Leben

Seifenkisten: Anpacken im Team und dann los

Da lockt das Rennfieber im Kleinen und begeistert Jung und Alt: Zuerst werden Ideen gesammelt, Designs und Pläne entworfen. Dann wird geschraubt, gebohrt und gehämmert. Erst wenn alles geprüft und unter Dach und Fach ist, steht einer Ausfahrt mit den Seifenkisten nichts mehr im Weg.

Bei einem Seifenkistenrennen geht es ja zu wie bei der Formel 1. Ohne ausführliche TÜV-Prüfung und anschließende Abnahme darf ein Bolide Marke Eigenbau keinesfalls auf die Rennstrecke. "Wir müssen natürlich sichergehen, dass das gute Gefährt nicht beim ersten Hinschauen auseinanderfällt", schmunzelt Andreas Driza, Gründer, Geschäftsführer und Eigentümer des Clubs Montée in Kuchl.

Seifenkiste im Team bauen

Das Bauen einer flotten Seifenkiste ist eine Teamangelegenheit von etwa zehn Personen. "Alle gemeinsam arbeiten an einem Rennwagen und jeder bringt das ein, was er oder sie am besten kann", erklärt Driza. Der Club Montée, Spezialist für Veranstaltungen und Events, vor allem im Outdoor- und Freizeitbereich, liefert die Einzelteile. "Je nachdem, wie viel jemand auslegen will, können wir von den Bauteilen für die Seifenkisten aufwärts alles zur Verfügung stellen. Das könnten beispielsweise zum Tag passende T-Shirts sein, Biertische- und Bänke, über die Moderation bis hin zur Abschlussveranstaltung."

Nachhaltiger Spaß für Groß und Klein

Mit seinem Team plant und organisiert er entsprechende Aktionen - meist tageweise - für Firmen, etwa als Teil eines Betriebsausflugs, aber auch Gemeinden oder Organisationen können seine Dienste in Anspruch nehmen. Bei Sommerferiencamps können Kinder ab etwa zehn Jahren bereits teilnehmen, auch Erwachsene haben dabei durchaus ihren Spaß. "So ein gemeinsames Entwerfen, Basteln und Schrauben hat einen sehr verbindenden Charakter und bringt Eigenschaften in den Leuten hervor, die zuvor gar nicht bewusst wahrgenommen wurden. Überdies passt das hervorragend zu einer nachhaltigen Veranstaltung, etwa wenn eine Gemeinde oder Region einen autofreien Tag veranstaltet. Der Antrieb bei Seifenkisten besteht ja aus Muskeln, Schwerkraft und sehr viel Gelächter."

Außendesign mittels Autoklebefolien

Montée sorgt für die einzelnen Bauteile. Das Chassis besteht aus Sperrholzplatten, die von einer Tischlerei vorgefertigt werden, dazu kommen aufblasbare Reifen mit etwa 25 Zentimetern Durchmesser, die gleichzeitig auch die Federung übernehmen müssen. "Auf Schotter- und Wiesenwegen fahren geht durchaus, aber auf einem Kopfsteinpflaster wird es schwierig", erklärt der Veranstaltungsspezialist. Als Bremse wird ein beweglicher Knüppel montiert, der im Ernstfall in den Boden gerammt wird. Die Lenkung besteht aus Seilzügen und funktioniert über Umlenkung auf die Achsen. Außen wird der Flitzer mit Autoklebefolien ins entsprechende Design gebracht. Jedes Team präsentiert seine Seifenkiste vor dem Rennen und erklärt Ideen, Design und Rennstrategie. Wie bei der Formel 1 steht zunächst das Qualifying auf dem Programm, erst dann können sich die Boliden um den Sieg matchen.

Zum Schluss können die Seifenkisten noch einem guten Zweck gespendet werden. "Beispielsweise einem Kinderdorf oder einer karitativen Einrichtung", so Driza.

Bild: SN/ricky knoll
„Alle im Team arbeiten mit, jeder hat seine Fähigkeiten.“ Andreas Driza, Event-Profi

Verpackungskisten für Seifen
Der Name Seifenkiste (engl.: soap box) stammt aus den USA und wurde vom US-amerikanischen Zeitungsfotografen Myron E. Scott von der "Daily News" in Dayton geprägt, als er Jugendliche im Jahr 1933 beim Basteln von Kinderautomobilen fotografierte. Sie verwendeten hölzerne Verpackungskisten, in denen Firmen Seifen und Käse an den Einzelhandel lieferten, aber auch ausrangierte Kinderwagen, Blechwannen und Ähnliches für ihre "soap boxes".

Aufgerufen am 20.10.2021 um 07:02 auf https://www.sn.at/leben/seifenkisten-anpacken-im-team-und-dann-los-107605009

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