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Harry Potters Welt: Der Zauber hinter den Kulissen

Hogwarts. Das Klassenzimmer für Zaubertränke. Das Zaubereiministerium. 30 Kilometer außerhalb Londons erwacht die Potter-Welt in den Warner Bros.-Filmstudios zum Leben. Warum sie eine Reise wert sind.

Mit Schwung schießt eine Ladung Briefe durch den Postschlitz in der Tür. Alle tragen das Siegel der Zaubereischule Hogwarts und sind an Harry Potter adressiert. Jene Anschreiben, welche die Dursleys, Potters missmutige Verwandtschaft, zur Verzweiflung trieben, flattern nun durch die Warner-Bros.-Studios in Leavesden nahe London, wo alle acht Filme entstanden. Daneben ruft ein Bub "Up!". Er hat die richtige Handbewegung verinnerlicht. Tatsächlich, der Besen, der gerade noch am Boden lag, bewegt sich nach oben, bis er in der Hand des Kindes ankommt. Zwei Mädchen üben daneben das Zauberstäbeschwingen und murmeln magische Worte. "Wutschen und wedeln" lautet das Prinzip, wenn der Spruch gelingen soll.

15 Jahre ist es her, dass die britische Autorin Joanne K. Rowling Millionen Kinder und Erwachsene in sieben Bänden mit in die Welt von Harry Potter nahm. 450 Millionen Mal gingen die Bücher über die Ladentheken. Kaum verfilmt, zogen die Geschichten in acht Teilen Millionen Besucher in die Kinos; das Gesamteinspielergebnis liegt bei rund 7,7 Milliarden US-Dollar. Damit ist die Potter-Serie die kommerziell erfolgreichste Filmreihe. Was blieb: Studios, die seit vier Jahren Einblicke gewähren.

Dass der Zauber von einst noch wirkt, zeigen die Besucherzahlen. 6000 Neugierige strömen pro Tag durch das originale Filmset 30 Kilometer nordwestlich von London. Auf eineinhalb Millionen klettern die Publikumszahlen pro Jahr. 60 Touren finden an geschäftigen Tagen statt. Wer an einer teilnimmt, erlebt Überraschungen.

Ein echter Darsteller führt durchs Filmset

James Marks ist so eine Überraschung. Die Augen des 25-Jährigen funkeln, wenn er Gruppen durch die Sets führt. Er ist nicht nur Guide und weiß auf jede noch so detaillierte Frage eine Antwort. Er ist ein echter Darsteller. Marks wirkte als Ernie McMillan in den Potter-Filmen mit; etwa als Anfeuerer seiner Mannschaft beim "trimagischen Turnier" in der Schule oder beim großen Finale, als die Schlacht um Hogwarts gegen die dunklen Mächte geschlagen wurde.

Am Anfang seiner dreieinhalb Stunden dauernden Tour steht die Große Halle, in der sich die Schüler im Film nicht nur zum Essen versammelten, sondern auch, wenn Schulleiter Albus Dumbledore Krisenbesprechungen einberief oder Festakte anstanden. James Marks wartet, bis sich die staunenden Gäste umgesehen haben und weiterbewegen. Dann startet er seine Erklärungen. Humorvoll und mit profundem Hintergrundwissen. Auch was die Technik betrifft oder das Bühnenbild.

Schnell wird klar, welch enormer Aufwand hinter dem Bau der Kulissen steckt. Tapeten wurden eigens gestaltet, Teppiche gewebt. Scharen von Malern sorgten für die Porträts, die von den Wänden blicken. Originalkostüme sind auf Kleiderpuppen aufgezogen, fein gearbeitet und voller Accessoires, die Fans sofort bekannt vorkommen. Vorn in der großzügigen Halle thront der Sprechende Hut - jene schäbig aussehende Kopfbedeckung, die neue Hogwarts-Schüler auf vier Häuser verteilte und damit über ihr Schicksal mitentschied.

Besuch in Dumbledores Büro

Bevor die nächsten Besucher nachströmen, führt Marks seine Gruppe weiter. Nach der Halle folgen etliche Sets: Professor Dumbledores Büro mit dem Denkarium, einem Becken, in das er in Fläschchen gesammelte Gedanken schüttete und diese dadurch ansehen konnte. Professor Snapes Klassenzimmer für Zaubertränke, in dem grelle Flüssigkeiten wie von Zauberhand gerührt werden. Die Küche der Weasleys, in der sich schmutziges Geschirr selbst sauber schrubbt. Und natürlich die Winkelgasse, in der Zauberer ihre Utensilien kaufen.

Zwischendurch kommt es zu kleinen Staus und Besucher brauchen etwas Geduld. Nämlich jedes Mal, wenn es etwas zu erleben gibt. Das Aufnehmen des Besens mit dem Zauberwort "Up!" etwa. Oder wenn man das Kehrgerät nicht nur befehligen, sondern sogar durch die Luft jagen will. Das funktioniert in einer von acht grünen Boxen, in denen die Greenscreen-Technik angewendet wird. Groß und Klein schwingen sich auf die Besen und werden am Computer in Potter-Szenen hineingeschnitten. Das Ergebnis können sie sich beim Ausgang abholen: Dort warten wahlweise ein Video des wilden Ritts oder Fotos.

Die Preise sind allerdings weniger zauberhaft: 14 Pfund (17 Euro) kostet ein einzelnes Foto, der Film auf USB oder DVD 25 Pfund (30 Euro). Die Geldtasche brauchen Fans gar nicht erst wegzustecken. Im riesigen Shop gibt es fast alles, was das Herz begeht: Eule Hedwig aus Plüsch, den mächtigen Elderstab für zu Hause, Schokoladenfrösche und Geleebonbons in tausend Geschmäckern.

Neues von den Zauberschülern

Zu diesem Zeitpunkt hat James Marks seine Gruppe bereits verabschiedet - nicht ohne darauf hinzuweisen, dass die Geschichte der Zauberschüler Harry Potter, Ron Weasley und Hermine Granger noch nicht zu Ende ist.

Zum 15. Geburtstag gibt es Neues von Harry Potter: Heute, Samstag, feiert "Harry Potter and the Cursed Child" am Londoner Palace Theatre Premiere. Zu kaufen gibt es nur das Drehbuch davon. Darin - oder im Stück - wird man erfahren, wie es dem erwachsenen Zauberer Potter und seinem Sohn Albus Severus ergeht. Dass der Spross ebenfalls Hogwarts besucht, ist Ehrensache.

Die Potter-Welt erleben:

Tickets für dieWarner-Bros.-Studiotour kosten 35 Britische Pfund (derzeit 42 Euro) für Erwachsene, Kinder bezahlen 27 Pfund (32 Euro). Eintrittskarten gibt es ausschließlich online.

Wie man von der Hauptstadt aus nach Leavesden gelangt: Per Schnellzug geht es von London-Euston nach Watford Junction, Shuttlebusse fahrenzum Studiogelände.

Aufgerufen am 18.11.2018 um 09:00 auf https://www.sn.at/leben/reisen/harry-potters-welt-der-zauber-hinter-den-kulissen-1210291

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