzen können. Was ich immer merke, wenn ich auf Klettersteigen unterwegs bin: Viele Leute überschätzen sich und unterschätzen die Schwierigkeitsgrade eines Klettersteigs", sagt Hackstock. Es sei daher essenziell, mit leichten Klettersteigen anzufangen und sich langsam an die Strapazen heranzutasten. Denn das Begehen von Klettersteigen ist anstrengend. "Man braucht Kraft in den Armen, vor allem bei schweren Klettersteigen. Man braucht außerdem Kraft in den Beinen, auch Rücken und Bauch werden beansprucht. Klettern ist ein sehr gutes Ganzkörpertraining", erklärt Hackstock. Er hat auch gleich einige Tipps für Einsteiger parat: "Ganz wichtig ist das richtige Steigen, also die richtige Tritttechnik. Das wird mit der Erfahrung immer besser. Die Bewegungen beim Klettern müssen mehr aus den Beinen und weniger aus den Armen kommen. Man muss lernen, den Fuß richtig aufzusetzen und richtig zu belasten. Der Griff sollte eher locker sein."

Die Ausrüstung sollte beim Begehen von Klettersteigen auf dem neuesten Stand sein, uralte Klettersteigsets und schlechtes Schuhwerk sind ein No-Go. Neben einem Klettergurt benötigen die Sportler ein normiertes Klettersteigset mit Karabinern, einen Helm, Kletterhandschuhe, eine kurze Bandschlinge mit Karabiner für eine etwaige Rast, einen Rucksack mit Proviant, Erste-Hilfe-Set, Biwacksack, Sonnencreme und gute Schuhe. Beim Schuhwerk gibt es mehrere Möglichkeiten: "Das kommt sehr auf den jeweiligen Klettersteig an", führt Hackstock aus. "Es gibt eigene Zustiegschuhe, wenn es hochalpiner wird, braucht man höhere Schuhe."

Hackstock, der selbst Alpenvereinskurse anbietet, rät zum Kauf bei vertrauenswürdigen Händlern, die einen beraten und bei denen man alle Utensilien probieren kann. "Man muss sich mit der Ausrüstung wohlfühlen. Zum Beispiel sollen sich die Karabiner gut in der Hand anfühlen." Dies ist umso wichtiger, da man auf Klettersteigen viel Zeit damit zubringt, sich ein- und umzuhängen, um gesichert und vor einem Sturz in die Tiefe geschützt zu sein.

Auch Kinder können sich an Klettersteigen austoben, wobei zu beachten ist, dass Klettersteigsets erst ab einem gewissen Gewicht verwendet werden können. Kinder, die zu leicht sind, sollten kein Set verwenden und müssen separat gesichert werden. Als Klettersteig-Hotspots in Salzburg und Umgebung nennt er die Drachenwand, den Grünstein-Klettersteig, die City Wall, den Pidinger Klettersteig und den Berchtesgadener Hochthronsteig.

Weitere beliebte Klettersteige

Attersee-Klettersteig
Schöner Klettersteig (Schwierigkeit D) auf den Mahdlgupf mit Toppanorama und Seeblick.

Klettersteig Schlegeis
Kein Fels, kein Berg, nur purer Beton in Form einer mächtigen Staumauer: Die Ferrata am Schlegeisstausee im Zillertal führt im Schwierigkeitsgrad B (mit dem direkten Ausstieg sogar C/D) in 131 Meter Höhe.

Hias-Klettersteig (C/D)
Der Klassiker in der Silberkarklamm auf der Südseite des Dachsteinmassivs bietet ein einzigartiges Dachstein-Panorama.

Quelle: SN

Aufgerufen am 25.10.2020 um 12:50 auf https://www.sn.at/leben/lifestyle/in-luftigen-hoehen-74176321

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