Leben

Mitten durch die Schlucht: Canyoning - ein kaltes Abenteuer

Gemeinsam mit Canyoning-Führer Max Obermayr und Tochter Leonie begaben sich die SN auf eine Canyoning-Tour durch die Almbachklamm - ein Erfahrungsbericht.

Wenn es springend oder schwimmend nicht mehr weitergeht - und das kommt beim Canyoning in den meisten Schluchten öfter vor-, muss abgeseilt werden. SN/schnabler
Wenn es springend oder schwimmend nicht mehr weitergeht - und das kommt beim Canyoning in den meisten Schluchten öfter vor-, muss abgeseilt werden.

Auf das formale Händeschütteln wird aus bekannten Gründen verzichtet, stattdessen grüßt man sich am frühen Morgen sehr freundlich: Es ist ein angenehmer Sommertag und zwei Mitarbeiter der "Salzburger Nachrichten" treffen sich mit Hotelier Max Obermayr und seiner Tochter Leonie. Der Grund für den Besuch ist eine Canyoning-Tour durch die Almbachklamm. Zuerst ein Kaffee und eine kurze Lagebesprechung. Dann fragt der grinsende Max Obermayr, der seit vielen Jahren als Canyoning-Guide Touren durch die Almbachklamm bzw. die Strubklamm anbietet: "Und, seid's schon bereit?"

Eine kleine Abkühlung. SN/schnabler
Eine kleine Abkühlung.

Die SN-Mitarbeiter bejahen. Der Fotograf war vor vielen Jahren bei einer Canyoning-Tour mit dabei, für den Redakteur ist es komplettes Neuland. Mit einer Mischung aus Vorfreude und einer Portion Nervosität geht es in Richtung "Garderobe" - dort legt das Quartett die Canyoning-Utensilien an. Dazu zählen ein Neoprenanzug und -socken, ein spezieller Gurt mit zwei Karabinern und Schutz für den Hintern, ein Helm und die selbst mitgebrachten Turnschuhe. Der Canyoning-Guide hat zusätzlich einen Rucksack mit.

Endlich geht's los!

Sprünge aus ganz unterschiedlichen Höhen kommen bei der Trendsportart Canyoning häufig vor. SN/schnabler
Sprünge aus ganz unterschiedlichen Höhen kommen bei der Trendsportart Canyoning häufig vor.

Die Einstiegsstelle für die Tour durch die Almbachklamm erreicht man nach einer fünf- bis zehnminütigen Autofahrt; sie befindet sich ganz in der Nähe des Wiestalstausees. Zwei Spaziergänger beobachten, wie das Quartett vorsichtig über zwei Leitern und Felsen absteigt, um zum ersten Sprung zu gelangen. Der Fotograf macht sich schon erste Sorgen um seine teure Ausrüstung, der Redakteur fürchtet eher, dass ihn ob seiner Höhenangst bei den Sprüngen der Mut verlässt. Doch nach dem ersten Sprung ins kalte Nass aus fünf bis sechs Metern ist die Angst verflogen, auch wenn der Respekt bleibt - denn ein falscher Schritt auf dem teils sehr rutschigen Untergrund könnte unangenehme Folgen haben. "Achte auf die Landung, die Beine sollten schön gestreckt und zusammen sein!", ruft Obermayr.

Ein Naturschauspiel

Eine kleine Abkühlung. SN/schnabler
Eine kleine Abkühlung.

Vater und Tochter wissen ganz genau, was sie tun, die zwölfjährige Leonie ist beim Canyoning ohnehin schon ein alter Hase - sie macht das, seit sie acht Jahre ist , und zeigt keine Furcht. Canyoning ist nicht nur Spaß und Action, es ist für alle, die die Schönheit der Natur zu schätzen wissen, ein besonderes Erlebnis.

Große und kleine Felsen, das türkise, knapp 15 Grad Celsius kalte Wasser, Gumpen und kleine Bäche springen einem förmlich ins Auge. Welch angenehme und im wahrsten Sinne des Wortes kühle Abwechslung zu einem Tag im Büro!

Eine kleine Abkühlung. SN/schnabler
Eine kleine Abkühlung.

Wenn die Teilnehmer der Tour nicht gerade von Felsen springen, dann bewegen sie sich schwimmend oder auch rutschend fort, zwischendurch gibt es auch kurze Fußmärsche im knietiefen Wasser. So wird die Almbachklamm nach und nach von oben nach unten durchwandert.

Obwohl viele beim Canyoning der Adrenalinkick reizt und sie in erster Linie Spaß haben wollen, steht für Obermayr immer die Sicherheit an erster Stelle. Er ist ein kommunikativer Guide - oft fragt er nach, ob alles in Ordnung ist, und sagt einem ganz offen und ehrlich, was man verbessern könnte. Generell sollte man als Anfänger immer genau auf die Experten hören. "Die Guides kennen eine Klamm meistens in- und auswendig. Sie wissen zum Beispiel genau, wo man ohne Bedenken reinspringen kann. Schon ein oder zwei Meter zu weit rechts oder links können beim Springen viel ausmachen", betont Obermayr.

Einer zappelt am Seil

Nach ein paar Schwimmpassagen und einer kleinen Rutscheinlage von Leonie erreicht das Quartett den letzten, etwas höheren Sprung. Die Teilnehmer könnten natürlich auch abseilen, aber das ist heute keine Option. Max Obermayr hängt den zappelnden SN-Redakteur aber trotzdem mal ans Seil und demonstriert, wie sich das Abseilen anfühlt. Das Springen macht aber so viel Spaß. Also einmal noch den Körper und die Beine anspannen, Füße zusammengeben und ab ins erfrischende Nass.

Eine kleine Abkühlung. SN/schnabler
Eine kleine Abkühlung.

Aber dem Schreiberling wird klar, dass es nicht ganz vorbei ist. Über einen Miniklettersteig geht es für das Trio wieder rauf zum Fotografen, der sich am gegenüberliegenden Felsen bestens postiert hat. Die Arme brennen schon ein bisschen, aber ein paar wenige Kraftreserven sind noch da und nach fünf bis zehn Minuten kraxeln haben es dann alle geschafft. Das Quartett scherzt ein bisschen, die gute Laune über das Erlebte ist deutlich ausgeprägt, ehe es retour zum Ausgangspunkt der Tour geht.

Eine kleine Abkühlung. SN/schnabler
Eine kleine Abkühlung.

Also nochmal schwimmen, wandern, springen und aufpassen, damit man auf keinen Fall ausrutscht. Unterwegs treffen die vier auf eine weitere Canyoning-Gruppe, die etwas später eingestiegen ist. Alle grüßen sich oder nicken sich zu, keine Zeit zu verlieren, denn die Wolken werden ein bisschen dunkler und je weniger man in Bewegung ist, desto eher spürt man die Kälte.

"Ah, den Felsen kenn ich doch", denkt sich der SN-Redakteur nach einer Stunde und blickt in Richtung Staumauer. Der Ausgangspunkt ist erreicht und über die Leitern geht es zu den Autos und damit zum Hotel Obermayr zurück. "Ihr dürft's jederzeit gerne wiederkommen", sagt Max Obermayr zum Abschluss. Glücklich, aber erschöpft machen sich die SN-Mitarbeiter auf den Weg ins Büro und kehren danach sanft in den Alltag zurück.

Sprünge aus ganz unterschiedlichen Höhen kommen bei der Trendsportart Canyoning häufig vor. SN/schnabler
Sprünge aus ganz unterschiedlichen Höhen kommen bei der Trendsportart Canyoning häufig vor.

Canyoning: Viel mehr als nur Sprünge

"Die Almbachklamm und die Strubklamm sind sehr sprung- und wasserlastig", klärt Max Obermayr vom Hotel Obermayr in Ebenau auf. Das unterscheide sie von anderen Klammen, denn zumeist werde beim Canyoning sehr, sehr viel abgeseilt und weniger gesprungen, verrät er.

"Canyoning ist aber generell sehr abwechslungsreich. Abseilen, springen, schwimmen, rutschen und wandern - da schadet eine gewisse Grundkondition sicher nicht", so Obermayr. Während die Almbachklamm eher für Einsteiger geeignet ist, sind Fortgeschrittene und Profis wohl in der Strubklamm besser aufgehoben.

In der Strubklamm gibt es lange Schwimmpassagen, einen bis zu acht Meter hohen Sprung - bei einem gewissen Können darf man bei guten Verhältnissen eventuell aus elf bis zwölf Metern springen - und die Schlucht ist sehr eng. Das Wasser der Almbachklamm ist etwas wärmer.

Aufpassen muss man in beiden Klammen auf möglichen Steinschlag, bitte immer auf die Anweisungen der Guides hören! Zwei große Staumauern sorgen dafür, dass die Klammen auch bei Unwetter nicht zu viel Wasser führen - denn das kann gefährlich werden. Da es sich um Outdoorsport handelt, sind auch während der Coronamaßnahmen Gruppen bis zehn Personen möglich.

Aufgerufen am 28.10.2021 um 01:38 auf https://www.sn.at/leben/mitten-durch-die-schlucht-canyoning-ein-kaltes-abenteuer-107604916

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