Lifestyle

Luftige Schlichtheit im Bad

36 Minuten verbringen Herr und Frau Österreicher im Durchschnitt täglich in ihren Badezimmern. Und immer öfter auch noch ein bisschen mehr Zeit, denn aus dem einstigen Zweckraum ist längst ein Ort zum Wohlfühlen geworden.

Es gehört zu den kleinen Freuden des Lebens: in ein heißes, duftendes Bad einzutauchen, dazu ein bisschen Musik und vielleicht noch ein Glas Wein zu genießen - kurzum: ein bisschen Spa-Glückseligkeit ins eigene Heim zu holen. Ohne Frage gehört dazu auch ein angenehmes Ambiente im Badezimmer: Wie könnte man auch in einem dunklen und muffigen Raum der redlich verdienten Entspannung frönen? Während das Badezimmer früher oft ein Schattendasein im eigenen Haus geführt habe, sei seine Bedeutung in den letzten Jahren deutlich gewachsen, erklärt Hannes Dallinger, seines Zeichens Bäderexperte bei Holter. "Das Bad ist zu einem Ort der Ruhe und des Rückzugs geworden. Diese neue Wahrnehmung spiegelt sich auch in Wohn- und Einrichtungstrends wider. Bädern wird heute mindestens ebenso viel Einrichtungsaufmerksamkeit geschenkt wie vormals nur Wohn- und Schlafzimmern. Ihr Dasein als ,Zweckraum' gehört damit endgültig der Vergangenheit an." Wie aber wird aus einem Badezimmer ein Raum der Entspannung? Welche Trends sind im Bereich der Einrichtung, Farbgestaltung und Sanitärausstattung bestimmend?

Die klare Linie

Dallinger: "Grundsätzlich findet im Bad heute eine klare Linienführung und Farbgebung Anwendung. Verzierungen und verschnörkelte Linien gibt es immer weniger. Prägend sind im Moment einfach geschnittene, formschöne und ästhetische Badezimmerelemente und gut abgestimmte Materialkombinationen." Wobei, ergänzt er, "natürlich Funktionalität und Pflegekomfort immer eine sehr große Rolle spielen." Der Effekt spricht für sich: Reduziert und gleichzeitig behaglich, offen und luftig, schlicht, aber einladend wirken moderne Bäder heute. Die klare Linie setzt sich auch bei der Badkeramik fort. So liegen bei den Waschbecken rechteckige, quadratische oder kreisrunde Formen stark im Trend. Anhaltend beliebt seien auch abgerundete Varianten, sagt Dallinger. Auch bei den Armaturen zeigt sich die Formensprache größtenteils schnörkellos und zurückgenommen oder ganz im Gegenteil, nämlich als "Retro-Schick": So bringen nostalgisch geschwungene Armaturenkörper in der Kombination mit klar gehaltenen Sanitärkeramiken ein interessantes und stilvolles Ambiente ins Bad. Chrom und Stahl bleiben nach wie vor die Spitzenreiter, was die Materialien betrifft, gleichzeitig werden die Oberflächen modern interpretiert: So finden sich die Wasserhähne mattiert, gebürstet, in interessanten Materialkombinationen und auch immer öfter dezent farbig, wie etwa in der Nuance "silky rose".

Keine schrillen Töne

Obwohl die Stilelemente und Farben der 80er-Jahre von Zeit zu Zeit ein umjubeltes Revival in der Modewelt feiern, bleiben sie im Bad (bunte) Vergangenheit. Auffällige Muster oder knallige Farben sind ebenso wie das ganz schlichte Weiß bei der Badezimmerkeramik heute eindeutig nicht mehr am Puls der Zeit. Farben sind zwar "in", werden aber analog zu den Formen mit vornehmer Zurückhaltung eingesetzt. Gedeckte Töne wie Braun, Beige, Graublau, leichte Grüntöne oder mattes Schwarz ergänzen die klare Badlinie nur um eher dezent wirkende Farbnuancen. Erlaubt sind einzelne "Eyecatcher", die zum Beispiel als Wandmuster einen Blickfang schaffen, jedoch mit Bedacht eingesetzt werden. Als harmonischer Partner agiert bei der Gestaltung vor allem Holz, das auch im Bad seine Kräfte als Universalgenie entfaltet. Generell wirke der allgemeine Trend zu Naturmaterialien wie überall auch auf die Badezimmergestaltung ein, erläutert der Experte. "Durch diese Materialien kommt die umgebende Natur quasi in den Innenraum. Das Badezimmer wird damit noch stärker zu einem Ort, an dem sinnliche Erfahrungen gemacht werden."

Bad erleben

Einzig was die Funktionalität betrifft, gilt das Gebot der Einfachheit nicht. Technisch gesehen stehen zeitgemäße Bäder den Möglichkeiten in Wellness-Resorts um fast nichts mehr nach: Während etwa in früheren Duschkabinen gerade einmal genug Platz zum Umdrehen war, sind sie heute nicht nur groß und komfortabel, sondern auch mit allen erdenklichen technischen Raffinessen ausgestattet: Von der Bespielung mit Lichteffekten über Duftaromen bis hin zum Sound beim Duschen ist so ziemlich alles möglich. Mit entsprechender Finesse warten aber auch die WCs auf: Hightech-Dusch-Toiletten bieten neben ihrer Reinigungsfunktion, (selbstverständlich) beheizten Toilettensitzen, geruchsabsorbierenden Filtern unter anderem auch ein Gerät, das sich die "Geräuschprinzessin" nennt: Es kann und soll unerwünschte Geräusche übertönen. Große Wirkung auf die Badezimmeratmosphäre hat natürlich auch das Licht. Kaum verwunderlich, dass auch ausgeklügelte Lichtkonzepte voll im Trend liegen. Die Ausgestaltung hängt dabei von den individuellen Vorlieben ab und kann variieren: Wird das Badezimmer häufig zum Entspannen genutzt, können warme Lichtquellen genutzt werden, bei Bedarf, etwa am Morgen, kann aber auch helles, bläuliches Tageslicht eingesetzt werden. Besonders beliebt sind verdeckte Lichter und Lichtleisten. Wichtig dabei: Um Schatten zu vermeiden, sollte das Licht stets von der Decke und den Seitenwänden ausgehen.

Dem Staub trotzen

Was den Küchen die Kücheninsel ist, ist dem Badezimmer die frei stehende Badewanne: Denn auch diese erlebt ein Comeback in allen Formen und Materialien. Preislich muss man mit Kosten ab 2200 Euro rechnen. Aber auch wenn die Badewanne "nur" ganz klassisch eingebaut wird, erfährt sie eine räumliche Aufwertung, beispielsweise durch eine angebaute Sitzgelegenheit. Und apropos Ablage: Natürlich gilt auch für die Möbel im Bad das Prinzip der Schlichtheit bei gleichzeitiger Raffinesse: Zeitgemäße Badezimmermöbel haben sich mittlerweile zu echten Aufräumprofis entwickelt und nehmen sich aller Utensilien an, die Staub einfangen könnten. Das moderne Bad ist somit ein von herumliegenden Handtüchern, Schminkutensilien und Shampooflascherln komplett befreites. Immer beliebter werden auch großflächige Fliesen, die bis zu einer Größe von 2,50 mal 1,20 Metern erhältlich sind. "Die Kunden möchten nach wie vor das schöne Erscheinungsbild einer Fliese, aber ohne den Nachteil der Fugen", erklärt der Fachmann. "Auch mit Plattensystemen können Bäder fast ganz fugenlos gestalten werden." Die Fliesendesigns orientieren sich ebenfalls an der Natur: Optik und Struktur erinnern an natürlichen Sandstein, hochwertigen Marmor oder Holz. Wer es trotzdem ein bisschen ausgefallener mag, kann sich aber auch sein persönliches Lieblingsmotiv mittels Glas-Fotodruck in die Dusche holen: Erlaubt ist, was entspannt und glücklich macht im eigenen Mini-Spa.

Aufgerufen am 27.10.2021 um 08:19 auf https://www.sn.at/leben/lifestyle/luftige-schlichtheit-im-bad-69887083

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