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Im Land der 1500 Biere

Belgien zählt 160 Brauereien und 1500 Biermarken. Ein Kurzbesuch in der flämischen Stadt Brügge lässt die Geschmacksvielfalt nur erahnen. Das aber dafür umso genussvoller.

Hier ist Hopfen und Malz nicht verloren! Ein süßer, schwerer Duft liegt im Raum. Die Nase gewöhnt sich rasch daran, während ihr Besitzer durch die Räume der Brauerei wandert und aufmerksam Yannicks Erzählungen zu Geschichte und Produktion des Hausbiers lauscht. Als Vorbereitung zur Verkostung und dem "Blending-Workshop" im Anschluss.

Zwei bedeutende Brauereien gibt es heute in Brügge. Die Huisbrouwerij De Halve Maan wird in sechster Generation im Stadtzentrum geführt. Und erst vor wenigen Monaten ist die zweite Brauerei zurückgekehrt in die UNESCO-Stadt, die mit zahlreichen Brücken, dem Marktplatz und prächtigen Gebäuden wie dem Glockenturm Belfried, Beginenhof und etwa Liebfrauenkirche mit Madonnenstatue von Michelangelo geschmückt ist: die Brouwerij Bourgogne des Flandres. Gebraut wird heute im Dachboden eines historischen Stadthauses, direkt an einem Kanal gelegen. Bier hat hier eine lange Geschichte: 1825 gründete Corneille IV van Houtryve die Brauerei Den Os, 1909 braute Enkel Jean van Houtryve erstmals die Sorte Bourgogne des Flandres. 1958 wurde die Brauerei erstmals geschlossen. Die Rezeptur verblieb in Westflandern und in den 1990er-Jahren gelangte das Unternehmen in die Hände der Familie Martin. "Die Familie wollte das Bier da brauen, wo es hingehört", erzählt Patrick Monnissen, Manager der Brauerei. "Wir brauen heute fünf bis sechs Mal pro Woche bis zu 1000 Liter an einem Tag." Und zwar ein gemischtgäriges Bier von rotbrauner Farbe mit malzigem Geschmack. Die dunkle, obergärige Sorte wird mit einer spontangärigen Sorte der Brauerei Lambic, ebenfalls im Besitz der Martin-Familie, gemischt.

Frisch-säuerlich, vanillig, schwer oder malzig

Diesmal werden die beiden Sorten gemischt oder "geblendet". Während das eine frisch-säuerlich und vanillig schmeckt, ist das andere schwer und malzig, mit "Kaffee- und Schokoladenote". Jetzt heißt es mischen und testen, immer wieder, bis der Idealzustand erreicht ist. Der des Biers. Endlich zeigt der Gerstensaft einen runden, ausgewogenen Geschmack, so, wie das Bier in der Flasche verkauft wird. Oder fast so. "Wir geben noch etwas Karamell dazu", verrät Yannick noch ein Braugeheimnis. Abgefüllt wird nicht nur in den hierzulande gängigen Gebinden, sondern auch in stattlichen Dreiviertelliterflaschen. Die werden dann auch ganz stilvoll mit Weinkühler und schönen Gläsern serviert. "Es wird so viel Arbeit in das Produkt gesteckt und es verdient daher auch die entsprechende Aufmerksamkeit und Behandlung." Der Ruf als Bierland verpflichtet.
Info: www.visitflanders.com

Quelle: SN

Aufgerufen am 18.12.2018 um 11:47 auf https://www.sn.at/leben/reisen/im-land-der-1500-biere-1017049

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