Reisen

Ein Land aus einer anderen Zeit, einer anderen Welt

Rindersprung und Stockkampf: Im Süden Äthiopiens erwarten Reisende faszinierende, wunderbare und teils verstörende Anblicke. <Wo14autor />

Die Gäste sind hier noch in der Minderzahl und mehr geduldet denn willkommen: 25 Touristen dürfen dabei sein, wenn 300 Angehörige vom Stamm der Hamar eines ihrer wichtigsten Rituale, den Rindersprung, zelebrieren. Und der geht so: Auf dem höchsten Platz des Dorfs werden sieben Kühe nebeneinander aufgestellt. Die jungen Männer müssen auf das erste Rind springen und über die Rücken der anderen laufen. Schaffen sie das sieben Mal, werden sie in die Reihe der Erwachsenen aufgenommen.

Wer eine Reise nach Äthiopien plant, denkt eher an Höhlenkirchen, an Stelen im Hochland von Abessinien oder den aktiven Vulkan Erta Ale im Nordosten des Landes. Unser Trip führt uns in den noch ziemlich unbekannten Süden des Landes, von Addis Abeba aus durch das Rift Valley in die Stammesgebiete im Binnendelta des Omo-Flusses sowie in zwei landschaftlich reizvolle Nationalparks. Im Einzugsbereich des Omo lebt eine große Zahl kleiner und kleinster Stämme, ihnen zu begegnen, gleicht einer Reise in die afrikanische Vergangenheit.

Die Fahrt geht durch sattgrünes Hochland mit eindrucksvollen Terrassenfeldern und bunt bemalten Hütten bis zu den Guge Mountains, wo der Stamm der Dorze mitten in den Wolken in riesigen, bis zu zwölf Meter hohen Bambushütten lebt.

Von Arba Minch führt eine Bootsfahrt auf dem Chamo-See in den Nech-Sar-Nationalpark: Neben einer eindrucksvollen Vogelwelt mit Pelikankolonien, Goliathreihern, Marabus und Schreiseeadlern ziehen vor allem die vielen Krokodile den Beobachter in ihren Bann. Manche sind vier bis fünf Meter lang.

Nächste Station ist Turmi im Südwesten. Wir beobachten Hirten mit Kalaschnikows, die zahlreiche Rinder-, Schaf- und Ziegenherden hüten. Turmi ist Ausgangspunkt zur Erkundung der Hamar-Dörfer: Die Hamar tragen zwar schon teilweise westliche T-Shirts, leben aber noch immer mit ihren jahrhundertealten Riten, wie dem erwähnten Rindersprung.

Weiter geht es durch eine staubtrockene Landschaft zum Omo-Park, wo große Gruppen von Elenantilopen, Topi, Elefanten und Büffel leben. Auf der Fahrt Richtung Mago-Nationalpark fallen bunt bemalte Mursi-Männer auf, die sich auf einen Stockkampf vorbereiten. Touristen werden gegen Bezahlung von 20 Euro Zeugen dieses Rituals, bei dem Männer nach Genuss von Hirsebier nahezu ungeschützt aufeinander mit Stöcken einschlagen. Wunden werden mit Sand und Erde versorgt.

Ein besonderer Höhepunkt im Süden ist der Besuch eines Konso-Dorfes, das zum UNESCO-Welterbe zählt: Von gewaltigen Mauern und fruchtbaren Terrassen umgeben zieht es sich auf die Hügelspitze hinauf. Die Mauern sind aus massivem Basalt aufgebaut, der aus einem Steinbruch in der
Nähe kommt.

Die Landschaft wechselt ständig: Da die Savanne, dort riesige Blumenwiesen voller Fackellilien, da malerische Täler, dort bis zu 4000 Meter hohe Berge, da Kaffeeplantagen, dort zahlreiche Seen im Rift Valley.

Und am Ende die Hochhäuser der Hauptstadt Addis Abeba.

Quelle: SN

Aufgerufen am 26.09.2018 um 07:07 auf https://www.sn.at/leben/reisen/ein-land-aus-einer-anderen-zeit-einer-anderen-welt-995206

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