Reisen

Zu Besuch in Belgien: Schokolade in vielen Farben

Weihnachtszeit in Brüssel. Zu Besuch in Belgien auf einem etwas anderen Lichterfest, zwischen Tradition und Trends.

Zu Besuch in Belgien: Schokolade in vielen Farben SN/ulrich traub
Macarons und Pralinés: begehrlicher Blick in die Auslagen der Chocolatiers.ulrich traub(2)

Das darf doch nicht wahr sein! Da glaubten wir, das "Manneken Pis" in schönster Weihnachtsmontur anzutreffen, und was ist? Es ist splitterfasernackt. Das muss ein Versehen sein, schließlich besitzt die kleine Berühmtheit doch fast 900 Kostüme. Fotografiert wird das nur 60 Zentimeter große bronzene Büblein, ein Wahrzeichen Brüssels, trotzdem.

An anderen Stellen zeigt sich die europäische Hauptstadt aber bestens gerüstet für das Fest. Die gute Stube der Stadt, die Grand' Place,
ist um eine Attraktion reicher. Ein 22 Meter hoher Tannenbaum macht der prachtvollen Kulisse aus dem 18. Jahrhundert Konkurrenz. Im Gegensatz zu einer Designerzüchtung aus Kunststoff, die vor einigen Jahren für Aufsehen und Kritik gesorgt hat, ist diesmal die Tanne wieder richtig grün. Das wirkt stimmungsvoll vor den wunderschönen Zunfthäusern, dem Rathaus und dem sogenannten Haus des Königs mit dem Stadtmuseum (und dem Kleiderschrank vom "Manneken Pis").

Nach Einbruch der Dunkelheit tauchen jedoch Lichteffekte die reich dekorierten Fassaden von Rat- und Königshaus abwechselnd in kräftig bunte Farben. Etage für Etage wird ausgeleuchtet: grün, blau, weiß. Dazu legt sich ein elektronischer Klangteppich mit dramatisch wabernden Sounds über den ehrwürdigen Platz. Jüngere Besucher sind begeistert.

Wer die klassischen Weihnachtslieder bevorzugt, dem könnte ein belgisches Spezialbier Trost spenden. An Auswahl herrscht in Brüsseler Beiseln kein Mangel. Bezeichnend, dass prominent an der Grand' Place das Zunfthaus der Brauer liegt. Kaum an einem anderen Ort versteht sich Europa so gut wie in den gemütlichen Brüsseler Kneipen und Brasserien. Wo sonst hört man so viele verschiedene Sprachen? Bier und Pommes frites - die schließlich von den Belgiern "erfunden" wurden - sorgen für die besten Koalitionen, so scheint es. Nach dem Besuch einer typischen Brüsseler Brasserie wie dem Le Cirio oder dem La Fleur en Papier Doré, Lieblingskneipe von Maler René Magritte, ist man dem Spektakel auf dem Platz gleich gewogener.

Weihnachtszeit in Brüssel - das ist ein Brückenschlag von Tradition zu aktuellen Trends. Natürlich gibt es auch einen Weihnachtsmarkt, der sogar bis 1. Jänner seine Pforten geöffnet hält. In der weitläufigen Standelstadt an der Kirche Sainte-Catherine präsentiert sich, wenn man so will, die EU. Zu finden sind regionale Spezialitäten, aber auch Käse aus dem französischen Béarn, Wein von der Loire, spanische Salami und Tiroler Speck. Hoch über dem Markt dreht ein Riesenrad seine Runden.

Auch hier haben Lichtdesigner leuchtende Akzente gesetzt. Die Fassade von Sainte-Catherine dient als Background für "Origami Light", eine impressionistisch erzählte Reise durch die japanische Kultur. An dem alten Gebäude der Börse warten Schaukeln auf Benutzer, die dem Spielgerät Licht- und Soundeffekte entlocken. Und viele umliegende Einkaufsstraßen verändern im Schein unterschiedlicher Lichtobjekte ihre Atmosphäre. Kommerz und Kultur gehen Hand in Hand.

Kaufwillige, die etwas Besonderes suchen, sind in Brüssel richtig. Etwa mit einem Besuch auf dem exquisiten Antiquitätenmarkt zu Füßen der Liebfrauenkirche oder in den angrenzenden Marollen, dem alten Arbeiterviertel, das man vom gigantischen Justizpalast abwärtsfahrend mit einem gläsernen Aufzug erreicht. Hier mischt sich alles bunt, und neben einem Shop mit origineller Weihnachtsdeko glitzern die Auslagen eines Ladens, der Möbel und Accessoires aus "Bombay-Pékin" anbietet, ein Stück weiter liegt ein Geschäft, das auf Comics spezialisiert ist. Typisch Marollen. Durch das Antiquitätenviertel führt der Weg zum Platz Grand Sablon.

Worauf warten nur all die Menschen da vorn? Beim Näherkommen ist es zu sehen: Hier befindet sich das Café Wittamer, wo die Kreationen eines der vielen ausgezeichneten Brüsseler Chocolatiers probiert werden können: ein "place to be". Nach kurzer Wartezeit dürfen wir in das Süßigkeitenparadies eintreten. Livrierte Kellner präsentieren kleine Törtchen, Spekulatius-Macarons, Eclairs und dicke Pralinen auf silbernen Tabletts: die Qual der Wahl im Schokohimmel. Er ist nicht der einzige in der europäischen Hauptstadt. In der dezent weihnachtlich strahlenden Passage Saint-Hubert von 1857, nach deren Besuch man so verzaubert ist, dass man keine Shopping-Mall mehr betreten möchte, zeigen gleich mehrere Brüsseler Chocolatiers, was ihnen zum Thema Weihnachten eingefallen ist.

Ein bisschen Abstand vom Weihnachtstreiben lässt sich beim Erklimmen des sogenannten Kunstbergs gewinnen. Hier, in unmittelbarer Nähe zum Königsschloss, liegt ein Museum neben dem anderen. Und von Weitem grüßt der filigran aufragende Turm des Rathauses - in Violett. Hier liegt die stille Seite Brüssels, sogar zur Weihnachtszeit.

Quelle: SN

Aufgerufen am 21.09.2018 um 08:06 auf https://www.sn.at/leben/reisen/zu-besuch-in-belgien-schokolade-in-vielen-farben-605554

Schlagzeilen