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Mode: Baby, it's cold outside!

Man muss kein Prophet sein, um vorherzusagen, dass Mäntel und Strick nun in der Mode ein gewichtiges Wort mitzureden haben. Überraschend ist aber doch, wie aufregend und raffiniert sie sich in Szene setzen. Coolness-Faktor: hoch. Kuschelfaktor: ebenso.

Die Devise lautet: Warm anziehen! Und zwar unabhängig von den Temperaturen. Wir brauchen eine schützende Hülle, denn die Welt draußen präsentiert sich im Augenblick als ziemlich ungemütlicher Ort. Wir gehen - sehr löblich - auf Abstand. Und errichten gegen den rauen Wind, der uns von allen möglichen Seiten entgegenbläst, ein Bollwerk aus Behaglichkeit und Wohlgefühl. Mit Mänteln und kuscheliger Strickmode - Schutzkleidung der besonders angenehmen Art. "Wärme und Glück, das aus der Weichheit kommt" nennt das die Trendforscherin Li Edelkoort.

Mantelparade.

Warm anziehen ist zum Beispiel mit den neuen Steppmänteln und -jacken ein Kinderspiel. Sie sind trotz mehrerer Schichten (zwischen Außen- und Innenschicht befindet sich ein wärmendes Vlies, meist aus synthetischen Fasern, seltener aus Daunen) federleicht und damit herrlich bequem. Aus Nylon oder Hightech-Materialien, die matt, glänzend oder wie metallisiert aussehen. Die ideale Länge: lang. Ähnlich gemütlich und noch flauschiger sind Mäntel aus Teddyfell und Kunstpelz (Fake Fur), die nun zu den Must-haves zählen. Echtpelz wurde von der Mode bis auf Weiteres zum No-Go erklärt.

Dritter im Bunde ist der gute alte Parka, denn auch der Herbst 2020 liebt Hippie-Mode und dazu gehört natürlich auch er. Am besten in seiner ursprünglichen Form - mit geräumigen Taschen, aber sonst ohne viel Schnickschnack, und am schönsten in Armeegrün, Blau und Braun.

Der Parka hat seinen Ursprung in Alaska und Sibirien, wo es ja nicht wirklich warm ist. Er wurde in den 1940er-Jahren von der US-Armee übernommen und in den 1960er-Jahren von der Mode adoptiert und adaptiert. Mit einer ähnlichen Historie kann der Trenchcoat aufwarten, der (schon) wieder topaktuell ist. Das Original ist ein mittellanger bis langer, doppelreihiger Regenmantel ohne Kapuze aus Gabardine oder Popeline mit Gürtel, der für die britische Armee von Thomas Burberry und Aquascutum London Ende des 19. Jahrhunderts kreiert wurde. Im Herbst und Winter 2020 tritt der weit und lang geschnittene, sonst eher zurückhaltend auftretende Klassiker in Beige aus seinem Schatten und präsentiert sich mit exzentrischem Futter, mit Puffärmeln, mit überweiten Ärmeln, mit extrabreiten Gürteln und - extrem cool - aus Leder.

Auffallend viele Teile - selbst die kuschelige Steppjacke wurde in den 1950er-Jahren als Spezialkleidung für die U. S. Air Force entwickelt -, die ihre Karriere bei der Armee starteten. Kann das Zufall sein?

Kein Zufall hingegen ist der große Auftritt des Blazermantels. Er ist ein Allroundtalent und somit ein Klassiker, der sich heuer von seiner schönsten Seite zeigt: lang, wenn möglich extralang, mit klaren Linien, tiefem Revers, mit lässigem Taillengürtel - wie gewohnt von schlichter Eleganz, aber niemals ohne Raffinesse. Gedeckte Farben wie Beige, Camel, Blau, Grau, Schwarz und Pastell sind genau sein Fall. Was auch sein Fall ist, sind Muster, heuer besonders Hahnentritt oder Karos. Soll der Blazermantel seine ganze Souveränität ausspielen, ist er aus hochwertigen Stoffen (etwa Kamelhaar) und traumhaft exquisiten Wollqualitäten wie Cashmere gefertigt.

Sonst noch "on stage": elegante Capes, Ponchos und, weil Klassiker Wind und Wetter gern die kalte Schulter zeigen, Cabanjacken und Dufflecoats.

Woll-Lust.

Alle Jahre wieder überwältigt sie uns aufs Neue, die Lust auf Strick. Denn Strick ist weich und warm - beinahe so etwas wie eine tröstliche Umarmung. Dafür verantwortlich zeichnen luxuriöse Materialien wie Cashmere, Merinowolle, Alpaka und Mohair, die den Teilen eine edle Anmutung verleihen. Das allein macht Strick schon sehr verführerisch, noch verlockender ist aber, was sich aus diesen Garnen machen lässt. Für die aktuelle Saison bitten Designer nicht nur Grobstrick, der im Idealfall aussieht wie selbst gestrickt, vor den Vorhang, sondern auch Feinstrick in allen nur denkbaren Formen. Pullover mit Rollkragen, mit Polokragen, mit Rundhals- oder V-Ausschnitt, Hoodies, Pullunder, Hosen und Kleider. Lange Kleider, die sich nun eher figurbetont geben, als Ausgleich oft Asymmetrien und Cut-outs aufweisen können. Dem Komplettlook steht wirklich nichts im Weg: Besonders schön, weil casual und edel zugleich, ist feiner Strick von Kopf bis Fuß, wenn die Farben Ton-in-Ton (Wollweiß, Beige in unterschiedlichen Nuancen, weiches Grau, zartes Blau) sind. Diese Farben strahlen Ruhe und Gelassenheit aus.

Grober Strick hat, daran herrscht kein Zweifel, nun Statement-Charakter. Auch weil er sich trotz der übergroßen Formen, in denen man regelrecht versinken kann, leicht und herrlich weich präsentiert. Pullover und Jacken bezaubern nicht nur mit betont wolligen und haarigen Qualitäten und mit Materialmix, was interessante Strukturen ergeben kann, und auch nicht nur mit klassischen Strickstilen wie Zöpfen, sondern vor allem mit auffälligen Prints (großflächige Blüten, Tiermotive, grafische Motive, Streifen) und Mustern, weshalb auch so traditionelle wie Argyle und Norwegermuster derzeit chic sind.

Starqualitäten besitzt der Cardigan, die gute alte Strickjacke. Sie ist wahlweise kurz, taillenlang oder überlang, wobei überlang Trend ist. Der Name geht übrigens auf James Brudenell, 7. Earl of Cardigan (1797-1868), zurück, der im Krimkrieg General war. Weil seine Soldaten froren, kam er auf die Idee, Strickjacken für die Truppe herstellen zu lassen. Der Cardigan, ein verlässlicher Begleiter in rauen Zeiten. Kann das wirklich Zufall sein?

Aufgerufen am 30.11.2020 um 11:02 auf https://www.sn.at/leben/lifestyle/mode-baby-it-s-cold-outside-95532088

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