Reisen

Strampeln in den Dolomiten

Erst seit wenigen Jahren konzentriert sich die Region Eggental auf Mountainbiken. Die Bergradler finden am Fuß des Rosengartens und rund um Latemar ein Paradies.

Strampeln in den Dolomiten SN/gerald stoiber
Bei der Latemar-Umrundung ändern sich die Ausblicke auf das schroffe Massiv ständig – hier beim Mitterleger in gut 1800 Metern Seehöhe.

Spaß macht das Radfahren in den Bergen auch ohne den einschlägigen Jargon, der sich unter vielen Mountainbikern eingebürgert hat. Drops, Tables, Pumptrack oder Jumpline - damit wollen wir uns gar nicht lang aufhalten.

Wie sich bei einer Gruppe schnell herausstellt, scheint es prinzipiell zwei Arten von Bergradlern zu geben: Die einen, die eher nach oben streben, um sich anzustrengen - für sie sind die Abfahrten mehr ein notwendiges Übel als der wahre Kick. Umgekehrt ist es bei den anderen - sie nehmen gern den Lift nach oben, verabscheuen fade Forststraßen (noch mehr bergab als bergauf) und suchen die Herausforderung auf Abfahrten über Wanderwege oder Jägersteige.

In der Region Eggental unweit von Bozen finden beide Biker-Typen, wonach ihnen der Sinn steht. Wo im Winter Georg Eisath, der Gründer der Schneekanonenfirma TechnoAlpin, die Beschneiung in seinem Skigebiet Karersee (italienisch Carezza) in höchster Perfektion zelebriert, ziehen im Sommer die Moutainbiker ihre Spuren.

Gleichsam als Kompromiss bietet sich auf der Frommeralm oberhalb von Welschnofen und am Fuß des berühmten Rosengartens ein neuer Bikepark an. Da ist einerseits ein Übungsgelände, in dem Wellen und Steilkurven geübt werden können. Seit dem Vorjahr gibt es auch den Carezza Trail, der von der Bergstation 4,4 Kilometer und 500 Höhenmeter hinab bis zur Talstation der Laurin-Kabinenbahn führt. Die Route ist sehr naturnahe angelegt und bietet einfache bis mittlere Schwierigkeiten. Niemand muss mit dem Bike springen, aber man kann. Und die Steilkurven kann man auch gemütlich fahren. Langweilig wird einem auf dem abwechslungsreichen Kurs nicht. Eine zünftige Mahlzeit bei einem der vielen Berggasthöfe schmeckt dann umso besser - schöner als beim Ladritscherhof, hoch oben auf der Sonnseite zwischen Karerpass und Welschnofen, geht es kaum.

Tag zwei ist einem Klassiker gewidmet - der Latemar-Umrundung. Die "Abfahrer" nehmen natürlich gleich den Lift, um etwa auf die Passhöhe zu gelangen. Ein paar Unentwegte schinden sich durch den gottlob noch kühlen Wald - und werden mit sensationellen Blicken auf das schroffe Massiv belohnt. Der Spruch von Reinhold Messner, dass die Dolomiten zwar nicht die höchsten Berge der Welt sind, aber wahrscheinlich die schönsten, hat schon was. Am Karerpass endet Südtirol, es geht ins Trentino, hinab ins Fleimstal und hinaus nach Predazzo, und dann per Seilbahn auf der anderen Seite des Latemar wieder rauf. Es folgen anspruchsvolle Passagen auf Wanderwegen. Als Schlusspassage steht Passstraße oder Trail zur Wahl - egal, das Weißbier schmeckt am Ende allen.

Aufgerufen am 21.09.2018 um 12:17 auf https://www.sn.at/leben/reisen/strampeln-in-den-dolomiten-1064692

Schlagzeilen