Reisen

Camping: Der große Trend in diesem Sommer

Zusätzlich zu den klassischen Stellplätzen gibt es viele neue Möglichkeiten fürs mobile Wohnen.

Campen erwünscht. Das Schild hat abseits von ausgewiesenen Campingplätzen Seltenheitswert. Verständlich, denn wer einfach in der freien Natur sein Zelt aufschlägt oder sein Wohnmobil auf dem nächstbesten Parkplatz abstellt, macht sich nicht beliebt. Klassische Campingplätze mit parzellierten Stellplätzen sind jedoch auch nicht jedermanns Sache, ein bisserl Freiheit und Sponaneität gehört für viele zum Campen einfach dazu.

Das findet auch Franz Roitner. Der Tourismusmanager und Bauernsohn aus Wels hat vor Kurzem die Plattform Bauernleben gegründet, die zwei Trends miteinander verknüpft: den Einkauf bei regionalen Produzenten und das neue Interesse am Wohnmobil. Das Prinzip ist einfach. Der Camper erhält an einem Bauernhof seiner Wahl - aus dem Portfolio von Bauernleben einen gratis Parkplatz für die Übernachtung und kann im Hofladen direkt einkaufen. "Das trifft den Zeitgeist", ist Roitner überzeugt. Aus mehreren Gründen. Wohnmobilurlauber sind keine Billigtouristen. In Deutschland etwa, so Roitner, werden im Durchschnitt 73.000 Euro für ein solches Gefährt ausgegeben. Es geht also nicht so sehr ums Sparen, denn um den Individualismus. "Diese Reisenden haben keine Lust, sich mit 100 weiteren Gästen am Frühstücksbuffet irgendeines Hotels anzustellen." Für die Bauern ist die Sache auch interessant, denn sie bringt neue und durchaus kaufkräftige Klientel, stets unter Einhaltung vorgegebener Regeln. Strom und Wasser etwa kann der Bauer gegen Entgelt bereitstellen, muss er aber nicht. Und der Aufenthalt ist auf 24 Stunden und maximal drei Wohnmobile pro Bauernhof limitiert. "Die Stellplätze sollen kein Ersatz sein für einen Campingplatz", sagt der Bauernleben-Gründer, "Durch den persönlichen Kontakt am Bauernhof entstehen langfristige Kundenbeziehungen. Und der Besucher erhält ganz nebenbei spannende Einblicke in den Alltag der Bauern und Weinbauern, daher auch der Name." Die Website www.bauernleben.at ist jetzt schon aktiv, im September soll der Stellplatzführer in Buchform erscheinen.

Das Konzept ist nicht neu. 1993 fiel in Südfrankreich dem Herausgeber eines Weinmagazins auf, dass die Campingurlauber, die in den Weinregionen unterwegs waren, Schwierigkeiten hatten, Übernachtungsplätze zu finden. Aus der "Formule invitation", die den Gästen das unkomplizierte Abstellen ihrer Wohnmobile auf den Grundstücken der Winzer ermöglichte, wurde bald das Label France Passion mit Mitgliedsbetrieben von Käsebauern bis zu Winzern in ganz Frankreich. Das Prinzip fand rasch Nachahmer in Spanien, Großbritannien, Deutschland. Und nun auch bei uns.

In Österreich gibt es derzeit rund 30.000 Wohnmobile, Tendenz steigend. Der Anstieg an Zulassungen beträgt jährlich gut sieben Prozent. Das mobile Wohnen, auch mit Zelt oder Wohnwagen, wird sich aufgrund von Reisebeschränkungen und Abstandsregelungen sicherlich heuer besonderer Beliebtheit erfreuen.

Auch die Plattform Schau auf's Land bringt Camper und Landwirte zusammen. Hier aber nicht nur stolze Chauffeure eines Wohnmobils, sondern auch Urlauber mit Wohnwagen oder Zelt. Es gilt auch hier: kostenloser Platz für höchstens 24 Stunden und drei belegte Stellplätze pro Nacht pro Hof. Das junge Grazer Start-up gibt es seit Jahresbeginn, für die Aufnahme der Höfe ins Programm gibt es Kriterien, wie Karin Gruber-Steffner erklärt, eine der drei Betreiber. "Ab-Hof-Verkauf ist bei uns nicht genug, wir schauen auf Tierwohl und naturnahes Wirtschaften, also etwa ohne synthetischen Dünger." Es gehe um Nachhaltigkeit, das Biolabel sei jedoch keine Voraussetzung. "Wir wollen, dass diejenigen gefördert werden, die auf unsere Natur schauen." Derzeit sind unter www.schauaufsland.at knapp 100 Betriebe in ganz Österreich gelistet, "außer ganz im Westen". In Tirol, so die junge Steirerin, sei das Campieren außerhalb von Campingplätzen nicht erlaubt, nicht einmal, wenn es sich um Privatgrundstücke handle. Und in Vorarlberg sei man noch auf der Suche nach Partnerbetrieben.

Die Pandemie hat gezeigt: Naturnahes Reisen wird immer wichtiger. Bereits vor der Krise boomten Outdoorreisen mit Rucksack, Zelt und Van. Dieser Trend hat in den vergangenen Wochen immer mehr an Fahrt aufgenommen. Raus in die Natur, heißt jetzt das Motto für diesen Sommer, gleichzeitig sind viele Campingplätze schon jetzt mehr als gut belegt. Wild campen jedoch schadet der Natur und bringt die Camper meist rasch in Kontakt mit ungehaltenen Grundstückseignern, Forsthütern oder gar der Exekutive. Wieso also nicht die bestehenden Ressourcen im Alpenraum nutzen, um Tourismus zu entzerren? Dazu hat sich auch eine Handvoll passionierter Bergfreunde aus Deutschland und der Schweiz etwas überlegt. Die vier jungen Männer und zwei Frauen verbringen ihre Freizeit am liebsten in den Alpen beim Wandern, Klettern oder Mountainbiken. Mit MyCabin wollen sie nun Probleme lösen, die ihnen dort begegnet sind, und direkt buchbare Übernachtungsmöglichkeiten in der Natur finden. Die Plattform www.mycabin.eu startet am 1. Juli in eine dreimonatige Testphase. Die Buchungen basieren während des Testlaufs auf Spenden, die die Camper und Camperinnen ihren Gastgebern zukommen lassen. Für die Bauern und Grundbesitzer ist das Dabeisein auf der Plattform kostenlos. Schlafstellen - vom lauschigen Streuobstgarten bis zum Matratzenlager auf der Heubühne - werden derzeit von MyCabin hauptsächlich im deutschsprachigen Alpenraum angeboten. Bis Ende September will MyCabin möglichst vielen Outdoorreisenden kontaktfreies Reisen und authentische Urlaubserlebnisse ermöglichen. Mit dem Testlauf will das Start-up vom Bodensee das Konzept testen und Feedback sammeln, um die Plattform für die nächste Saison mit zusätzlichen Funktionen für Gastgeber und Gäste zu erweitern. Ziel ist es jedenfalls, den sanften Tourismus sowie die lokale Landwirtschaft im Alpenraum zu fördern.

Wer noch nach dem passenden Vehikel für den mobilen Traumurlaub sucht, für den gibt's auch Neues. Abseits vom klassischen Zelt oder Wohnmobil sind derzeit E-Bikes mit angehängtem Microcaravan beliebt, der je nach Art des Zeltes Platz für eine bis zwei Personen und ein integriertes Vorzelt bietet.

Campervans sind ebenfalls sehr gefragt. Die neue Website www.camper4u.de hat sich auf die Vermittlung ebendieser zu Wohnmobilen umgebauten Kleintransporter spezialisiert und bietet in Kooperation mit dem großen Campervan-Vermieter roadsurfer eine Vielzahl an Modellen für die unterschiedlichsten Ansprüche an: vom kleinen Low-Budget-VW "Beach Hostel" bis zur "Dog Suite" für Urlauber mit Hund oder dem Familienmodell samt Heckküche, modernem Kühlschrank und Außendusche. Campervans bieten trotz ihrer Kompaktheit Raum für Wohnkomfort. Und das, ohne Freiheiten einzubüßen - das A und O jedes Campingurlaubs.

ANFÄNGER-TIPPS FÜR URLAUB MIT CAMPER UND WOHNWAGEN

Für all jene, die heuer erstmals ein Reisemobil oder einen Wohnwagen bei einem Online-Vermittlungsportal, Fahrzeugvermieter oder -händler mieten möchten, hat der ÖAMTC einige Tipps parat.

Storno: sollte auch kurzfristig möglich sein, sonst Kulanzlösung mit Vermieter suchen.

Führerschein: Klasse B ist für ein Gesamtgewicht von 3500 Kilo ausreichend.

Tarife: Caravans sind meist günstiger als Wohnmobile, MIndestmietdauer ist oft sechs Tage: Preise samt Freikilometern, Vollkasko, Selbstbehalt und versteckte Kosten wie Endreinigungunbedingt vergleichen.

Vertrag: Das Kleingedruckte beachten! Eventualitäten wie Reparaturen während der Reise sollten geklärt sein.

Übergabe: Zeit lassen für die Fahrzeugübergabe und die Einführung in An- und Abkuppeln beim Wohnwagen, Wassertank füllen oder Gasflasche wechseln. Mängel in und am Fahrzeug gleich im Mietvertrag festhalten. Das Fahren auf Nebenstraßen üben.

Zuglast: Caravans kann man am Urlaubsort abkuppeln, für passende Anhängerkupplung und ausreichende Zuglast ist zu sorgen.

Weitere Info:www.campingclub.at

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