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Öko und fair: Was steckt hinter nachhaltiger Kleidung?

Vom Baumwollanbau über den Färbeprozess bis hin zum Verkauf im Shop - Ziel von nachhaltiger Mode ist es, die ökologischen und sozialen Mindeststandards zu erfüllen. Doch kann der Konsument sicher sein, dass bei einem nachhaltigen Kleidungsstück alle Voraussetzungen im gesamten Produktionsprozess erfüllt werden? Mehr zu Fairness, Eco und Grün in der Modeindustrie und welche Materialien als besonders umweltschonend gelten.

Was versteht man unter nachhaltiger Kleidung und wie wird sie produziert? SN/unsplash
Was versteht man unter nachhaltiger Kleidung und wie wird sie produziert?

Das Forum Umweltbildung erklärt Nachhaltigkeit in der Kleidungsindustrie als Bekleidung die aus umweltfreundlichen Materialien hergestellt und bei deren Herstellung soziale Aspekte berücksichtigt werden. Nachhaltige Mode wird oft im gleichen Atemzug mit fairer und grüner Mode oder slow- fashion genannt. Gibt es hier gravierende Unterschiede oder nur unzählige Bezeichnungen für denselben Hintergedanken?

Wird der Begriff Nachhaltigkeit zu inflationär verwendet?

Den Begriff findet man heute nicht nur in der Modebranche vor. Von Fortbewegungsmittel über Lebensmittel bis hin zu Technik und Hausbau - alles kann nachhaltig sein und der Konsument darf sich beim Erwerb eines derartigen Produktes zufrieden auf die Schulter klopfen. Doch ist das wirklich so? Der Begriff ist für den Konsumenten schwer zu fassen, denn was nun wirklich damit gemeint ist, kann jedes Unternehmen, Modelabel, etc. selbst entscheiden. So kann ein Modelabel eine nachhaltige Sommerkollektion anpreisen, sich jedoch hauptsächlich auf die Umsetzung von ökologischen oder sozialen Aspekten konzentrieren.

Doch von Anfang an: Im Grunde steckt hinter dem Begriff Nachhaltigkeit die Idee, dass nicht mehr verbraucht werden darf, als künftig von der Erde wieder bereitgestellt werden kann. Es geht also darum, dass Menschen, Tiere sowie Pflanzen und das gesamte Ökosystem so behandelt werden, dass alles auf lange Sicht bestehen kann. Hier schwingt auch gerne der Begriff Fairness mit, in der Modeindustrie auch gerne mit "Fair Fashion" betitelt. Unternehmen und jedes einzelne Individuum sollten die Verantwortung für jegliche Auswirkungen übernehmen, die der Anbau von Materialien, die Herstellung sowie der Transport und Konsum auf den Planeten Erde haben. Das bezieht Auswirkungen auf sozialer, ökologischer und ökonomischer Ebene mit ein.

Was ist mit soziale und ökologische Nachhaltigkeit genau gemeint?

soziale Aspekte ökologische Aspekte
faire Arbeitsbedingungen in der gesamten Produktions-und Lieferkette Verwendung von Pflanzenfasern aus kontrolliert biologischem Anbau
faire Löhne Verwendung von Material tierischen Ursprungs aus kontrollierter Tierhaltung
keine Kinderarbeit Verzicht auf Pestiziden, chemischen Dünger, etc.
keine Zwangsarbeit oder Diskriminierung Recycling
das Recht auf Freizeit und regelmäßig bezahlten Urlaub Abwasser aus der Produktion wird gefiltert und aufbereitet
Sicherheit im Falle von Arbeitslosigkeit oder Krankheit Einsatz von erneuerbaren Energien
bessere Unterstützung von Mütter und Kinder Regionalität

Nachhaltigkeit kann viel bedeuten und daher schmücken sich Unternehmen gerne mit dem Begriff, obwohl nicht alle Aspekte rundum erfüllt werden. Beim sogenannten "Greenwashing" werden ökologische und/oder soziale Punkte nur zum Teil erfüllt. Am besten vor dem Kauf direkt im Shop nachfragen oder auf die Nachhaltigkeits-Siegel achten. Mehr Infos zu den Siegeln im Greenpeace-Check.

Cleancloth.at hat 17 gängige Gütesiegel auf die Erfüllung von sozialen und ökologischen Kriterien, umgelegt auf die einzelnen Produktionsschritte, geprüft:

Gütesiegel Rohstoff Stoff Konfektion Öko Sozial
Better Cotton Initiative X X X
bluesign X X X X
BSCI X
Cotton made in Africa X X X
Ethical Trading Initiative X X
Fair Labor Association X X
FAIRTRADE certified cotton X X X
GOTS X X X X X
IVN Best X X X X X
Öko-Tex-Standard 100 X
Öko-Tex-Standard 100plus X X X X
Öko-Tex-Standard 1000 X X X X
Organic Exchange 100 X X
SA8000 X X X
Soil Association X X X X X

Wie wichtig sind den Österreichern nachhaltig produzierte Kleidungsstücke?

Laut einer Greenpeace Umfrage aus dem Jahr 2019 besitzen die ÖsterreicherInnen rund 85 Kleidungsstücke. Rund die Hälfte wird nur selten oder gar nicht getragen und somit irgendwann einmal aussortiert. Und was passiert mit den Kleidungsstücken?
Vor allem ältere Kleidungsstücke landen laut den Befragten meist im Müll. Gut erhaltene Kleidungsstücke werden auch gerne verschenkt oder landen in Kleiderboxen. Durch die sogenannte "Fast-Fashion-Industrie" kommen in kurzen Abständen neue Kollektionen auf den Markt und so findet in den österreichischen Kleiderschränken ein reger Tausch statt. Was daher "älter" wirklich bedeutet, sei dahingestellt. Kleidung wird in den meisten Kästen nicht mehr alt, denn sie sind entweder schnell aus der Mode oder halten aufgrund der schlechten Qualität keine zweite Saison durch.

Wer kann sich noch an die Zeiten erinnern, in welchen sich die jüngeren Geschwister vergeblich gegen das Tragen von bereits gebrauchten Hosen und Pullover der älteren Familienmitglieder ausgesprochen haben? Da brachte das argumentieren und meckern nichts, denn die Kleidungsstücke waren noch gut und zur Not wurde gekürzt, enger genäht, geweitet oder ein Gummi eingezogen. Wer sich heute Kleidung aus aktuellen Billig-Kollektionen kauft muss mit gedrückten Daumen vor der Waschmaschine stehen und hoffen, dass trotz des Schonwaschgangs und der geringen Temperatur von 30 Grad, aus dem neuen Trendteil kein Fingerhut wird.

Welche Materialien werden zur Produktion von Kleidung besonders häufig herangezogen und welche Stoffe gelten bei der Herstellung sowie Verarbeitung als besonders umweltfreundlich?

Nachhaltige Fasern im Überblick

Rund 40% aller Textilien werden aus Baumwolle hergestellt. Laut der Vereinigung Deutscher Gewässerschutz e.V. wird für 1kg Baumwolle mehr als 23.000 Liter Wasser benötigt. Weltweit wird daher für die konventionelle Baumwollproduktion rund 256 Kubikkilometer Wasser verbraucht. Um sich das besser vorstellen zu können: Der jährliche Wasserverbrauch in der Baumwollproduktion würde dafür ausreichen, jeden Menschen pro Tag mit ca. 120 Liter Frischwasser zu versorgen.

Zwar wird Baumwolle gerne getragen, doch die Auswirkungen auf die Umwelt sind drastisch. Neben dem Wasserverbrauch setzte auch der Einsatz von Chemikalien sowie Gentechnik Mensch und Natur langfristig zu.

Wer auf den Tragekomfort von Baumwolle nicht verzichten möchte, der sollte auf den Hinweis "Öko-Baumwolle" auf der Kleidung achten. Hierbei handelt es sich um Naturfasern aus biologischem Anbau. Bei zertifizierter Bio-Baumwolle wird u.A. darauf geachtet, dass der Wasserverbrauch deutlich reduziert wird bzw. kein Trinkwasser verwendet wird. Auch der Einsatz von Gen-Saatgut oder Pestiziden ist bei zertifizierter Bio-Baumwolle untersagt.

Wer einen Blick auf das Etikett wirft, wird bestimmt ein paar Kleidungsstücke finden, die aus einer Mischung aus Baumwolle und Viskose produziert worden sind. Viskose ist in Kombination, oder als gänzliche Alternative zu konventioneller Baumwolle oder gänzlich synthetischen Chemiefasern wie Polyester und Elastan, ein beliebtes Material in der Textilindustrie. Grundlage ist Cellulose, welche aus verschiedenen Holzarten gewonnen wird. Danach ist jedoch ein chemischer Vorgang notwendig, um die sogenannte "Kunstseide" zu produzieren. Daher fällt die Viskose unter die "halbsynthetischen" Stoffe, auch "chemische Naturfaser" genannt. Eine weitere "chemische Naturfaser" ist Modal. Der Stoff wird ausschließlich aus Buchenholz gewonnen und nach einem chemischen Lösungsprozess zu reinen Cellulose-Fasern aufbereitet.

Als nachhaltiger Stoff der Zukunft wird z.B. das in Österreich produzierte Tencel-Lyocell gehandelt. Hierbei handelt es sich um eine Naturfaser, welche aus Eukalyptusholz gewonnen wird. Eukalyptus kommt ohne künstliche Bewässerung und Dünger aus, weswegen Tencel-Lyocell als umweltschonendes Material gilt. Im Sommer 2019 wurde die biologische Abbaubarkeit von Tencel-Lyocell bestätigt.



Aufgerufen am 30.09.2020 um 09:07 auf https://www.sn.at/leben/lifestyle/oeko-und-fair-was-steckt-hinter-nachhaltiger-kleidung-89648254

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