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Sri Lanka - Gutes Karma für grünes Gold

In Sri Lanka fließen Religionen und Kulturen ineinander. Die Kulissen wechseln schnell auf der kleinen Insel im Indischen Ozean. Und dabei ist der Tee, das "grüne Gold" der Insulaner, ein ständiger Begleiter.

Er war 13 Jahre alt, als ihn die Berufung ereilte. Sein Leben erschien ihm kompliziert und während er im Schulunterricht saß, wich ein Gefühl nicht von ihm: Er folge nicht seiner wahren Bestimmung. Dann kam das lange Schweigen. Das diente in seiner Ausbildung zum buddhistischen Mönch dazu, zwischen wichtig und unwichtig zu unterscheiden. Nur Wesentliches sollte er sprechen. Denn die überschüssige Energie investieren Mönche in die Meditation.

Seinen früheren Namen Swamin Wahanse hat der junge Mönch lange nicht gehört. Heute sprechen ihn alle Tempelbewohner in Matale in der Zentralprovinz Sri Lankas mit "Heiliger" an. Noch vor Sonnenaufgang ist der 28-Jährige wach, putzt die Klosteranlage, wäscht sich, betet. Mit Arbeit Geld verdienen darf er nicht, er ist auf die Almosen der Einheimischen angewiesen. Er ist ihr täglicher Berater und weist den 40 Buben im Kloster den Weg zum Buddhismus.

Buddhistische Klöster und Tempelanlagen prägen seit über 2000 Jahren das Bild Sri Lankas. Sie mischen sich zwischen Kautschukfelder, Palmenhaine und Reisplantagen. Im Landesinneren scheinen sich Grüntöne an Sattheit übertrumpfen zu wollen. Über 3000 Arten von Blumenbäumen wie Frangipani mischen sich dazwischen. Uralte Akazienbäume erzählen die Geschichte der Insel.

Wie zum Beispiel die des "Löwenfelsen" Sigiriya. Mitten im Dschungel schaffte sich König Kassapa vor 1500 Jahren dort sein Paradies. Er erbaute eine pompöse Festung auf einem 200 Meter hohen Granitmonolithen. Schwindelerregende Treppen führen auf den Felsen, mächtige Löwenpranken flankieren die Eisenleitern. Barbusige Schönheiten als farbige Fresken erwarten den Besucher.

Der Löwenfels Sigiriya liegt mitten im Kulturdreieck des Landes. Die alten Königsstädte der Singhalesen waren hier, Anuradhapura im Norden, Polonnaruwa im Osten und Kandy im Süden. Auf engem Raum stehen die UNESCO-Welterbestätten beisammen. Sri Lanka ist nur etwa so groß wie Belgien, der Szenenwechsel geht schnell vonstatten.

Nur einen Steinwurf von den drei wichtigsten historischen Stätten entfernt, trifft man mit großer Wahrscheinlichkeit auf einen der "Big Three" der Tierwelt. Im Minneriya National Park kommen wild lebende Elefanten zusammen. Neben Lippenbären und Leoparden sind sie es, weswegen sich Safari-Jeeps dicht aneinander reihen, im Kampf um die beste Sicht.

"Sie vergessen nie", sagt Reiseleiter Akthar Mohommad. Manchmal legen Elefanten über 100 Kilometer zur nächsten Wasserstelle zurück. Die Landkarten im Kopf werden von Generation zu Generation weitergegeben. Nur die Horde Schaulustiger scheint ihr Elefantengedächtnis ausblenden zu können. Unbekümmert grasen die Dickhäuter, als wären die Touristen Teil ihrer Herde. Aus dem Jeep aussteigen dürfe keiner, sagt der Reiseleiter. Das mache die Tiere hellhörig.

Aufhorchen lässt auch die Zahl der Todesopfer. Rund 50 Menschen sterben jährlich an den Folgen von Zusammenstößen mit Elefanten. Bei den Elefanten sind es jedoch über 150.

Machtkämpfe gab es auf der Insel aber nicht nur zwischen Tier und Mensch. Die Bodenschätze des Landes waren für die Inselbewohner Fluch und Segen zugleich. Als europäische Seefahrernationen von Kostbarkeiten wie Zimt und anderen Gewürzen Wind bekamen, segelten sie hinaus, um ihre Anteile zu sichern. Für einen Sack Ceylon-Zimt konnte man im Amsterdam des 17. Jahrhunderts noch ein ganzes Haus kaufen.

Der in Sri Lanka endemische Zimtbaum gedeiht in zahlreichen Gewürzgärten. Dort erklären Einheimische, wo der Pfeffer wächst und dass, wie ebenjener, auch Vanilleschoten als Lianen durch den Garten ranken. Ihr "Wissen vom Leben", wie Ayurveda übersetzt heißt, zeigen viele der Bewohner Sri Lankas auch in der Küche.

Dampfende Fisch- und Hühnercurrys, indische Dals, Chutneys oder das rot-weiße Pol Sambol, Kokosraspeln mit Chili, dürfen in der heimischen Küche nicht fehlen. Bei fast jedem Gang prickelt es auf der Zunge. Knackfrisches Gemüse wird meist mit scharfen Gewürzen und lindernden Kräutern gemixt. Der hauchdünne Linsenmehlfladen Papadam, der dazu gereicht wird, lässt die Geschmacksknospen ein wenig durchatmen.

Die sri-lankische Küche ist nicht zuletzt auch den Einflüssen der europäischen Kolonialmächte geschuldet. Portugiesen, Holländer und Engländer besetzten das Land im Laufe der Geschichte. Die wichtige Rolle des Teeanbaus für das Land ist dabei aber nicht auf die englische Vorherrschaft zurückzuführen. Ein Schädlingsbefall der Kaffeesträucher machte die Bewohner Sri Lankas erfinderisch. Sie entschlossen sich, Teesträucher zu pflanzen.

Bis 1972 hieß Sri Lanka noch Ceylon. "Die Engländer konnten das arabische Wort ,saheelan' nicht aussprechen und nannten es in ihrer Kolonialzeit in Ceylon um", erzählt Reiseleiter Mohommad. Der Ceylon-Tee ist heute weltberühmt. Das "grüne Gold" beschert der Insel eine Jahresproduktion von mehr als 300 Millionen Kilogramm und macht sie so zum viertgrößten Teelieferanten der Welt.

Die mikroklimatischen Zonen rund um die Kleinstadt Nuwara Eliya im Landesinneren von Sri Lanka spielen eine wichtige Rolle im Teeanbau. Sonnenreiche Tage, Nebel und ein mineralstoffreicher Boden schaffen eine gute Mixtur für den Tee. Alle zehn Tage wird gepflückt, aus einem Strauch ergeben sich das Jahr über zirka
36 Ernten.

Wie ein leuchtend grüner Teppich überziehen die Teesträucher die Landschaft rund um Nuwara Eliya. Strahlende Insel wird Sri Lanka von vielen genannt. Das hat wohl mit viel gutem Karma zu tun, auf das die Bewohner setzen.

Auch der buddhistische Mönch Swamin Wahanse lässt sein Leben davon leiten. Führt man ein gutes Leben, wird man auch im Folgeleben noch Früchte der guten Taten ernten. Fast 70 Prozent der Menschen in Sri Lanka ehren die Lebensweisen Buddhas. Dahinter folgt mit großem Abstand und nur zwölf Prozent der hinduistische Glaube. Zehn Prozent sind Muslime, fünf Prozent Christen.

"Viele wählen Buddha als ihren Lebensführer. Für alltägliche Probleme wie eine schlechte Ernte oder Schwierigkeiten in der Ehe gehen sie in hinduistische Tempelanlagen und beten Vishnu, Ganesha oder Shiva an", sagt Reiseleiter Mohommad. "Viele Menschen sind also Buddhisten und Hinduisten gleichzeitig." Der größte Unterschied: Der Buddhismus sei philosophischer, der Hinduismus mythologischer.

Der Mönch Swamin Wahanse rezitiert Buddha, spricht vom Kreislauf von Leben und Tod. Genau den versucht der junge Mönch zu durchbrechen, das Nirwana ist sein Ziel. Durch Askese und innere Stille will er es erreichen. Die vorbeigehenden Mönche grüßen den Heiligen, halten die Hände vors Herz. "Ayubowan", sagen sie. Und das bedeutet: "Mögest du lange leben."

Information:

Reise nach Sri Lanka - das "leuchtende Land"

Flug: Wien - Colombo mit Turkish Airlines, www.turkishairlines.com

Reiseinfo: Wer nach Sri Lanka reisen möchte, braucht ein Onlinevisum, das bis zu 30 Tage gültig ist. Gut geführte Sri-Lanka-Rundreisen hat der Reiseveranstalter GEO ganzjährig im Programm (siehe auch die

SN-Leserreise nach Sri Lanka). 10-tägige Rundreisen sind mit deutschsprachigem Reiseleiter in guten Mittelklassehotels inkl. Halbpension und Flug möglich. Mehr Infos unter www.georeisen.com

Übernachtungstipp: Das Hotel Oakray Elephant Lake ist eine Oase mitten im Kulturdreieck des Landes. Ganz in der Nähe: Die Höhlentempel von Dambulla oder der Minneriya Nationalpark für Safaris.

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