Reisen

Ein bunter Spätsommer auf Griechisch

Naturschönheit Epiros. Wer hier im Nordwesten Griechenlands nur am Strand bleibt, ist selbst schuld.

Ausgangspunkt für Entdeckungsreisen ins Landesinnere: Parga.  SN/eartnerpixabay
Ausgangspunkt für Entdeckungsreisen ins Landesinnere: Parga.



Der Anflug auf Epiros gestaltet sich spektakulär, wie fast immer bei griechischen Regionalflughäfen. Im waghalsigen Tiefflug über den Dächern der Stadt Ioannina, fast sind die aktuellen Sonderangebote im Supermarkt Sklavenitis zu erkennen. Und natürlich die Akropolis. Oder besser, was man dafür halten könnte. Tatsächlich handelt es sich um die Burg des Ali Pascha - ein Bauwerk mit blutiger Geschichte. Dieser Sohn des Veli Pascha von Delvina hat, nach einer Karriere als Kopf einer Diebsbande, 1787 ebendiese an den Sultan verraten, der ihn dafür zum Paschalik von Trikala und ein Jahr darauf auch von Ioannina machte. Ali Pascha dankte es ihm, indem er ein paar Tausend christliche Aufständische niedermetzeln ließ. Dafür erhielt er von der Hohen Pforte den Ehrentitel Aslan, der Löwe. Er emanzipierte sich allerdings zusehends und regierte ab 1807 de facto unabhängig sein Reich zwischen Südalbanien, Thessalien und Makedonien. Während er den meisten Griechen als blutrünstiger Gehilfe der Türken gilt, halten die Epiroten große Stücke auf ihn. Nicht nur, weil er mit der griechischen Unabhängigkeitsbewegung sympathisierte, sondern auch den Bewohnern der Gegend lediglich eine geringe Kopfsteuer aufbrummte und ansonsten weitgehende Erwerbsfreiheit ließ. Und wer sich erst einmal von der fruchtbaren Ebene rund um den See in die Berge hochgearbeitet hat, versteht auch, woher die Großzügigkeit gerührt haben mag. Das nur schwer zugängliche Gebiet zwischen den Gebirgszügen des Pindus hat Ali Pascha wohl als kaum kontrollierbar erkannt.

Vor unerwünschtem Besuch geschützt

Liegt schon Ioannina, vor unerwünschtem Besuch von der Küste geschützt, in einem Kessel, geht es von dort um ein paar Ecken in die Berge, entlang plätschernder Flüsse. Der Aöos ist der längste von ihnen. Das lassen die Griechen jedoch nicht gerne gelten, immerhin wechselt er schon nach 80 Kilometern seine Nationalität. Gespeist wird er vom Vikos-Fluss, der wohl der spektakulärste seiner Art ist. Sein Tal gilt als tiefste Schlucht der Welt, über tausend Meter unterhalb des Plateaus gurgelt der Fluss. Dementsprechend atemberaubend gestaltet sich eine Befahrung des Wasserwegs mit dem Schlauchboot, eine Attraktion, der auch die Einheimischen schon seit Jahren zusprechen, sind doch die Bergdörfer Zagorochoria bei den hitzegeplagten Hellenen ein ausgesprochen beliebtes Urlaubsziel. Besonders erfrischend ist es dann, wenn man beim Raften für einen kurzen Sprung in die kühlen Fluten anhält. Vor dem Landgang wird der Landeplatz jedoch noch schnell vom Bootsführer inspiziert. Die Abgeschiedenheit wissen nämlich nicht nur Touristen zu schätzen, alle paar Jahre bringt auch eine Bärin ihren Jungen hier das Schwimmen bei. Und Mama Petz sollte man besser den Vortritt lassen.

Alternativen für Schwimmer

Wenn's ums Schwimmen geht, gibt es ohnehin genügend Alternativen, etwa in den Staubecken des Rogovo-Flusses. Vassily Katsoupas badete hier schon als Kind, ehe er vor über 30 Jahren nach Kanada ging, Umweltwissenschaften studierte und seine Liebe zu Pilzen entdeckte, insbesondere zu den essbaren unter ihnen. Seit ein paar Jahren ist er also wieder da und verwandelt in seinem "Kanela & Garyfallo Mushroom Restaurant" verschiedenste Myzelien aus eigener Produktion in fantasievolle Gerichte. So gibt's nicht nur feine Steinpilzgerichte mit dem einheimischen Rotwein Vlahiko aus Metsovo, aus frischen Eierschwammerln wird sogar ein überraschendes Dessert, mit passendem Likör dazu.

Das Meer ist nur eine Fahrtstunde weg

In nur einer Fahrstunde ist man aber auch genau dort, wo im Sommer alle Besucher hinwollen - am Meer. Und da ist für alle Geschmäcker etwas dabei. So kann man etwa in Sivota vom eigenen Pool die Sonne hinter Korfu versinken sehen. Oder in Parga im romantischen Hafen die abendliche Stimmung genießen. Wer noch mehr Meer möchte, der sucht sich am besten an der Mole sein Lieblingsboot aus und lässt sich nach Paxos schippern. Auf dem Weg dorthin läuft der Kapetanios gerne die eine oder andere Bucht an, lässt seinen Kahn in eine der zahlreichen Höhlen gleiten und genießt das Staunen der Gäste, wenn der Schiffsrumpf dann auf dem strahlenden Blau zu schweben scheint, welches die Reflexionen der Sonne auf dem weißen Kalkstein produzieren. Und nach einem erfrischenden Bad legt das Schiff dann vielleicht noch in Gaios an, der Hauptstadt der Insel, gleich neben den Fischern. Dann wird es ganz einfach: Immer nur den zahlreich anwesenden Italienern folgen, die wissen stets ganz genau, wo sie den besten Fisch bekommen!

Infos:

www.visitgreece.com

Quelle: SN

Aufgerufen am 22.09.2020 um 07:52 auf https://www.sn.at/leben/reisen/ein-bunter-spaetsommer-auf-griechisch-17331973

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