Reisen

Wie cool ist das denn ...

Eishotels. Kaum kommt der Winter, zieht es viele in den Süden, auf karibische Inseln, einfach in die Wärme. Aber wieso nicht einmal das andere Extrem wählen - kälter und frostiger. Her mit jeder Menge Eis und Schnee!

Einige Anbieter haben sich genau darauf spezialisiert. Sie bauen Unterkünfte aus Eis und Schnee. Die Lebensdauer dieser Eishotels ist befristet, die Saison meistens kurz. Die Betreiber scheuen keinen Aufwand, jedes Jahr erschaffen sie Gebäude, Zimmer und Häuser aufs Neue. Eisblöcke und Schnee ersetzen Zement und Ziegel. Um so ein Hotel zu bauen, benötigt man also konstante Temperaturen unter null Grad; und es gibt weltweit nur einige Länder, in denen diese zauberhaften Eisgebilde stehen. Sie unterscheiden sich in Gestaltung, Baustil, Annehmlichkeiten und Ausstattung, aber alle umgibt diese zauberhafte Magie. Sie ziehen jene Menschen an, die das Ungewöhnliche suchen, das Extravagante, ein besonderes Abenteuer. Man muss schon bereit sein, den gewohnten Pfad zu verlassen, wenn man dann die Daunendecke gegen den Schlafsack tauscht und abends im dicken Skianzug an der Schneebar seinen Cocktail auf Eis schlürft. Und man muss tief in die Tasche greifen - wohnen in so einem Eishotel ist nicht billig. Für eine Nacht zahlt man von 250 Euro aufwärts, und in mancher Unterkunft klettern die Preise bis auf über 2500 Euro für die Übernachtung. Meist beginnen die Bauarbeiten der Unterkünfte im November, und die Saison endet vorwiegend im März. Das Errichten einer solchen Konstruktion ist sehr arbeitsintensiv, dafür ist das Baumaterial äußerst günstig. Manchmal werden Stahlkonstruktionen verwendet, um einen Rahmen für die Gebäude zu bilden. Es gibt aber auch permanente Iglus und Hütten, die man 365 Tage im Jahr besuchen kann. In diesem Schwerpunkt wollen wir Ihnen ein paar dieser Zauberwelten vorstellen.

Hôtel de Glace

Kanada, Quebec City
Dieses Hotel öffnete seine Türen für Gäste erstmals im Jänner 2001. Es ist bis heute Kanadas erstes und einziges Eishotel - überhaupt gibt es in ganz Nordamerika keine weitere solche Anlage. Der Aufwand ist enorm, der für dieses doch recht kurze Vergnügen - Jänner bis März, nur drei Monate dauert die gesamte Saison - betrieben wird: Sechs Wochen haben die Arbeiter Zeit, um rund 15.000 Tonnen Schnee und 500 Tonnen Eis zu verbauen - sie schaffen ein eisiges Kunstwerk auf 3000 Quadratmetern. Es entsteht ein Hotel, das aussieht wie ein riesengroßes Iglu. Das Eis wird dank ausgeklügeltem Lichtdesign zum Leuchten gebracht. Säulen, Standbilder mit Ornamenten, aufwendig geschnitzte Skulpturen, die Räume und die Möbel - alles ist aus Eis und Schnee und wird raffiniert in Szene gesetzt. Die Anlage bietet den Besuchern einigen Komfort. Auf dicken Fellen und Matratzen wird geschlafen, eingepackt in Schlafsäcken, die die Gäste selbst bei arktischen Temperaturen noch warm halten. Und auch sonst hat dieses Haus einiges zu bieten: Man speist gediegen im Restaurant "Le Quatre Temps", an der Eisbar "Absolut" kann man nicht nur Wodka verkosten, und wem dann doch die Kälte zu tief in den Knochen sitzt, der wärmt sich in der Hotelsauna oder hüpft ins Jacuzzi. Allerdings befindet sich dieses auch im Freien. In den Zimmern hat es konstant etwa minus vier Grad Celsius - da kuschelt man sich gerne in die warmen Schlafsäcke. Die luxuriöseren Suiten bieten eigene Feuerstellen für jene, die der Kälte schon etwas überdrüssig geworden sind. Von der Altstadt von Quebec erreicht man das Hôtel de Glace zu Fuß in zehn Minuten.
www.hoteldeglace-canada.com

Kakslauttanen Arctic Resort

Finnland, Saariselkä
Kommt man in das Kakslauttanen Arctic Resort, dann scheint es, als betrete man eine andere Welt. Dieser märchenhafte Ort befindet sich 250 Kilometer nördlich des Polarkreises in Finnisch-Lappland. Das Nördliche Eismeer erreicht man von hier aus in vier Stunden. Dieses Resort gibt es bereits seit 1974, und die Saison ist hier nicht auf wenige Monate begrenzt - das ganze Jahr über können Gäste ihren Urlaub im Kakslauttanen Arctic Resort buchen. Es stehen unterschiedliche Unterkünfte zur Verfügung - die Iglus und Hütten sind eingebettet in die Landschaft. Schlafen kann man beispielsweise in einem der Glas-Iglus. Eine Nacht in solch einer Konstruktion verschafft einem magische Momente - mit etwas Glück sieht man durch die gläserne Halbkugel, wie die Nordlichter am arktischen Himmel tanzen, sie scheinen dann zum Greifen nah. Die Besucher können die Natur so ganz unmittelbar erleben. Und auch sonst wartet so manches Abenteuer: Man kann Fahrten mit dem Rentierschlitten buchen, es werden Huskysafaris angeboten und es gibt die Rauchsaunen am Flussufer - Mutige kühlen sich nach dem Aufguss im eiskalten Quellwasser ab. Hobbyangler werfen beim Eisangeln am Inarisee die Rute aus - mal sehen, ob die Fische beißen. Die Natur scheint hier endlos, und somit sind es auch die Möglichkeiten. Eine Besonderheit des Resorts ist die enge Zusammenarbeit mit den Menschen der Region. Die Kultur der indigenen Bevölkerung, der Sámi, ist stark zu spüren - beinahe jedes Detail des Resorts wurde in den vergangenen 40 Jahren vor Ort von lokalen Handwerkern und Künstlern erschaffen.
www.kakslauttanen.fi


Icehotel

Schweden, Jukkasjärvi
Jedes Jahr, wenn der Fluss Torne im Winter friert, wird in Jukkasjärvi, im Norden von Schweden, ein neues Icehotel gebaut. Im Jahr 1989 gab es in dem kleinen Dorf eine Eis-Ausstellung, bei der japanische Künstler ihre Skulpturen präsentierten. Auf der folgenden Schau, ein Jahr später, wurde in einem speziell konstruierten Eis-Iglu ausgestellt. Manche der Besucher packten spontan ihre Schlafsäcke und nächtigten in der kühlen Behausung - das war die Geburtsstunde des Icehotels; und seither wurde die Anlage jedes Jahr neu errichtet. Dieses Eishotel war übrigens auch weltweit das erste seiner Art. Und die Idee hat sich weiterentwickelt - es kamen Elemente hinzu wie eine Empfangshalle, eine Bar und eine Kirche aus Eis und Schnee. Anfang November, wenn die Kälte ins Land zieht, beginnen die Künstler mit ihrer Arbeit. Sie schnitzen, feilen und polieren, damit das Icehotel Mitte Dezember seine Türen öffnen kann. 2500 Eisblöcke werden verbaut, jeder einzelne wiegt zwei Tonnen. Langeweile sollte im Icehotel nicht aufkommen - es gibt unzählige Aktivitäten, die man ausprobieren kann. Wie etwa eine Polarlicht-Schneemobil-Tour, eine Safari mit dem Hundeschlitten oder ein Kurs im Eismodellarbeiten, bei dem man die eigenen künstlerischen Fähigkeiten testen kann. Eine weitere Besonderheit des Hotels ist seine Lage: Jukkasjärvi befindet sich weit oben im Norden, 200 Kilometer nördlich des Polarkreises. Somit gibt es im Sommer die hellen Zeiten, wo die Sonne nicht untergeht, und im Winter auch die dunklen Tage, an denen sich die Sonne dann gar nicht blicken lässt. Das Hotel ist ganzjährig geöffnet. Die Gäste können im permanenten Teil der Anlage - genannt ICEHOTEL 365 - auch im Sommer wohnen.
www.icehotel.com

Hotel of Ice

Rumänien, Balea-See
Das Hotel of Ice schmiegt sich an den Bâlea-See, einen gefrorenen Gletschersee, der 2000 Meter über dem Meeresspiegel liegt. Der See befindet sich in einem Gebirgstal der Fagras-Berge in den Karpaten. Vier Stunden fährt man mit dem Auto von Bukarest aus Richtung Landesmitte. Und dann wird es abenteuerlich - zu erreichen ist das Hotel of Ice nur mit einer steilen Seilbahn. Ein Aufenthalt an diesem Ort ist wirklich ein Ausstieg aus dem Alltag. Auch dieses Hotel wird jedes Jahr wieder neu aufgebaut - immer inspiriert von einem anderen Thema. Die Gäste wohnen entweder in einem Eis-Zimmer, in dem es konstant unter null Grad hat, oder sie wählen eines der Iglus nahe dem Hotel. Gespeist wird im Chalet Bâlea Lac's Restaurant, wo die Kellner traditionelle transsilvanische und rumänische Gerichte servieren. Das Hotel bietet die üblichen Winteraktivitäten wie Skifahren, Snowboarden und Schlittschuhlaufen. Man kann aber auch mit einem Schneemobil fahren, es werden Schneeballwettbewerbe organisiert oder es geht zum Eisbowling.

Gäste, die schon dort waren, empfehlen, einen Extra-Sack für die Schuhe mitzunehmen, damit diese über Nacht nicht so auskühlen. Und: Fettcreme nicht vergessen. Zwar wärmen die Schlafsäcke ausreichend, aber das Gesicht kann in der Nacht schon ganz schön kalt werden.
www.hotelofice.com

Snow Village

Finnland, Lainio nahe Kittilä
Auf über 20.000 Quadratmetern entsteht ein kristallenes Märchenland, eine zauberhafte Frost-Welt. Jedes Jahr wieder entsteht aus etwa 20.000 Tonnen Schnee und 350 Tonnen Natureis ein eindrucksvolles Dorf. Man bekommt einen Eindruck davon, wie wunderschön Kälte sein kann. Das Snow Village beherbergt das Schneehotel mit Schneezimmern und -suiten, es gibt ein Restaurant, eine Bar und eine Kapelle aus Eis. Ein besonderes Vergnügen für die kleinen Gäste ist die hauseigene Eisrutschbahn. In dem weitläufigen Netz aus Gängen und Hallen gibt es etliche Schnitzereien aus Eis und Schnee zu entdecken. In den runden Korridoren schaffen Lichtinstallationen fantastische Bilder. In einem warmen Haupthaus befinden sich die sanitären Anlagen, eine Küche und Notbetten. Außerdem können sich die Gäste in der Lobby der Rezeption aufwärmen. Für die freie Zeit steht genügend auf dem Programm: Wie wäre es mit einer Entdeckertour mit dem Huskygespann oder einer Rentiersafari bei Mondschein? Wobei man hier selbst Hand anlegen darf - gesattelt und gelenkt wird eigenhändig. Wem das noch nicht aufregend genug ist, der kann seinen Adrenalinspiegel beim Gokart-Fahren auf dem Eis nach oben schrauben. Ruhesuchende entspannen hingegen in der Sauna-Gondel: Bis zu vier Personen haben Platz in dem Gefährt. Da schaukelt man dann im warmen Lift über die umliegende Berglandschaft. Die Saison im Snow Village beginnt üblicherweise im Dezember und endet im April.


Eskimska Vas / Igloo Village

Slowenien
Die Igloo Villages gibt es seit über zehn Jahren in ganz Slowenien, in den vergangenen Jahren waren immer mehrere solche Projekte geplant. Auch die Lebensdauer dieses Projekts ist immer wieder begrenzt - die Unterkünfte in einem Iglu-Dorf werden jedes Jahr aufs Neue erschaffen. Das sieht dann folgendermaßen aus: Aufblasbare Ballons werden mit Schnee bedeckt - somit entsteht die Basisform des Iglus. So kommt ein Iglu nach dem anderen dazu, bis das Dorf die gewünschte Größe erreicht hat. Die Gebäude werden durch ein Tunnelsystem miteinander verbunden. Es entstehen beispielsweise große Iglus, in denen mehrere Personen übernachten können, oder spezielle Romantik-Iglus für Pärchen. Die Temperatur in den Iglus beträgt zwischen null und vier Grad. Die Betten sind einfach große Schneeblöcke, die mit Isoliermaterial überdeckt sind. Darüber liegen Schaffelle, und die letzte Schicht bilden die speziellen Expeditions-Schlafsäcke, die einen auch bei minus 30 Grad die ganze Nacht über noch schön warm halten können. Auch kann man an der Iglu-Bar Tee schlürfen und sich aufwärmen. Im Iglu-Restaurant kommt eine traditionelle slowenische Wurst auf den Tisch, serviert mit Kren und frischem Brot. Gut gestärkt geht es dann hinaus ins Freie. Schneeschuhwandern, Cross-Golfen auf Schnee oder Schlittenfahren - das Programm variiert je nach Destination.

Heuer soll das Igloo Village in Kranjska Gora entstehen, also im äußersten Nordwesten Sloweniens. Das wäre der Plan. Anfang Jänner sollen die Iglus bereit für die Gäste sein. Noch müssen die Betreiber aber ein wenig zittern, denn sie sind abhängig von niedrigen Temperaturen und vom Schnee. Aber sie sind guter Dinge. Bis jetzt ist es sich noch jedes Jahr rechtzeitig ausgegangen.
www.eskimska-vas.si/en







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