Reisen

Himmelszelt und Badestrand

Campen Sie noch oder glampen Sie schon? Wo manche auf Natur schwören, wollen andere Spa oder Privatpool vor dem eigenen - mobilen - Häuschen. Eins ist jedoch sicher: Camping ist wieder in Mode.

Zuerst die Zahlen. Campingurlaub ist wieder im Aufwind, im Vorjahr verbuchten österreichische Campingplätze 1.573.757 Ankünfte - das sind knapp zehn Prozent mehr als noch 2016. Die Anreise erfolgt meist mit eigenem fahrbaren Untersatz, gut die Hälfte macht sich mit dem Wohnmobil auf den Weg in den Urlaub, knapp vier von zehn nutzen den Wohnwagen, wie der Österreichische Camping Club ermittelt hat. Ein Zelt besitzt etwa jeder Fünfte, tatsächlich genutzt wird es allerdings nur von zirka acht Prozent.

Auch beim Nachbarn liegt Campen im Trend. Wie das Reiseportal www.camping.info berichtet, haben Deutschlands Campingplätze 2017 erstmals mehr als 31 Millionen gebuchte Übernachtungen gemeldet, was einen Anstieg auf den bundesweit 2954 Plätzen in den vergangenen zehn Jahren um 42 Prozent bedeutet.

Camper sind gern und viel unterwegs, meist mehrmals pro Jahr, wobei Pensionisten da deutlich die Nase vorn haben: Bei den über 70-Jährigen campen 96 Prozent mehrmals jährlich. Und das auch ausgiebig: Fast die Hälfte aller Befragten verbringt mehr als 21 Nächte pro Jahr auf Campingplätzen - aufgeteilt auf mehrere Aufenthalte und unterschiedliche Plätze. Denn wer mobil ist - immerhin der Hauptgrund fürs Campen -, kann auch mehrere Orte besuchen und trotzdem immer seine Siebensachen dabeihaben. Der passende Campingplatz wird meist gezielt und rechtzeitig vor der Anreise ausgewählt. Suchhilfen sind hier vor allem das Internet oder gedruckte Campingführer, manchmal auch Empfehlungen von Freunden oder Bekannten. Und während Naturverbundenheit oder auch ein direkter See- oder Meerzugang eine große Rolle spielt, tun das die Kosten nicht: Für mehr als die Hälfte der Befragten ist das günstige Preis-Leistungs-Verhältnis kein ausschlaggebendes Kriterium fürs Campen. Im Gegenteil: Es darf ruhig ein wenig Luxus sein. Und der hat schon seit einigen Jahren auf den Campingplätzen Einzug gehalten. "Glamping" heißt das Stichwort, erfunden wurde dieses "glamorous camping" von einem, der sich mit Luxus gut auskennt: dem Ex-Chef der Fondation Cartier der Luxusgruppe Richemont, Alain Dominique Perrin. Das erste Zeltdorf zum "Campen wie Gott in Frankreich" setzte er in die Dünen der französischen Atlantikinsel Noirmoutier, ließ morgens knusprige Croissants und am Abend private Gourmetdiners auf der Holzterrasse der eigenen Lodge servieren. Das Beispiel machte Schule.

Lodge-Zelt, Baumhaus, Premium-Mobilheim oder Weinfass - laut ÖAMTC-Reisemonitoring spielen 21 Prozent der campingaffinen Reisenden mit dem Gedanken, einen Glamping-Urlaub zu machen. Als Vorreiter in Europa gelten Frankreich, aber auch Spanien, Italien und Kroatien - dort gibt es bereits ein breites Angebot. Auf den Campingplätzen der italienischen Adria haben Gourmetküche und höchster Komfort Einzug gehalten, und in der Inselwelt der kroatischen Region Kvarner etwa nächtigt der "Komfort-Camper" zunehmend in Mobil Homes oder Mini-Bungalows, teilweise sogar mit eigenem Pool. Gruppiert zu kleinen Siedlungen, liegen sie meist direkt am Meer, wie etwa im Camp Padova auf Rab, als ruhig gelegene, klimatisierte "Glamping-Zelte" mit Schlaf- und Wohnzimmer, Küche und Bad auf dem Fünf-Sterne-Camping-Resort Krk oder gleich mit Privatpool und "erster Reihe fußfrei" am Wasser wie im Camp Njivice. Ćevapčići und lange Fußmärsche bis zu den Sanitäranlagen sind jedenfalls Schnee von gestern.

Glamping ist mittlerweile weltweit zu finden. In Kalifornien logiert man in Vintage-Wohnwagen samt Pazifik-Blick, im kambodschanischen Dschungel in schwimmenden Zelten, in Japan um gutes Geld in Kabinen am Fuße des heiligen Berges Fuji, und auch Afrika hat mit seinen Zelt-Lodges bereits seit vielen Jahren den Bogen zwischen Naturerlebnis und kolonialem Luxus heraus. Zu buchen ganz einfach bei den großen Reiseveranstaltern, wie etwa Thomas Cooks Neckermann Reisen, der sein Luxusprogramm Signature Finest Selection in der kommenden Wintersaison mit einer Glamping-Rundreise im opulent eingerichteten Beduinenzelt in Oman ergänzt.

Wer nicht so weit reisen möchte, um das Luxuscampen auszuprobieren, kann dies gleich am Hallstätter See tun, wo Carola Hinterer und Lorenzo Morelli ihre Roulottes, "historische Zigeunerwagen", malerisch im Park aufgestellt haben. Ausgestattet mit Küchenecke oder auch mit Bad. Darunter auch "Django le Gitan", ein original "Buggenhout" aus den Dreißigerjahren, eine Art Rolls-Royce des fahrenden Volkes, entworfen vom berühmten "Monsieur Albrecht", der auch Waggons für den Orient-Express entworfen hat. Darin soll sogar die Familie von Gipsy-Jazz-Legende Django Reinhardt lange gewohnt haben. Für Sommertage gibt's dazu den privaten Seestrand, Holzsauna, Wintergarten und Baumhaus.

"Was Reisende vom klassischen Camping abhält, sind Bedenken bezüglich des Komforts", sagt Markus Holzer vom Österreichischen Camping Club (ÖCC). "Glamping soll eine Lücke schließen - zwischen Camping und Hotel -, sodass auch Skeptiker vom naturnahen Reisen überzeugt werden können." Schon allein deshalb, weil auch die Anreise deutlich einfacher ist - umfangreiches Gepäck wie beim Zelten oder das Mieten und teils ungewohnte Lenken eines Wohnmobils entfallen.

Das Plus an Komfort hat jedoch auch seinen Preis: Während eine Woche klassisches Campen für 150 bis 350 Euro pro Stellplatz zu haben ist, muss man beim Glampen mit 600 bis 1500 Euro für die Unterkunft rechnen. "Trotzdem hat man immer noch den Vorteil der Naturverbundenheit, Individualität und Flexibilität", sagt Holzer. Also genau das, was die Faszination von Camping ausmacht.

Information
Tipps zum Campen gibt's beim Österreichischen Camping Club, www.campingclub.at
Glamping-Plätze im kroatischen Kvarner: Camp Padova auf Rab und Camping Resort Krk (www.camping-adriatic.com), Camp Njivice auf Krk (www.kampnjivice.com)
Glamping-Rundreise in Oman, www.neckermann-reisen.at
Camping Park am See in Obertraun, www.camping-park-am-see.at
Domaine Le Midi auf der französischen Insel Noirmoutier, www.domaine-le-midi.com/de

GUTE NACHBARSCHAFT
Campen ist eine feine Sache - jedoch nur dann, wenn das Miteinander klappt. Hier einige Dos and Don'ts auf dem Campingplatz von rent easy. www.rent-easy.de
Ruhezeiten einhalten
Keine Erholung bei zu viel Lärm. Also bitte unbedingt die Ruhezeiten einhalten, ab 22 Uhr nicht mehr mit dem Fahrzeug auf den Campingplatz fahren, laute Musik oder Gespräche vermeiden.
Abstand halten
Ein Plauscherl mit dem Nachbarn bietet sich an, aber nicht jeder hat gleich Lust dazu. Besser ist es, die Privatsphäre zu wahren, sich zunächst vornehm zurückzuhalten und nett zu grüßen.
Keine Lebensmittel liegen lassen
Ein absolutes No-Go auf dem Campingplatz: das Liegenlassen von Lebensmitteln draußen vor dem Wohnmobil oder Zelt. Das lockt über Nacht Tiere wie Ratten, Füchse oder Insekten an. Und wer will schon morgens eine Ameisenstraße direkt vor dem Wohnmobil haben?
Stolperfallen vermeiden
Campingstühle, Leinen, Heringe: Wer nachts rausmuss, stolpert leicht über Hindernisse. Abends sollten Camper alles so aufräumen, dass kein Nachbar sich den Zeh stoßen kann.
Auf angemessene Kleidung achten
Auch wenn es auf dem Campingplatz salopper zugeht als im Hotel: FKK ist nicht erwünscht - außer auf einem ausgewiesenen FKK-Campingplatz.
Kein Wildpinkeln
Abends schnell vor dem Zelt oder Wohnmobil die Zähne putzen und ins Gebüsch spucken geht gar nicht. Noch verpönter ist Wildpinkeln, anstatt nachts die Örtlichkeiten aufzusuchen. Gerade wenn tags darauf die Sonne scheint, werden die Nachbarn die Nase rümpfen.
Grillen bei geeigneten Windverhältnissen
Campingzeit ist Grillzeit - aber nur, wenn es windstill ist. Sonst werden die Nachbarn schnell ungewollt eingeräuchert. Für offenes Feuer gibt es auf den meisten Campingplätzen - wegen der großen Brandgefahr - extra Feuerstellen für das private Grillvergnügen.
Ungestörte Romantik
Endlich allein! Bei einem romantischen Abend zu zweit sollten sich Pärchen aber unbedingt diskret verhalten und darauf achten, die Nachbarn nicht zu stören.

Anfänger im Glück

Der erste Campingurlaub. Die neue Freiheit will gelernt sein - Tipps für Einsteiger.
Wer heuer erstmals einen Ausflug mit Zelt, Wohnwagen oder Camper ausprobieren möchte, für den gibt's gute Tipps, und zwar vom Österreichischen Camping Club (ÖCC). Campen soll Spaß machen. "Da ist gute Vorbereitung die Voraussetzung", sagt ÖCC-Experte Markus Holzer. Das Wichtigste: Information. "Besonders bei Reisen ins Ausland gilt es dortige Verkehrsbestimmungen und Mitführpflichten zu kennen." Damit man am Urlaubsort dann auch alle nötigen Utensilien fürs Campen parat hat, ist es ratsam, eine Packliste anzulegen. Wer noch unsicher ist, ob Camping mit Reisemobil oder Wohnwagen die richtige Urlaubsform ist, startet am besten mit ein paar Tagen zur Miete. Das Minimum der Mietdauer beträgt oftmals sechs Tage, in den meisten Fällen ist die Führerscheinklasse B, also für normalen Pkw, ausreichend. Der Preis fürs rollende Hotelzimmer: je nach Größe, Leihdauer und Reisesaison zwischen 60 und 150 Euro pro Tag. Wohnwagen hingegen sind nicht nur günstiger - praktisch ist auch, dass man mit dem Zugfahrzeug problemlos Ausflüge in die Umgebung machen kann. Voraussetzung dafür sind eine Anhängerkupplung und ausreichende Zuglast. Bei der passenden Auswahl ist der Vermieter behilflich. "Da das Handling insbesondere für Anfänger ungewohnt ist, sollte man sich für die Fahrzeugübergabe ausreichend Zeit nehmen", rät Holzer. "Aufgaben wie An- und Abkuppeln beim Wohnwagen, Wassertank-Füllen oder Gasflasche-Wechseln lässt man sich am besten vorzeigen." Ob nun Reisemobil oder Wohnwagen - vor der Abfahrt in den Urlaub tut ein wenig Übung gut, am besten auf bekannten und wenig belebten Straßen. Das vermittelt ein Gefühl fürs Fahrzeug und Sicherheit. Wer sich das Fahren mit Reisemobil oder Wohnwagen noch nicht zutraut, kann alternativ einen Wohnwagen oder ein Mobilheim direkt am Campingplatz mieten.

"Zelten ist die günstigste und abenteuerlichste Form des Campens und eignet sich für kleine Urlaubsbudgets", so der ÖCC-Experte weiter. "Eine Startausrüstung mit Zelt, Isomatte, Schlafsack und Campingkocher gibt es für knapp 300 Euro." Leichte und schnell aufgebaute Iglu-Zelte passen problemlos auch aufs Rad und in jeden Kofferraum.

Serpentinen, Tunnel oder enge Gassen - für Anfänger sind eine einfache Route und nicht zu lange Reiseetappen ratsam. Ideal für Anfänger sind Routen, die bereits mit dem Pkw zurückgelegt wurden. Hier hat der ÖCC-Experte eine Empfehlung im Inland parat: die Südweststeiermark.

Die Strecke zwischen Leibnitz und Deutschlandsberg ist gut zu befahren und bietet attraktive Stell- und Campingplätze. Wer ins nahe gelegene Ausland fahren möchte, dem empfiehlt Holzer die Toskana, ausgehend von Florenz. ÖCC-Mitglieder erhalten auf Anfrage einen kostenlosen Routenplan mit wichtigen und nützlichen Hinweisen für Camper.
Info: www.campingclub.at

Campen für Puristen

Wildcampen. Der Trend zurück zu den luxuslosen Wurzeln.
Während anderswo das Campen immer luxuriöser wird, wollen viele zurück zur Natur, ohne Nachbarn, ohne Trubel, ohne große Kosten. Doch in den meisten europäischen Ländern ist das Übernachten mitten in der - meist ohnehin sehr zivilisierten - Wildnis unter dem Sternenhimmel verboten.

Löbliche Ausnahmen sind die skandinavischen Länder. Dort darf das Zelt sogar ein paar Tage lang stehen bleiben, vorausgesetzt, es handelt sich um ein öffentliches Grundstück. Hier zeigt sich auch der - nicht unwichtige - Unterschied zwischen Not-Biwak und wildem Camping. Wer müde ist, sich verlaufen hat oder aus anderen Gründen nicht mehr weiterkann oder -will, darf jederzeit seine Isomatte ausrollen und in seinen Schlafsack kriechen. Aber bitte ohne Zelt. Und auch nicht in einem ausgewiesenen Naturschutzgebiet. Das ist Biwakieren.

Wer hingegen das ungebundene Campingerlebnis sucht und mit dem Zelt unterwegs ist, sollte ein paar Ratschläge beherzigen. Die Nähe von Gewässern sollte gemieden werden, denn die aufsteigende Feuchtigkeit kann nachts ebenso lästig sein wie die dort meist vorhandenen Gelsen. Auch mit Feuer, sofern erlaubt, ist vorsichtig zu hantieren, am besten klein halten und bei großer Trockenheit darauf verzichten.

Und wie immer gilt: die Natur respektieren, sich ruhig verhalten und keinerlei Müll zurücklassen.

Aufgerufen am 28.05.2020 um 07:56 auf https://www.sn.at/leben/reisen/himmelszelt-und-badestrand-32010238

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