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Stille finden und erfahren

In der hektischen Vorweihnachtszeit, in der "draußen der Advent tobt", will das Stille-Nacht-Museum in Hallein eine Oase der Ruhe und der Stille sein.

Es ist zu einem geflügelten Wort geworden: "Draußen tobt der Advent", sagte der Erzabt von St. Peter, Korbinian Birnbacher, vor einigen Jahren. Draußen, in Einkaufsstraßen und auf Adventmärkten, beim Geschenkebesorgen und Glühweintrinken. Die Tage sind jetzt wirklich kurz, die Natur hat ihren Herzschlag verlangsamt - doch der moderne Mensch drückt zum Jahresausklang noch einmal ordentlich aufs Gas.

Mehr Stress denn je lassen wir uns im Advent gefallen. Die Wohnung oder das Haus soll bis in den letzten Winkel geputzt und fototauglich dekoriert sein, die Liebsten brauchen den Adventkalender mit Wow-Effekt und natürlich die perfekten Geschenke. Wehe der Familie, bei der sich am Heiligen Abend die Harmonie und die glänzenden Kinderaugen nicht einstellen wollen!

Das Stille-Nacht-Museum in Hallein will eine neue Ausfahrt aus dem Kreisverkehr der vorweihnachtlichen Hektik aufzeigen. "Um in einer oft getriebenen und auf Leistung ausgerichteten Gesellschaft die Menschlichkeit nicht aus den Augen zu verlieren", sagt Florian Knopp, der Direktor des Halleiner Keltenmuseums, zu dem das Stille-Nacht-Museum gehört.

Das ganze Jahr über gibt es dort Veranstaltungen zum Thema "Stille.Nacht - Achtsamkeit". "Das Lied ist zwar untrennbar mit dem 24. Dezember verbunden, aber die Themen und Bedürfnisse, die es anspricht, haben immer Saison", sagt Knopp. Wer die Sehnsucht nach Harmonie und Besinnlichkeit nur zu Weihnachten auslebe, habe am 24. Dezember übersteigerte Erwartungen. "Das führt zu Enttäuschungen", erklärt Knopp. Nicht nur das: "Die Stille wird zur Bedrohung, weil sie einen mit Gedanken konfrontiert, die wir nicht aus dem Kopf bekommen." Mit Achtsamkeit könne man zu einem positiv besetzten Umgang mit der Stille finden.

Der Ansatz geht auf den US-Amerikaner Jon Kabat-Zinn zurück, der an der Massachusetts Medical School die Praxis der Achtsamkeitsmeditation entwickelt hat, um Menschen zu helfen, die von Ängsten und Stress geplagt sind. Knopp nahm vor einigen Jahren an einem Seminar von Kabat-Zinn in Salzburg teil, das er als sehr bewegend beschreibt. Der Gedanke, die Achtsamkeit auch im Beruf umzusetzen, ergab sich quasi von selbst.

Nach dem Jubiläumsjahr "200 Jahre Stille Nacht" habe man nach Möglichkeiten gesucht, das Museum weiterzubespielen. Es ist im ehemaligen Wohnhaus Franz Xaver Grubers, der die Melodie des berühmten Weihnachtslieds komponiert hat, untergebracht. "Für mich war es naheliegend, die Bekanntheit des Lieds auch für diese Botschaften zu nutzen", sagt Knopp.

Für die zahlreichen Veranstaltungen kooperiert das Stille-Nacht-Museum mit regionalen Partnern. Unter anderem steuern die Laube GmbH für sozialpsychiatrische Aktivitäten sowie das Kuratorium für psychische Gesundheit ihr Fachwissen bei.

Veranstaltungstipp
Momente der Stille. Geleitete und freie gemeinsame Achtsamkeitsübungen und Meditationen zu Tagesbeginn und -ende. Bequeme Kleidung. Keine Vorkenntnisse erforderlich. Termine: 20. Dezember, 17.30 Uhr; 22. Dezember, 8 Uhr; 17. Jänner, 17.30 Uhr; 19. Jänner, 8 Uhr.
Weitere Veranstaltungen unter www.stillenachthallein.at/eventkalender/11

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