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Naturtalente für schöne Haut

Pflanzen sind nicht nur schön, sie sind auch ganz schön clever. Ihre Schutzmechanismen und ÜberIebensstrategien machen sie für die Kosmetik hochinteressant.

Zwischen dem Edelweiß aus den Alpen und der Opilia aus den Savannen von Burkina Faso liegen Welten. Trotzdem gibt es Gemeinsamkeiten. Beide stehen im Dienst schöner Haut. Wirkstoffe aus Pflanzen, ihre Stämme, Stängel, Blüten und Wurzeln sind für die Kosmetikindustrie derzeit von großem Interesse. In der Naturkosmetik, die sich von Jahr zu Jahr weltweit immer größerer Beliebtheit erfreut, versteht sich das ja von selbst. Aber auch die konventionelle Kosmetik wird immer "grüner". Im Fokus stehen Pflanzen, die unter extremen Bedingungen wachsen und deshalb differenzierte Systeme gegen zellschädigende Einflüsse aus der Umwelt entwickelt haben, die es ihnen ermöglichen, trotz einer unwirtlichen Umgebung prächtig zu gedeihen. Die Verbindung zur Haut? Auch ihre Umgebung wird durch Stress, UV-Strahlung und negative Umwelteinflüsse zunehmend unwirtlicher. Sie braucht Schutz, die die Kosmetik nach dem Vorbild der Natur sucht. Und findet.

Die Opilia aus dem westafrikanischen Burkina Faso etwa kann, auch wenn es monatelang trocken war, zarte weiße Blüten bilden und beweist damit, dass sie außerordentliche Regenerationskräfte besitzt. Ebenso erstaunlich ist das Repertoire von Edelweiß. Edelweiß, das in Österreich seit 1886 unter Naturschutz steht und für kosmetische Zwecke gezüchtet wird, ist ein Überlebenskünstler, dem weder Kälte noch Hitze viel ausmachen. Der aus den über der Erde wachsenden Pflanzenteilen gewonnene Edelweiß-Extrakt besitzt nicht nur außergewöhnliche Eigenschaften gegenüber freien Radikalen (freie Radikale verursachen oxidativen Stress, der Zellen, also auch Hautzellen, schneller altern lässt, Anm.), er wirkt auch antiseptisch und entzündungshemmend.

Neue Forschungsarbeiten zeigen, dass das Edelweiß genau jene Proteine anregt, die für die Feuchtigkeitsversorgung und den Schutz der Haut verantwortlich sind. Stammzellen von Edelweiß schützen die extrazelluläre Matrix (das Gewebe, das zwischen den Zellen liegt) und regen den Aufbau diverser kollagener Fasern an. Stammzellen von Pflanzen und menschliche Stammzellen unterscheiden sich zwar stark, allerdings sind Pflanzenstammzellen in der Lage, Prozesse, die der Hautalterung entgegenwirken, anzuregen. Auch das belegen Studien.

Edelweiß ist derzeit ein Star unter den natürlichen Wirkstoffen. Es steckt in Naturkosmetik (Sisi and Joe), in naturnaher Kosmetik (The Body Shop, Kiehl's) und in Luxuskosmetik (La Prairie, Helena Rubinstein).

Das ist kein Zufall. Beobachtet man den Kosmetikmarkt, zeigen sich ganz eindeutig zwei Favoriten, die unterschiedlicher nicht sein könnten: Naturkosmetik und Hightech-Kosmetik.

Während Naturkosmetik Pflanzenwirkstoffe nach ganzheitlichem Ansatz, oft auch nach traditionellem (nicht nur heimischem, sondern auch chinesischem oder ayurvedischem) Wissen einsetzt, werden auf der anderen Seite modernste technische Möglichkeiten angewendet, um die Wirksamkeit nachzuweisen, um die besten Wirkstoffe zu erhalten, um sie dann, wenn es möglich ist - die Natur ist extrem komplex, Hightech ohne Technik -, im Labor nachzubauen. Denn für kleine Mengen Wirkstoff sind oft große Mengen an Rohstoffen nötig.

Zwei Wege, unzählige Möglichkeiten der Kooperation, ein Ziel: die Haut perfekt zu ernähren und zu schützen. Die Zukunft wird spannend. Auf Ethnobotaniker und Chemiker wartet viel Arbeit. Von den nach Schätzungen der International Union for Conservation of Nature and Natural Resources 380.000 Pflanzenarten auf der Erde werden erst knapp 30.000 vom Menschen genutzt.

Wer suchet, der findet

Exotische Pflanzen wie Orchideen, die in China etwa als Symbol ewiger Jugend gelten, sind für die Kosmetikwissenschaft interessant, weil sie, obwohl sie zart und zerbrechlich aussehen, alles andere als zart und zerbrechlich sind. An die 30.000 verschiedenen Orchideen gibt es. Ihre Blüten enthalten jede Menge Flavonoide, die antioxidativ wirken. Moleküle aus ihren Wurzeln wirken verjüngend auf die Haut. Auch Kakteen, die in der Wüste zu Hause sind, und selbst bei größter Hitze und Trockenheit blühen, sind wegen dieser Eigenschaft im Visier der Kosmetikforscher. Von Algen gibt es schätzungsweise 400.000 verschiedene Arten, von denen man wiederum 80.000 genauer kennt. Algen sind Klassiker in der Kosmetik. Ihrer Anpassungsfähigkeit - an unterschiedliche Meerestiefen, an Salz- und Süßwasser, an heiße Quellen, an arktisches Eis - verdanken sie eine extreme Nährstoffdichte. Algen, vor allem Rot- und Braunalgen, zeichnen sich durch eine große Vielfalt an Vitaminen, Mineralstoffen und Spurenelementen aus. Sie enthalten die Vitamine E, C und A, einen Vitamin-B-Komplex, Magnesium, Kalzium Eisen, Kalium, Selen, Zink und Jod sowie Silizium, Kupfer, Mangan, Germanium und Aluminium, Polyphenole und Flavonoide, und zwar massenhaft.

Naturwunder aus dem Garten

Allerdings muss man nicht unbedingt in die Ferne oder in die Tiefe schweifen, um kleine und große Naturwunder zu finden. Kamille, Minze und Ringelblume sind bei vielen Hautproblemen unentbehrlich. Die Wirkstoffe der Ringelblume bekämpfen Entzündungsprozesse und fördern die Bildung von neuem Gewebe. Ihre Carotinoide stärken die Haut außerdem gegen äußere Einflüsse. Kamille wirkt antibakteriell, Minze beruhigt. Auch Arnika hat es in sich. Rund 150 pharmazeutisch wirksame Inhaltsstoffe hat man bis heute bestimmen können. Die potentesten und bekanntesten Stoffe sind wohl die Flavonoide, Carotinoide und natürlich die ätherischen Öle. Ihr feiner Kieselsäuregehalt verleiht der Arnika strukturierende und formende Kräfte. Sie helfen dem Körper bei der Regeneration des Gewebes.

Oder die Nachtkerze. In ihrem Samen steckt ein hochwertiges Öl, das in hoher Konzentration Linolsäure und Gamma-Linolensäure enthält, die im Fettstoffwechsel der obersten Hautschicht, der Epidermis, eine wesentliche Rolle spielen. Weiter geht es mit Trauben. Kalt gepresstes Traubenkernöl wurde wegen seiner regenerierenden Wirkung bereits im Mittelalter verwendet. Damals wusste man noch nichts von dem Molekül Resveratrol, das in dem Traubenkernen steckt und die Produktion von Kollagen- und Elastinfasern nachhaltig stimuliert. Und auch in Weizen und Erbsen steckt viel Gutes für die Haut. So wirkt sich Weizenkeimextrakt positiv auf den Säureschutzmantel der Haut aus. Die Elastizität der Haut wird verbessert, Fältchen werden gemildert. Erbsenextrakt wirkt kräftigend und schützt die Hautstammzellen vor Schäden.

Klassiker Phytohormone

Längst schon in der Hautpflege (vor allem für reife Haut) etabliert sind Phytohormone, die im Gegensatz zu natürlichem Östrogen und Progesteron, in Kosmetika eingesetzt werden dürfen. Unter Phytohormonen versteht man Substanzen pflanzlicher Herkunft wie Isoflavone, Cumestane und Lignane, die etwa in Soja, Baumwollsamen, Rotklee oder Frauenmantel zu finden sind. Sie haben eine ähnliche Struktur wie Östrogene und können an die entsprechenden Rezeptoren der Haut anbinden. Der Aufbau von Bindegewebe wird unterstützt, die Hautelastizität verbessert.

Aufgerufen am 21.09.2018 um 03:58 auf https://www.sn.at/leben/lifestyle/naturtalente-fuer-schoene-haut-1210606

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