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Die Adresse des Weihnachtsmanns

Michigan. Der Weihnachtsmann hat in Amerika eine fixe Adresse, und zwar in der Weihnachtsstraße 25 in Frankenmuth.

Bayerisches Flair mitten in Michigan.  SN/ehrlif - Fotolia
Bayerisches Flair mitten in Michigan.



Etwa zwei Fahrstunden von der Autostadt Detroit entfernt liegt der größte Weihnachtsladen der Welt: Bronner's Christmas Wonderland. Bereits an der ganzjährig weihnachtlich dekorierten Auffahrt begrüßen zwei Nikoläuse, ein Schneemann und Krippenfiguren. Alle überlebensgroß. Durch die Weihnachtsausstellung, die 361 Tage im Jahr geöffnet ist, führt Wayne Bronner: "Mein Vater Wally war ein einfacher Schildermaler. Dann hatte er 1945 die Idee, den Weihnachtsmann bei uns wohnen zu lassen." Er schmunzelt. Dann sei alles schneeballartig gewachsen und heute, ja, da seien sie eben die Größten auf der ganzen Welt.

Besucher spazieren an 50.000 Dekorationsartikeln vorbei, an 500 Krippenfiguren und an 260 unterschiedlich dekorierten Christbäumen in allen Farben und Formen - als Anregung für daheim und präsentiert auf 30.000 Quadratmetern, also gut drei Fußballfeldern. Reichlich Kitsch, trotzdem bleibt vor Staunen der Mund offen.

Nächste Station: die Glaskugeln, es sind geschätzt 6000. Dort erwähnt Wayne, dass er ein Mal im Jahr nach Wien fliegt. Denn im nahen Sopron werden ganz besonders feine Christbaumkugeln hergestellt, die in Bronners Sortiment einen fixen Platz haben. Drei Millionen Besucher pro Jahr, in Spitzenzeiten betreut von 500 Angestellten, so lautet die Rekordstatistik.

Auch ein Stück Salzburg gibt es dort

Auch ein Stück Salzburg hat dort vor 24 Jahren seine Heimat gefunden, in Form der orginalgetreuen Kopie der Stille-Nacht-Kapelle aus Oberndorf. 1818 zum ersten Mal in Oberndorf aufgeführt, ist "Stille Nacht" auch zum Herzstück der amerikanischen Weihnachtswelt geworden. Im Inneren ertönt rund um die Uhr das Gruber-Moor-Lied in verschiedensten Sprachen. Staunen wie auch Besinnung sind möglich, Gottesdienste nicht. Auch das ist ein Teil der großen Christmas-Show.

Klein Bayern liegt in Michigan. Siedler aus dem oberfränkischen Neuendettelsau wollten einst den Chippewa-Indianern in der Neuen Welt den christlichen Glauben bescheren und gründeten 1845 in den unwegsamen Wäldern eine Siedlung, die sie Frankenmuth nannten. Dass auch spätere Nachkommen noch ganz auf ihre Herkunft setzten, ergab sich durch den Bau der Interstate 75 in den 1970er-Jahren. Niemand fuhr mehr durch die City. Also hatten die Stadtväter die Idee, die Gebäude im bayerischen Stil zu behübschen und die Bauvorschriften dahingehend zu ändern. Wer heute hierherkommt, spaziert also über eine mit Schindeln gedeckte Brücke über den Fluss Cass ins Zentrum, alles sehr gepflegt mit üppigem Blumenschmuck. Frank, ein Student aus Chicago, zünftig in Lederhosen und Trachtenhemd, führt Gäste herum: "Hier bei uns ist es wie in Bayern, ein wenig wie früher vielleicht!", erklärt er in fränkischem Dialekt mit amerikanischen Einsprengseln. "Ein Viertel der Einwohner spricht noch Deutsch. Vom Kindergarten bis zur sechsten Schulstufe bringt man es uns bei", erzählt er voll Stolz. Die Straßen haben deutsche Namen, die Geschäfte sind voll von deutschen Artikeln inklusive Nürnberger Rostbratwurst, Sauerkraut und dem dazu passenden Senf. Ob Oktoberfest oder eines der anderen 13 Feste: Es gibt immer einen Grund zum Feiern.

Im Zentrum steht ein Glockenturm mit Glockenspiel. Sieben Mal täglich wird geläutet, die Melodie der 35 Glocken ist leicht zu erkennen: Heinrich Heines "Ich weiß nicht, was soll es bedeuten . . .". Dazu drehen sich jedoch statt der Loreley eine Viertelstunde lang 15 Figuren der Geschichte rund um den Rattenfänger von Hameln.

Wiener Schnitzel und Schweinsbraten

Der lockt die Besucher in eines der beiden größten Familienrestaurants des Landes, zu Deftigem wie Backhendl, Schweinsbraten, Wienerschnitzel oder Bratwürstel mit Senf. Das "All you can eat - Backhendl Menu" ist der Hit im Bavarian Inn und dem Zender's. Zusammen bilden sie das umsatzstärkste Restaurant in Michigan, sogar Nummer zwei in den gesamten USA. Holztische, an den Wänden Bilder alter Geschichten und Sagen, von Rapunzel bis Rumpelstilzchen. Die Kellnerinnen servieren im Dirndl, auch die Burschen sind stilecht in bayerische Tracht gewandet. Linda an der Ziehharmonika spielt Lieder zum Mitsingen wie "Muss i denn zum Städtele hinaus" und der Kellner zeigt, dass er das Schuhplatteln richtig gut draufhat. Dazu rinnt kein amerikanisches Leichtbier, sondern Kräftiges von Warsteiner, Doppelbock, Weihenstephan Kristall Weißbier oder Erdinger Dunkles aus den Zapfhähnen. Das Backhendl dampft auf den Tellern, das Bier schmeckt vorzüglich. Und einer aus der europäischen Gästerunde scherzt: "Fast wie zu Hause. Endlich einmal gutes Essen und ein g'scheites Bier, mitten in Amerika."
Info:www.frankenmuth.org

Quelle: SN

Aufgerufen am 17.11.2018 um 04:12 auf https://www.sn.at/leben/reisen/die-adresse-des-weihnachtsmanns-605824

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