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Sicherheit im alpinen Gelände

Wer mit seinen Ski abseits der Piste im winterlichen Hochgebirge unterwegs ist, muss immer Vorsicht walten lassen: Ein Überblick über Empfehlungen, die Entstehung von Lawinen und verschiedene Lawinenarten.

In der aufgrund der Coronakrise verkürzten Wintersaison 2019/20 gab es 13 Lawinentote in Österreich. Die Sicherheit beim Skitourengehen im alpinen Gelände hat für alle Sportler oberste Priorität - der Österreichische Alpenverein setzt auf "Stop or Go", eine Strategie zur Vermeidung von Lawinenunfällen im freien Skiraum, und gibt zudem Empfehlungen, die Skitourengeher beachten sollten.

Zehn Empfehlungen des Alpenvereins:

1) Gesund und fit in die Berge:
Skitouren sind Ausdauersport - Gesundheit und eine ehrliche Selbsteinschätzung sind wichtig. Das Tempo sollte so gewählt werden, dass niemand in der Gruppe außer Atem kommt und genug Kraftreserven für die Abfahrt zur Verfügung stehen. Zeitdruck sollte, so gut es geht, vermieden werden.

2) Sorgfältige Tourenplanung:
Dank Karten und Führerliteratur, Internet und Gesprächen mit Experten können Infos zu Routenverlauf, Länge, Höhendifferenz und zu den aktuellen Verhältnissen eingeholt werden. Immer den Wetterbericht beachten und gegebenenfalls Alternativrouten einplanen. Nationale Bergrettungs-Notrufnummern können hilfreich sein (Euronotruf: 112).

3) Vollständige Ausrüstung:
LVS-Gerät, Schaufel und Sonde sind Standard bei einer Skitour, zudem Erste-Hilfe-Set, Biwaksack und Handy. Die effiziente Hilfe bei einem Lawinenunfall bedarf umfassender Schulung und Übung.

4) Lawinenlagebericht:
Informieren Sie sich vorab über die Lawinengefahr, vor allem die Gefahrenstufe (Stufen von 1-5), Gefahrenstellen und Gefahrenmuster sind interessant.

5) Lawinenrisiko abwägen:
Gefahrenstellen im Gelände sollte man ausweichen - im Zweifelsfall lieber umkehren. Die Kombination aus Gefahrenstufe und Hangneigung ist für die Risikoeinschätzung maßgeblich. Klassifizierung der Hangneigung: mäßig steil (unter 30 Grad), steil (30-34 Grad), sehr steil (35-39 Grad), extrem steil (40 Grad und mehr). Ab einer Hangneigung von 30 Grad sind Spitzkehren notwendig, felsdurchsetztes Gelände ist mindestens 40 Grad steil.

6) Pausen und Orientierung:
Trinken Sie genug und machen Sie Pausen; Wasser, Tee oder isotonische Getränke sind ideal. Die Orientierung sollte regelmäßig überprüft und vorhandene Spuren sollten kritisch begutachtet werden. Jede Stunde empfiehlt sich die Zufuhr von Flüssigkeit und Kohlenhydraten. Die Pausen eher kurz halten, damit der Körper nicht auskühlt. Die Rastplätze müssen vor alpinen Gefahren wie Lawinen, Gletscherspalten oder Steinschlag geschützt sein.

7) Abstände einhalten:
Dadurch wird die Schneedecke entlastet. Beim Aufstieg in Steilhängen sollten Entlastungsabstände von zehn Metern eingehalten werden, um das Spitzkehrengehen komfortabler zu gestalten. Bei der Abfahrt am besten 30 Meter Abstand halten und sehr steile Hänge einzeln befahren.

8) Stürze vermeiden:
Stürze sind bei Skitouren die häufigste Unfallart, sie belasten auch die Schneedecke. Tragen Sie unbedingt einen Skihelm, der Sie vor Kopfverletzungen schützt. Gute Skitechnik und eine dem Können angepasste Geschwindigkeit reduzieren das Verletzungsrisiko. Besondere Vorsicht gilt bei gefrorener Schneedecke und im felsdurchsetzten Gelände.

9) Kleine Gruppen:
In kleinen Gruppen bis sechs Personen wird die Sicherheit erhöht. Kommunikation und gegenseitige Rücksichtnahme sorgen dafür, dass gefährliche Situationen verhindert werden können. Alleingänger sollten beachten, dass bereits kleine Zwischenfälle zu ernsten Notlagen führen können. Die ideale Gruppengröße bei Skitouren beträgt zirka vier Personen, bei geführten Touren hat sich die Zahl 8+1 als Richtwert für die maximale Gruppengröße herauskristallisiert.

10) Respekt für Natur und Umwelt:
Nehmen Sie Rücksicht auf Wildtiere, respektieren Sie Schutzgebiete und betreten Sie keine Aufforstungsflächen. Für die Anreise können Fahrgemeinschaften gebildet oder öffentliche Verkehrsmittel genutzt werden.

Wie entstehen Lawinen?
Von Lawinen spricht man, wenn sich große Mengen der Schneedecke lösen. Die meisten Schneedecken bestehen aus mehreren Schichten, die sich während verschiedener Niederschlagszeiträume aufbauen. Während ihrer Entstehung besitzt jede dieser Schichten durch meteorologische Einflüsse ganz unterschiedliche Eigenschaften. Einige Schichten wurden zum Beispiel bei kalten Temperaturen und durch Pulverschnee gebildet, andere sind durch starke Winderosion porös. Umso unterschiedlicher die Eigenschaften der Schichten sind, desto instabiler ist der Schneedeckenaufbau. Besonders die oberste Schneedecke verändert ihren Charakter durch Sonneneinfluss oder Temperaturänderungen. Bei unterschiedlichen Eigenschaften zweier Schichten bildet sich zeitweise eine Schwachschicht aus, bei der die Verbindung zwischen den Schichten nicht stark genug ist. Bei Überlastung reißt die Verbindung zu den unteren Schichten ab und es entsteht ein Riss zwischen der Schwachschicht und den anderen Schneeniveaus. Durch einen Dominoeffekt beginnt sich der Riss hangparallel auszubreiten, bis das Gewicht der abgelösten Schicht zu groß wird und diese sich hangabwärts bewegt. Durch die Vibration beim Lawinenabgang wird die restliche Schneedecke ebenfalls instabil und die Schneemenge der Lawine kann sich vergrößern.

Auslöser von Lawinen
Mehr als 90 Prozent der von Lawinen erfassten Personen, so eine Einschätzung des Schweizer Lawinenforschungsinstituts SLF, haben die Lawine selbst ausgelöst - und dabei handelte es sich fast immer um "trockene" Schneebrettlawinen. Schneeverwehungen mit sogenanntem Triebschnee treten bei starkem bis stürmischem Wind auf. Die verwehten Schneemassen lagern sich vorwiegend an windgeschützten Hanglagen als Triebschneedecke ab. Ein abrupter Lawinenabgang ist jederzeit möglich. Bei Frühlingsskitouren mit intensiver Sonneneinstrahlung besteht erhöhtes Lawinenrisiko. Besonders an Hangprofilen mit einer Neigung ab 30 Grad ist das Risiko für Lawinen sehr hoch. Vegetationsarme Hänge sind ebenfalls mit Vorsicht zu genießen; die Schneemassen können hier ungehindert eine große Geschwindigkeit erreichen. Deutlich seltener sind natürliche Auslöser - dazu zählt z. B. Neuschnee. Ein schnelles Anhäufen der Schneemasse in einem kurzen Zeitraum kann für Tourengeher gefährlich werden.

Verschiedene Lawinenarten
Lawinen können punktförmig oder linienförmig anbrechen. Tourengeher sollten sich folgende Fragen stellen: Wo können welche Lawinen abgehen, wie groß ist die Gefahr, wie kann man sie vermeiden?

Grob werden vier Lawinenarten unterschieden: Schneebrett-, Nassschnee-, Gleitschnee- und Lockerschneelawinen. Schneebrettlawinen sind dabei am tückischsten: Das trockene Schneebrett entspricht zirka einer Masse von 1000 Tonnen. Nassschneelawinen können als Schneebrett oder als Lockerschneelawine anbrechen; in beiden Fällen ist der Hauptauslöser Wasser in der Schneedecke, das bestimmte Schichten der Schneedecke oder Bindungen an Schichtgrenzen markant schwächt. Die Ursache von Gleitschneelawinen ist das Gleiten des Schnees auf dem Untergrund. Im Gegensatz zum Schneebrett entstehen sie nicht durch einen Bruch in der Schneedecke, sondern durch großflächigen Reibungsverlust zwischen Schneedecke und Unterlage aufgrund von Wasser. Lockerschneelawinen sind im Gegensatz zu Schneebrettlawinen relativ langsam. Jedoch besteht die Gefahr darin, mitgerissen zu werden.

Quelle: SN

Aufgerufen am 24.01.2021 um 11:19 auf https://www.sn.at/leben/lifestyle/sicherheit-im-alpinen-gelaende-95577604

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