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So wird Ihre Weihnachtsgans ein Hochgenuss

Welches Gericht zu Weihnachten auf den Tisch kommt, das ist Privatsache. Die Kirche mischt sich da nicht ein. Denn genau betrachtet feiern wir längst Saturnalien.

Knusprige Gans - wie funktioniert’s? SN/dar1930 - stock.adobe.com
Knusprige Gans - wie funktioniert’s?

Würstelsuppe. Das war schon immer so", sagt der eine. "Am Heiligen Abend kommen Bratwürste auf den Tisch. Sonst nichts", der andere. Ein Dritter besteht auf Karpfen und die Neureichen von nebenan hantieren abwechselnd mit Hummer, Kaviar und Trüffeln. Und überall heißt es: "Das war schon immer so." Dabei gab es ursprünglich am Heiligen Abend gar nichts zu essen.

Denn ursprünglich war der Advent Fastenzeit. Das heißt, vom ersten Advent bis nach der Christmette am 24. Dezember war Enthaltsamkeit angesagt. Aber daran verschwendet heute kaum jemand einen Gedanken. Dabei würde schon ein Blick in den Kalender genügen. In vielen steht noch der Eintrag "Adam und Eva", der allerdings immer öfter durch "Heiliger Abend" ersetzt wird. Warum Adam und Eva? Das sollte gläubige Christen daran erinnern, dass die Erbschuld, die Eva im Paradies auf sich geladen hatte, von Jesus Christus gesühnt wurde.

Ironie der Geschichte: Gerade die Tatsache, dass heute in der Adventzeit die Völlerei im Vordergrund steht, führt uns in die Zeit vor Christi Geburt zurück. Denn die Römer feierten ursprünglich am 17. Dezember die Saturnalien. Das waren Orgien, die auf das Gründungsdatum des Saturntempels auf dem Forum Romanum zurückgingen. Die Feierlichkeiten wurden bald bis zum 23. Dezember ausgedehnt, später sogar bis zum 30. Dezember. Heute ist zwischen dem Advent und den Saturnalien kaum mehr ein Unterschied zu bemerken.

Hier ein Auszug der Definition der Saturnalien, ergänzt durch aktuelle Anmerkungen: "Die Feiern begannen mit einem Opfer vor dem Tempel des Saturn" (erste Weihnachtsgeschenke werden gekauft: Flatscreen, iPad, Smartphones etc.), "öffentliche Einrichtungen waren während der Saturnalien geschlossen" (deshalb all die Adventmärkte), "die Tempel veranstalteten öffentliche Speisungen" (das sind heute die Weihnachtsfeiern in Haubenrestaurants), "wichtigster Aspekt war die Aufhebung der Standesunterschiede" (vergleichbar mit Charity-Events, Promis entdecken ihr Herz für die Armen), "nicht nur der Wein wurde während der Festtage in großem Maß getrunken" (das kennt jeder aus der eigenen Familie), "auch sonst lockerte sich die Moral während der Feiertage erheblich" (womit wir wie-der bei den ausgelassenen Firmenweihnachtsfeiern wären). Und weil es eben heute so ist, wie es ist, ist man sicher nicht verkehrt gewickelt, wenn man zu Weihnachten eine Weihnachtsgans isst.

Dazu ein paar Tipps: Kaufen Sie Gefriergänse, die mit Hafer gefüttert wurden. Denn Freilandgänse sind unberechenbar. Manche sind sportlich, andere faul. Und sportliche Gänse müssen länger braten als faule. Uns wurde nämlich vom Neurophysiker Werner Gruber eine Formel geschenkt, mit der sich die exakte Bratdauer einer Weihnachtsgans berechnen lässt:

Formel

Zur Erklärung: "t" ist die Bratzeit in Minuten, also das gewünschte Ergebnis. "m" ist die Masse der gefüllten Gans in Kilogramm. Für "k" ist nur der Zahlenwert 0,0008526 einzusetzen. "TBA" ist die Temperatur im Backrohr, also zwischen 180 und 220 Grad. Das ist Ihrer Vorliebe überlassen. "TZentrum" ist die Temperatur im Zentrum der Gans: 75 Grad. Jetzt benötigen Sie nur noch einen Taschenrechner. Gruber gibt aber zu bedenken, dass die Formel von der Annahme ausgeht, dass die Gans mit Semmelknödelteig gefüllt ist (wie es hierzulande auch üblich ist). Sollten Sie sich für eine andere Masse entscheiden, dann entspricht die optimale Bratdauer etwa zwei Drittel der mit der Formel berechneten Zeit.

Wie die Gans knusprig wird? Gruber verrät: "Bepinseln Sie sie alle 30 Minuten mit heißem Fett - nicht mit anderen Flüssigkeiten! Zum Abschluss streichen Sie die Gans dann noch mit einem Gemisch aus Honig, Orangensaft und Weißwein ein und stellen das Backrohr in den letzten zehn Minuten der errechneten Bratdauer auf maximale Leistung. Dadurch erhält die Gans eine schöne Farbe und Kruste. Wichtig: Danach muss die Gans noch etwa 30 Minuten rasten - nur so können sich die Kollagenfasern entspannen und der Saft bleibt im Fleisch."

Aber dann - dann ist er da: der Höhepunkt unserer Saturnalien.

Quelle: SN

Aufgerufen am 06.12.2020 um 02:39 auf https://www.sn.at/leben/lifestyle/so-wird-ihre-weihnachtsgans-ein-hochgenuss-62398717

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