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Auf James-Brown-Tour in Georgia: Ein amerikanischer Traum

Am 25. Dezember vor zehn Jahren starb der "Godfather of Soul". James Browns Tochter führt nun zu den Stationen seines bewegten Lebens.

Deanna Brown streicht dem Bronze-Abbild ihres berühmten Vaters über die metallischen Hände. Sie schaut auf die toupierte Tolle, ins Gesicht und nickt. "Die Details stimmen, das ist alles sehr echt", sagt sie, als sie in der Innenstadt von Augusta neben der Statue von James Brown steht.

Auf dem breiten Mittelstreifen der Hauptstraße wirkt das Denkmal recht klein. Trotz Lebensgröße. "Er war eben ein kleiner Mann", fügt die Mittvierzigerin im knallroten Outfit hinzu, das genauso so hauteng ist wie die Anzüge, die ihr Vater einst bei seinen atemlosen Bühnenshows trug. Im Musikgeschäft allerdings war Brown einer der ganz Großen, eine Legende des Soul und der Erfinder des Funk, der mit seinem unverwechselbaren Gesangsstil zum Weltstar wurde.

Die Statue konnte der Sänger von Klassikern wie "Sex Machine" und "Its a Man's Man's Man's World" noch zu Lebzeiten enthüllen, bevor er am 25. Dezember 2006 mit 73 Jahren starb. Dass sie in der Stadt in Georgia steht, in der er aufgewachsen war, hatte für ihn eine besondere Bedeutung: Es ist ein symbolischer Ort, denn als Brown ein junger Mann war, gab es in Augusta wie überall in den amerikanischen Südstaaten die Rassentrennung. "Dass er als Schwarzer, der aus dem Nichts kam, nun die früher streng getrennte Main Street herunterlaufen konnte und so geehrt wurde, das machte ihn stolz." Sämtliche Auszeichnungen seien ihm daher nicht so wichtig gewesen wie die Anerkennungen, die aus genau jener Stadt kamen, in der er sich hochgekämpft hatte. Ein Boulevard und eine große Arena sind dort außerdem nach ihm benannt.

Deanna, unübersehbar eines der neun Kinder des exzentrischen Soul-Helden, kümmert sich verstärkt um den Nachlass. Sie ist Präsidentin der "James Brown Family Foundation" und hatte auch die Idee zur James Brown Family Historical Tour, auf der abwechselnd sie und ihre Cousine Taefa mit dem Bus Stationen von Browns Leben ansteuern: etwa die Soul Bar, die als Tribut an ihn eröffnet wurde, oder der schöne Eingang des fast 100 Jahre alten Imperial Theater. "Mein Vater hat hier oft mit seiner Band geprobt", sagt Deanna. Auch die Wohltätigkeitsaktion begann hier, bei der der Musiker Spielzeuge und Bücher verschenkte. Mittlerweile findet die Veranstaltung in der Arena statt, die der nächste Stopp der Tour ist. Mehrfach trat Brown dort auf; bei seiner Beerdigungsfeier mit Tausenden Fans und vielen Stars wie Michael Jackson wurde er dort in einem weißen Sarg aufgebahrt.

Vor der Arena deutet Deanna auch auf ein Schild: "GFoS" steht darauf. Was das bedeutet? Klar, Godfather of Soul. So wurde Brown genannt, ebenso "The hardest working man in show-business". Denn er schrieb nicht nur unzählige Songs, in manchen Jahren verausgabte er sich mit seinem energiegeladenen Tanzstil und Gesang auch mehr als 300 Mal in seinen elektrisierenden Shows. "Er hat gezeigt, dass sich harte Arbeit doch auszahlt", findet Deanna und fährt als Nächstes zu Orten, die in Browns Jugend in ärmlichen Verhältnissen eine wichtige Rolle spielten: Unter der Adresse 944 Twiggs Street etwa in The Terry, einem schwarzen Viertel, lebte er bei seiner Tante Honey bis zum Teenageralter. Damals stand hier ein Bordell, heute ist an der Stelle nur noch ein weiß getünchter Wohnkubus zu sehen.

Nur ein paar Straßen weiter steht die vom Abriss bedrohte Trinity-CME-Kirche. Die Gottesdienste dort besuchte der junge James regelmäßig, schrubbte den Fußboden und lernte, Klavier zu spielen. "Das Instrument hat ihn angezogen", erklärt Deanna. Für ihn sei die Musik eine Flucht, ein Ausweg aus dem Ghetto gewesen. Sein Ticket zum Überleben. Die Musik ihres Vaters lernte Deanna erst spät wirklich zu schätzen, als sie für eine seiner Radiostationen arbeitete. Für sie sei er, selbst wenn sie ihn auf der Bühne sah, in erster Linie "Papa" gewesen, erst in zweiter Linie ein Promi. Genau dieser familiäre Blickwinkel ist es auch, der diesen Streifzug von anderen Star-Touren unterscheidet. Wenn Deanna erzählt, dass Brown ein Familienmensch war. Dass er gern Jazz von Miles Davis hörte und außergewöhnliche Weihnachtsdekorationen an ihrem Haus in The Hills anbringen ließ. "1970, ich war gerade zweieinhalb, waren wir die erste schwarze Familie, die in diese Gegend zog", sagt sie, als der Bus nun vor dem ehemaligen Anwesen stoppt. "Das hat sicher für Unruhe gesorgt."

Dass das Verhältnis zu ihrem "Daddy" nicht immer leicht war, lässt Deanna auf der Tour durchaus durchblicken. "Es gab keine Streits, denn er hatte ja immer recht", bemerkt sie ironisch und lacht. Zwei Mal habe er sie gefeuert. "Er erwartete von seinen Kindern, dass sie genauso hart arbeiteten wie er."

Die dunklen Tiefpunkte in Browns Leben sind ansonsten aber kaum ein Thema. Deanna fokussiert vor allem auf die positiven Seiten der Ausnahmekarriere ihres Vaters. Die Tour endet an seiner Statue. "Es machte ihn stolz, auf der ganzen Welt geliebt zu werden, obwohl er aus dem rassistischen Süden kam."

Quelle: SN

Aufgerufen am 20.09.2018 um 06:54 auf https://www.sn.at/leben/reisen/auf-james-brown-tour-in-georgia-ein-amerikanischer-traum-577114

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