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Sri Lanka strahlt: Bitte lächeln!

Die "ehrwürdige Schöne" im Indischen Ozean zeigt ihren Besuchern ein Leuchten - in der Natur, am Meer und in den Gesichtern der Menschen.

1800 Stufen, die zu erklimmen sich auszahlt. Der Blick von der Felsenfestung Sigiriya über das üppige Grün ist einzigartig.  SN/fotolia
1800 Stufen, die zu erklimmen sich auszahlt. Der Blick von der Felsenfestung Sigiriya über das üppige Grün ist einzigartig.

Wer nach einem langen Nachtflug aus dem kalten Mitteleuropa vom Flughafen ins Freie tritt, dem schlägt vieles ent gegen: Hitze, Luftfeuchtigkeit und von überall her "Ayubovan", "willkommen". Der Fischverkäufer, der die in der Nacht gefangene Beute am Straßenrand feilbietet, der Tuk-Tuk-Fahrer, der wagemutig einen alten, klapprigen Bus überholt und sich gekonnt gerade noch rechtzeitig auf den rechten Fahrstreifen einordnet - Vorsicht, Linksverkehr! -, die alte Frau, die wie verloren am Straßenrand steht und den vorbeipolternden Verkehr beobachtet - sie alle begrüßen den Fremden mit leuchtenden Augen und einem herzerwärmenden Lächeln.

"Es ist einfach unsere Mentalität", sagt der 62-jährige Pem Wickremasinghe in einwandfreiem Deutsch. "Wir lieben unsere Insel. Wir sind aufeinander angewiesen." Mehr Zeit nehmen und nicht so schnell laufen wie die Mitteleuropäer, das sei der Schlüssel. "Wir lieben unser Land, das Klima, die Natur, die Tiere. Und wir leben unsere Religion."

Der Glaube spielt eine zentrale Rolle. Buddhas Lächeln ist allgegenwärtig. Geschätzt 70.000 Tempel gibt es auf der Insel, Buddhastatuen in allen Größen dekorieren Tempel, Straßenkreuzungen, Parkanlagen, Hotels, Privathäuser und sollen Auto- und Busfahrer schützen. 70 Prozent der Bevölkerung sind Buddhisten. Der Einfluss anderer Religionen ist ebenso überall präsent - muslimische Wohnviertel und Märkte, hinduistische Tempel mit überbordenden bunten Fassaden, christliche Kirchen und jener Geisterglaube, der sich an den vielen Opfergaben an uralten Bäumen und an den Schreinen an den Hauseingängen zeigt.

Zentrum des Buddhismus hier ist der Zahntempel in der ehemaligen Königsstadt Kandy. Im Inneren soll in einer Schatulle ein Backenzahn Buddhas aufbewahrt sein, einst Zeichen der königlichen Macht. Zu sehen ist diese Reliquie nicht, aber "unser Glaube daran ist so groß, wir würden niemals daran zweifeln", erklärt einer der Wärter lächelnd. Wie alle Besucher dieser heiligen Stätte - eine von acht UNESCO-Welterbestätten Sri Lankas - ist er barfuß unterwegs. Gläubige, ganz in Weiß gekleidet, bringen Lotusblüten in den Tempel, entzünden Räucherstäbchen. Von der laut kreischenden Affenhorde lässt sich hier niemand stören.

Weit weniger spirituell gibt sich die Felsenfestung Sigiriya, was so viel wie Löwenfels bedeutet. Auf dem 200 Meter hoch aufragenden Monolithen hat sie Prinz Kassapa im 5. Jahrhundert errichtet, nachdem er seinen Vater lebendig einmauern ließ, so den Thron an sich riss und sich in der damaligen Hauptstadt Anuradhapura vor seinem Bruder Moggallana, dem rechtmäßigen Thronerben, nicht mehr sicher fühlte. In seiner selbstverschuldeten misslichen Lage legte der König besonderen Wert auf Schönheit und Annehmlichkeiten. In einem Felseinschnitt ließ er rund 500 barbusige Mädchen malen, 20 davon sind noch erhalten und lächeln die Besucher verführerisch an, ihre Unterkörper erotisch von Wolken verhüllt. Wen diese "Wolkenmädchen" darstellen sollten, ist nicht geklärt, auch ob im Zuge der Renovierung ihre Brüste tatsächlich "geliftet" worden sind, lässt sich nicht eindeutig sagen.

Wolken gibt es auch im Hochland. Hier jedoch verhüllen sie nicht lächelnde Schönheiten, sondern garantieren die hohe Qualität des Ceylon-Tees, weiß, grün oder schwarz. Je höher gelegen, desto besser. Nur die zwei jüngsten Blätter werden händisch abgezupft. Zwölf bis 16 Kilogramm müssen die Frauen täglich ernten, eine Knochen arbeit. Der Tee, den man lächelnd zur Verkostung gereicht bekommt, wird mit großem Respekt getrunken - auf Wunsch auch mit viel Zucker und Kondensmilch, wie ihn die Einheimischen am liebsten genießen. Auch die nächste Portion Reis wird man mit viel Ehrfurcht essen. Mehr als 120 verschiedene Sorten sollen in Sri Lanka angebaut werden, meist manuell, mit Wasserbüffeln statt Traktoren, barfuß statt in Gummistiefeln. Reis wird zu jeder Mahlzeit gegessen, zum Frühstück ebenso wie zum Abendessen. Dazu gibt es Curry - nicht zu verwechseln mit der Gewürzmischung, die allerdings auch in jedes Curry gehört. Als Gericht sind Currys Schmortöpfe, die aus Fisch, Fleisch oder den unterschiedlichsten Gemüsen und einer raffinierten Gewürz mischung zubereitet und in kleinen Schüsseln zum Reis serviert werden. Mag dem ungeübten Mitteleuropäer beim ersten Bissen ob der Schärfe auch das Lächeln kurz vergehen, entfalten sich kurz darauf am Gaumen die zahlreichen Nuancen: Chili, Zimt und Kardamom, Vanille, Muskat, Kokosmilch - die tropische Vielfalt der Insel zergeht auf der Zunge.

"Ja, wir lieben auch unser Essen", sagt Reiseleiter Pem, schmunzelt und drückt uns ein paar Päckchen Gewürze in die Hand. "Für die kalten Tage bei euch zu Hause."




Quelle: SN

Aufgerufen am 18.11.2018 um 11:28 auf https://www.sn.at/leben/reisen/sri-lanka-strahlt-bitte-laecheln-404680

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