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Party auf dem Fahrrad: Beim Indoor Cycling regiert der Beat

Auf einem Fahrrad fahren, das sich nicht bewegt - warum nur? Fans von Indoor Cycling beantworten die Frage mit: weil du dich passend zu hipper Musik in der Gruppe richtig auspowern kannst. Ein Selbstversuch.

Beim Cycling geht es auch um das Gemeinschaftserlebnis.  SN/APA (dpa)/Alexander Heinl
Beim Cycling geht es auch um das Gemeinschaftserlebnis.

An der Decke zucken hektische Lichtpunkte, die Farben wechseln rhythmisch von Blau über Grün zu Weiß. Sie sorgen als Einziges für etwas Licht in dem ansonsten dunklen Raum. Wummernde Beats, jemand brüllt "Are you readyyyy?". Es könnte der Auftakt zu einer rauschenden Clubnacht werden - könnte. Denn zum Tanzen ist viel zu wenig Platz, 33 Fahrräder stehen in dem Raum. Statt Wodka gibt es gefiltertes Wasser, statt Schminke Schweiß.

In Kursen von 45 oder 60 Minuten fahren die Teilnehmer nach einer bestimmten Abfolge imaginäre Hügel hinauf oder legen Sprints ein. Das alles zu elektronischer Musik und aktuellen Beats. "Musik, Licht und Atmosphäre gehen ineinander auf", erklärt Gundula Cöllen, Gründerin eines Studios. In den USA gibt es schon seit Jahren Anbieter, die Radfahren zum Event machen - Soulcycle etwa oder Flywheel.

Hart ist das Cycling, keine Frage. Der Schweiß fließt schon nach wenigen Minuten. Ich bin mir nicht sicher, ob die Halbliterflasche Wasser bis zum Kursende reichen wird. Zum Glück kann ich selbst entscheiden, wie hart ich drauf sein will: Am Fahrrad lässt sich der Widerstand individuell einstellen, Kursleiterin Paula gibt nur das Ziel vor, wie viele Umdrehungen wir erreichen sollen. Der Puls ist in Nullkommanichts nach oben gestrampelt.

Das ist beim Indoor Cycling auch gewünscht: "Ein supereffektives Herz-Kreislauf-Training", urteilt Sportexperte Achim Schmidt. Beine und Rücken werden zusätzlich beansprucht, die Arme weniger. Der Vorteil gegenüber Radfahren in der Natur: "Wenn ich drinnen 60 Minuten fahre, habe ich 60 Minuten Belastung. Wenn ich draußen fahre, habe ich vielleicht nur 60 Prozent Belastung, den Rest rolle ich." Gerade für Leute mit wenig Zeit, die aber das Maximale aus ihrem Training rausholen wollen, ist Cycling eine gute Möglichkeit.

Den Gruppeneffekt beurteilt Schmidt dagegen kritisch: "Für Anfänger ist es schwierig, das zu dosieren. Die geben dann gleich Vollgas, weil die anderen sie so mitziehen." Grundsätzlich ungeeignet ist Spinning oder Cycling für Menschen mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen - zumindest in dieser Intensität, wie es in Cyclingstudios wie dem "Becycle" üblich ist. Auch wer frisch an Knie oder Hüfte operiert ist, steigt besser erstmal nicht aufs Fahrrad.

Allen anderen empfiehlt Schmidt, ruhig dreimal pro Woche zu radeln - in Ergänzung zu Laufen oder Krafttraining. Das findet auch Cöllen wichtig: In ihrem Studio gibt es deshalb Yoga, High Intensity Training oder Barre-Workouts, bei dem man seine Muskeln an der Ballettstange trainiert. "Du musst dich stretchen, du musst deinen Bauch trainieren - alles Dinge, die beim Cycling nicht so gefordert sind", sagt die Studioleiterin.

Die Technik hat man schnell drauf, wichtig ist, den Sattel hoch genug einzustellen: "Das baut sonst Druck im Kniegelenk auf", erklärt Schmidt. Als Faustregel gilt: Wenn die Ferse unten auf dem Pedal steht, ist das Bein gestreckt. Sinnvoll ist auch eine gepolsterte Radlerhose, damit man den harten Sattel nicht noch am nächsten Tag spürt.

Viele Anbieter verleihen kostenlos Radschuhe mit Click-Mechanismus, mit denen man optimal Kraft übertragen kann. Das Ein- und Ausklicken lässt man sich am besten ein paarmal zeigen: Einmal ausgeklickt, schafft man es als Anfänger im abgedunkelten Raum nämlich nur schwer, sie wieder einrasten zu lassen.

Die versprochene Gruppendynamik lässt beim ersten Ausprobieren auf sich warten: Zu sehr bin ich damit beschäftigt, den Anweisungen von Paula zu folgen, die von "Dial in", wenn wir den Widerstand wählen sollen, bis hin zu "It's only Wednesday - what do you wanna overcome this week?" reichen. Gleichzeitig gilt es, die Umdrehungsrate meines Fahrrads im Blick zu haben, was dank des beleuchteten Displays mühelos gelingt. Ein bisschen fühle ich mich trotzdem wie ein Einzelkämpfer, jeder keucht und transpiriert vor sich hin. Kurz überlege ich, ob ich den Widerstand einfach rausnehmen soll - würde ja keiner sehen.

Dass jeder auf seinem Fahrrad letztlich machen kann, was er will, ist ein wenig der Knackpunkt: "Es braucht sehr gut ausgebildete Lehrer, die die Klasse im Blick haben und erkennen können, ob sich da gerade jemand völlig verausgabt", sagt Schmidt. Für die Instruktoren sei es aber fast unmöglich zu erkennen, ob jemand mit voller Power fährt oder nur so tut.

Insofern bestimmt jeder über seinen eigenen Trainingserfolg: Im 45-minütigen Kurs kämpft sich der eine eben den steilen Anstieg hoch - der andere hat schon einen Gang zurückgeschaltet.

Quelle: Apa/Dpa

Aufgerufen am 16.11.2018 um 09:16 auf https://www.sn.at/leben/lifestyle/party-auf-dem-fahrrad-beim-indoor-cycling-regiert-der-beat-17131270

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