Leben

Skateboarden: Adrenalin schießt durch den Körper

Auf dem Brett dahinfetzen und durch die Lüfte fliegen - das ist für Skateboarder ein Lebensgefühl. Sie kämpfen dafür, dass ihr Sport, der koordinativ wie auch konditionell fordert, in Österreich anerkannt wird.

Nach jahrelangem Training beherrscht Max Buttinger auch schwierige Tricks auf dem Skateboard, so wie hier den „FS (frontside) Indy“. SN/schnabler
Nach jahrelangem Training beherrscht Max Buttinger auch schwierige Tricks auf dem Skateboard, so wie hier den „FS (frontside) Indy“.

Tief atmet Max Buttinger durch, er lockert seinen Körper, sein Blick ist fokussiert. Dann rollt er auf seinem Skateboard los, hinein in die Grube und den Abgrund hinunter. Die immense Beschleunigung nutzt der Salzburger, sobald er auf der anderen Seite der Grube wieder hinaufrollt - und springt in die Lüfte, die rechte Hand am Brett, der linke Arm gestreckt in der Luft. Es ist einer von vielen Tricks, die Buttinger am Skateboard und in der Luft beherrscht. Er ist Mitglied von Rollbrett - einem Verein, der sich bereits seit 20 Jahren für die Skateboardszene in Salzburg starkmacht. Ursprünglich von zwei Männern gegründet, besteht der Vorstand nun aus fünf Männern und einer Frau. Einer von ihnen ist Gregor Nußbaummüller. "Das ursprüngliche Ziel war damals, eine Skaterhalle in Salzburg zu organisieren", sagt der 31-Jährige, "leider hat das langfristig nicht funktioniert."

Skateboardpark platzt aus allen Nähten

Denn Fläche zum Skateboarden ist in Salzburg wie auch in ganz Österreich rar - in den wenigen und oftmals kleinen Parks tummeln sich die Skateboarder zuhauf, was den Sport nicht einfacher gestaltet. Mit dem "Cage", einem überdachten und eingezäunten Skateboardpark, wurde für die Skateboarder in Salzburg 2014 ein Traum wahr. Ein Traum, den sich die Rollbrett-Mitglieder hart erkämpft haben, erzählt Nußbaummüller. "Uns war wichtig, eine gewisse Fläche nutzen zu können, damit wir auch wirklich eine Chance haben, den Sport zu leben." Der Cage ist bereits gut besucht, "tatsächlich platzt er aus allen Nähten". Aus diesem Grund wünschen sich Nußbaummüller und seine Kollegen dringend weitere Skateboardflächen für Salzburg.

Jeder kann mitmachen

Am Geländer herunterzusliden ist ein beliebter Trick. SN/schnabler
Am Geländer herunterzusliden ist ein beliebter Trick.

Es sei die Vermischung von Lifestyle, Kultur und Sport, die Skateboarder auf der ganzen Welt fasziniere, beschreibt Nußbaummüller, der selbst Kurse gibt. "Es geht nicht darum, über eine immer höhere Hürde zu springen oder überhaupt eine besondere Leistung zu erbringen", sagt der Salzburger, "wir sind eine Gemeinschaft, in der jeder mitmachen kann, der möchte, und in der wir gemeinsam unsere Leidenschaft feiern." Menschen jeden Alters, jedes Geschlechts, jeder Herkunft und in jeder körperlichen Verfassung seien herzlich eingeladen, sich bei den Einführungskursen an dem Sport auszuprobieren. Selbst Kleinkinder weisen Nußbaummüller und seine Trainerkollegen in den Sport ein - "am besten ist es allerdings, wenn die Kinder schon selbst auf die Toilette gehen können". Die meisten Menschen, die man im Cage ihre Runden drehen und Tricks probieren sieht, sind zwar keine Kinder mehr, aber jung. Der Altersdurchschnitt bei den 45 Mitgliedern im Verein Rollbrett liegt bei 23. Die Männer sind in der Mehrzahl - eine Tatsache, die der Vorstand ändern möchte. Um auch Mädchen und Frauen für den Sport zu begeistern, veranstaltet er für diese eigene Kurse und Wettbewerbe.

Großes Ziel: ein Landeszentrum

Lang wurde Skateboarden in Österreich nicht als Sportart anerkannt. Seit es jedoch seit zwei Jahren zu den olympischen Disziplinen zählt und Teil der heuer stattfindenden Olympischen Sommerspiele in Tokio sein wird, verändert sich das allmählich. Gemeinsam mit vier weiteren Skateboardvereinen in Salzburg gründeten Nußbaummüller und seine Kollegen den Salzburger Skateboard Landesverband. Die großen Ziele: ein Landeszentrum für den Skateboardsport und eine Trainerausbildung für Skateboarden in ganz Österreich, "aktuell gibt es nur den Übungsleiter".

Skateboarden ist Ganzkörpertraining

Die „Bowl“ im Cage Salzburg. SN/schnabler
Die „Bowl“ im Cage Salzburg.

In den Skatersport hineinzukommen sei nicht schwer, sagt Nußbaummüller, "natürlich hilft eine gewisse Grundsportlichkeit. Doch diese baut man beim Skateboarden auch auf, es ist ein anstrengender Ausdauersport." Gleichgewichtssinn, motorische Fähigkeiten und der ganze Körper seien beim Training intensiv gefordert. Gefährlich sei der Sport nicht, wenn man ihn richtig erlerne und Helm sowie Schützer trage. Für Stürze, zu denen es natürlich trotzdem immer wieder komme, lerne man, sich abzurollen. "Damit ist das Skateboardtraining auch eine hervorragende Sturzprophylaxe."

Rasches Erlernen einfacher Tricks

Wer sich auf dem Skateboard bereits sicher fortbewegen kann, dem steht eine breite Auswahl an Tricks zur Verfügung, die die nächste Herausforderung darstellen. Switch, Drop-In, Tic-Tac, Ollie - so heißen nur ein paar jener Kniffe, die auch Neuzugänge auf dem Brett relativ rasch beherrschen können. "Wer will, kann so einen Trick auch an einem Tag lernen", sagt Nußbaummüller.

Das Wiederaufstehen, wenn etwas nicht gelinge, sei die wertvollste Lektion beim Skateboarden, sagt Max Buttinger. "Das lässt sich sehr gut auf das Leben übertragen: Man lernt, sich Mut und Freude zu bewahren und niemals aufzugeben."

Infos: www.rollbrett.at

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