Lifestyle

Mode & Accessoires: Nachhaltigkeit ist eine Form von Respekt

Nachhaltig, regional, fair - Attribute, die in allen Bereichen des täglichen Lebens an Bedeutung gewinnen. Und auch in der Mode, bei Accessoires und Schmuck immer wichtiger werden.

Keine Kompromisse. Wenn man die Produkte des Wiener Designlabels Glein auf einen gemeinsamen Nenner reduzieren müsste, dann würde dabei herauskommen: keine Kompromisse. Nicht bei den Materialien, nicht bei der Produktion und schon gar nicht beim Design. Sebastian Leitinger, 32 Jahre alt, hat Glein 2017 gegründet. Begonnen hat alles aber schon zwei Jahre früher. Mit einem Auslandssemester in Paris und mit einem Schuhprojekt für seinen Freund, den Mode- und Produktdesigner Mario Gamser, der für seine Diplomarbeit Schuhe gebraucht hat.

Leitinger hat an der Universität für angewandte Kunst in Wien Produktdesign studiert. Nach dem Studium hat er selbstständig als Designer und in Studios gearbeitet, "aber es gibt wenige Produzenten und somit wenig Bedarf an Designern". Das Ganze gestaltete sich für ihn auch eher oberflächlich. "Neue Farben für ein Produkt zu finden ist keine Herausforderung." Als Produktdesigner wollte er an die Basis gehen und selbst produzieren.

Vom Bett zum Schuh zur Tasche

Und zwar Alltagsprodukte, die seinen Ansprüchen genügen. "Begonnen haben wir mit Möbeln", erzählt Leitinger. Unter anderem mit einem schlichten Bett aus Eiche. Es wird in Handarbeit aus breiten Massivholzdielen von einem Familienbetrieb in Oberösterreich mit Holz aus Oberösterreich für Glein produziert. Regional, nachhaltig, ganzheitlich.

Dann kamen schon die Schuhe. Und der Name Glein. "Um Schuhe zu vermarkten, braucht man einen Markennamen, der ursprünglich Klein, der Name seiner Großeltern, lauten sollte. Weil der aber schon vergeben war, wurde aus Gamser, Leitinger und Klein Glein." Aus dem Schuh, den er gemeinsam mit Mario Gamser entwickelt hat, ist das Modell "Derby" entstanden, ein weicher, wetterfester Unisex-Alltagsschuh aus feinem, nachhaltig gegerbten Leder aus artgerechter Tierhaltung, das aus Wegberg in Deutschland bezogen wird. Die Sohle ist aus Naturkautschuk, einem nachwachsender Rohstoff, wird im Südosten Frankreichs von Hand gegossen und ist wiederbesohlbar. Gefertigt wird der "Derby" von einem österreichischen Familienbetrieb, der seit Jahrzehnten Schuhe für die Feuerwehr, die Polizei und das Bundesheer herstellt.

Und wieder: regional, ganzheitlich, fair. "Nachhaltigkeit ist eine Frage von Respekt allem gegenüber. Respektlos ist, nicht nachhaltig zu sein, vor allem wenn man bedenkt, was man heute alles über gängige Produktionsmethoden weiß. Wenn man Design macht und zur Wurzel eines Produkts kommt, würde jeder ernst zu nehmende Designer die Dinge ganzheitlich sehen. Wenn man sich mit der Dingkultur auseinandersetzt, sind gutes Material und gute Produktion Voraussetzung."

Das gilt natürlich auch für Taschen. Das jüngste Modell ist eine Vacchetta Tote Bag. Vacchetta ist eine spezielle Form pflanzlich gegerbten Rindsleders, das Glein von einer Gerberei aus der Toskana bezieht. Es dunkelt mit der Zeit nach und erhält so eine individuelle Patina. Minimalistisch und schön. "Wenn man richtig gutes Material verwendet, ergibt es wenig Sinn, zu viel draufzupoppen. Man muss nicht mit Design Identität schaffen, gutes Material besitzt bereits Identität."

Den Dingen Zeit geben

Für die Vacchetta waren gut 30 Prototypen nötig, um die richtigen Detaillösungen zu finden. Anders gesagt: viel Zeit. Die sich Glein nimmt. "Wir haben keine Deadline. Das ist angenehm für uns zum Arbeiten, aber nicht unbedingt angenehm für die Produzenten." Für die Unterwäsche zum Beispiel, die im Herbst 2021 auf den Markt bzw. in den Shop kommen wird, hat sich Glein zwei Jahre Zeit genommen. Unter anderem, "weil wir auch an der Entwicklung der Stoffe mitarbeiten. Wir haben zum Beispiel einen ganz neuen Stoff für die T-Shirts entwickelt, der weicher als normaler Baumwollstoff ist, aber gleich robust. Das hat ein Jahr gedauert. Wir waren also schnell zufrieden."

Wir, das sind mittlerweile vier Leute, alle zwischen 26 und 33 Jahre alt, die Glein "machen" und bei Glein alles machen, nicht nur Design und Entwicklung, sondern auch den Verkauf im Shop, die Auslieferung der Betten, den Versand, die Qualitätskontrolle.

Das Ziel von Glein ist nicht nur, "eine Struktur zu schaffen, in der ganzheitlich schöne Dinge entstehen, sondern auch, Dinge zu entwickeln, die man mindestens zehn Jahre verkaufen kann". Saisonware wird man bei Glein vergeblich suchen. Es gibt auch keinen Sale. "Zwischen Werkstätten und Endkunden gibt es nur Glein", sagt Leitinger. "Es geht darum, Dinge zugänglich zu machen, deshalb auch die fairen Preise. Was muss etwas kosten, damit es für beide Seiten Sinn ergibt?"

Schmuck: Klare Formen, klare Haltung

Klassisch, minimalistisch, elegant, nachhaltig. Der Schmuck, den Monir Kienzl seit 2014 designt, bedient keine kurzlebigen Trends. Unter dem Label "Monir Jewellery" stellt sie in ihrem Atelier in Wien Prototypen von Ringen, Ohrringen (sehr chic: die Earcuffs) und Halsketten her, die in einer Manufaktur in Pforzheim produziert werden. Das Besondere an den vorwiegend aus 925er-Sterlingsilber gefertigten Stücken ist nicht nur ihr zeitloses Design, sondern auch, dass sie aus recyceltem Edelmetall hergestellt werden.

"Recyceltes Material zu verwenden ist heute eine Frage der Zeit. Das Silber, das für mich verarbeitet wird, stammt von alten Schmuckstücken, die eingeschmolzen werden. Das Material wird neu legiert und wiederverwendet. Nachhaltige Produktion und ein verantwortungsbewusster Umgang mit Ressourcen und Menschen war mir von Anfang an wichtig." Ihren Kunden offenbar auch. "Den Leuten ist es immer wichtiger zu wissen, woher etwas kommt", stellt die 43-jährige Designerin fest. "Kunden fragen vermehrt gezielt danach. Sie wollen lokal einkaufen. Es gibt ja ganz viel Schmuck, der im asiatischen Raum produziert wird. Selbst wenn der unter respektvollen Bedingungen hergestellt wird, bleiben immer noch die langen Transportwege."

Markenzeichen von Monir Kienzls Schmuck ist eine klare Linie, in der sich moderne, minimalistisch-klassische Eleganz und Avantgarde ergänzen. Die Stücke lassen sich nicht nur miteinander, sondern auch mit den Kreationen früherer Kollektionen kombinieren. "Das ist für meine Kunden ein wichtiger Punkt. Und auch für mich, denn ich will, dass mein Schmuck Bestand hat." Das "Gesicht" der aktuellen Kollektion ist übrigens die Schauspielerin Ursula Strauss, die das schon einmal war: 2014, kurz nachdem Monir Kienzl ihr Label gegründet hatte.

www.glein.wien
www.monir-jewellery.com

Aufgerufen am 15.01.2021 um 02:10 auf https://www.sn.at/leben/lifestyle/mode-accessoires-nachhaltigkeit-ist-eine-form-von-respekt-95532388

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