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Was gegen den Feier-Kater hilft

Wussten Sie, dass Sie auch ohne Alkohol einen Kater kriegen können? Davor warnt ein Neurologe. Und ein Arzt verrät, wie man mit Alkohol halbwegs unbeschädigt Feierlichkeiten überstehen kann.

"Erst morgen werden wir wissen, wie glücklich wir gestern waren", singt Peter Licht im Song "Der Schwarm". Auf eine Feier umgemünzt klingt das meistens so: "Und morgen werden wir uns nicht mehr erinnern, wie betrunken wir gestern waren."

Das muss nicht sein. Helfen könnte zuallererst ...

Eine gute Unterlage aus Fisch und Öl

Für all jene, die am Folgetag am liebsten auf Kopfschmerzen verzichten möchten, hat Josef Mittermaier zunächst einmal einen ganz einfachen Ratschlag parat: "Verzichten Sie auf Alkohol und Nikotin." Aber der Individualmediziner und Spezialist für Mikronährstoffe will auch nicht als Spaßbremse verstanden werden: "Mir ist klar, dass das für viele bei einer Feier aus gesellschaftlichen Gründen nur schwer einzuhalten ist."

Mit ein paar Tipps, so Mittermaier, könne man sich aber durchaus etwas wappnen, um den gesundheitlichen Schaden geringer zu halten.

So sei das Hausmittel, mit fetthaltigen Nahrungsmitteln wie in Speiseöl eingelegtem Fisch für eine sogenannte gute Unterlage zu sorgen, gar nicht so verkehrt. "Man wird dann tatsächlich nicht so schnell betrunken, wie das bei einem nüchternen und ausgehungerten Magen der Fall wäre."

Kräuter-Aperitifs als Vorspiel

Um den Abend nur berauscht und nicht im Vollrausch zu verbringen, rät Mittermaier, zunächst mit einem oder zwei Gläsern Wasser gegen den Durst anzutrinken. Und er gibt auch James Bond gern recht, wenn er ausdrücklich darauf hinweist, dass der klassische Aperitif Sinn ergibt: Denn Cynar, Martini (übrigens egal, ob geschüttelt oder gerührt) sowie Aperol unterstützen die Verdauung. In Heilkräuter übersetzt bedeuten diese Aperitifs übrigens Artischocke, Wermut und Gelber Enzian.

Den Brand löschen, bevor er entsteht

"Wer es nicht schafft, den Abend mit mäßigem Alkoholgenuss zu vollenden - also wenn er wie das Kind trotzdem in den Brunnen gefallen ist -, dem rate ich, vor dem Einschlafen noch viel Wasser zu trinken", sagt Mittermaier. Obwohl ihm natürlich klar sei, dass man im Zustand der Trunkenheit nur noch selten vernünftig agiere.

Wie man den Kater entschärft

Allheilmittel nach übermäßigem Alkoholkonsum gibt es natürlich nicht. Hilfreich sind aber Multivitamin-Präparate mit ausreichend B-Vitaminen und den Mineralstoffen Kalium, Kalzium und Magnesium. Auch hochwertige Basenpulver können helfen, die Schäden in Grenzen zu halten. Das Defizit an Mikronährstoffen entsteht, weil der Stoffwechsel und die Entgiftungsorgane durch den Alkoholabbau massiv belastet werden. Den Darm können Sie am nächsten Tag übrigens auch mit den Kräutern Kümmel, Fenchel und Anis beruhigen.

Und mit dem berühmten Kater-Drink Bloody Mary sollte man übrigens vorsichtig sein: "Er enthält zwar Mineralstoffe und Vitamine. Das hilft allerdings nur bedingt, weil der enthaltene Wodka den Rausch wiederherstellt", erklärt Josef Mittermaier.

Tipps für Raucher

Für die Genießer des Tabakkonsums hat Josef Mittermaier auch ein paar hilfreiche Empfehlungen: "Man sollte versuchen, dem Körper möglichst viele Antioxidantien zuzuführen." Das wären beispielsweise die Vitamine A, C, E, Zink, Selen oder das Coenzym Q10. Aber nicht nur diese Mineralstoffe können laut Mittermaier helfen: "Auch Traubenkernextrakt, Beerenfrüchte, hochwertiger Rotwein und grüner Tee enthalten diese "biologischen Rostschutzmittel".

Kopfweh der Marke Eigenrausch

Ganz sicher vor einem ausgeprägten Kater ist man aber auch nicht, wenn man beim Feiern auf Alkohol verzichtet. Das weiß der Neurologe und Psychiater Manfred Stelzig. "Sie können bei allerlei Feierlichkeiten auch ohne alkoholische Getränke euphorisch werden. Wenn die Stimmung gut ist, dann gelangen Sie in einen Zustand, der als Flow bekannt ist", erklärt Stelzig. Das geschieht, weil mehr Serotonin, Dopamin und Adrenalin ausgeschüttet wird. Der übergroßen Freude folgt dann am nächsten Tag wie das Amen im Gebet der Blues. Unser Hirn reduziert die Glückshormone, weil eine dauerhafte Ausschüttung krank machen würde. "Dann erleiden wir Durchhänger, die aber überaus wichtig sind, weil sie unser Hirn schützen. Ein permanenter Flow würde unser Hirn krank machen." Man kenne das auch vom positiven Stress, der im Urlaub sofort in eine sogenannte Liegestuhldepression umgewandelt werde, so Stelzig. Als Neujahrsvorsatz empfiehlt er deshalb auch, dass wir dauerhafte äußere Ablenkungen wie das Benutzen von Smartphones oder Social Media einschränken sollten: "Achten Sie mehr auf Ihre innere Bühne und treten Sie mit sich in einen positiven Dialog. Dann verfügen Sie über jene innere Autonomität, die glücklich macht."

Und wenn alle prophylaktischen Maßnahmen danebengingen, dann helfen nur noch Vitamine, Mineralstoffe und - Ausschlafen...

Aufgerufen am 20.10.2021 um 09:41 auf https://www.sn.at/leben/lifestyle/was-gegen-den-feier-kater-hilft-63278635

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