Leben

Taschen spielen eine tragende Rolle

Diamanten sind schon länger nicht mehr "a girl's best friend". Dieser Titel gebührt Handtaschen - öffentliche Begleiter, die immer auch ein Stück Privatleben im Gepäck haben.

Die irakisch-britische Architektin Zaha Hadid (1950-2016) antwortete auf die Frage, was sie mitnehmen würde, um ein Hotelzimmer zu ihrem Zuhause zu machen: "Meine Handtasche."

Mehr als nur Modeaccessoires

Auch für Eva Buchleitner, die seit 1999 Mode macht und seit 2010 Taschen unter dem Label Eva Blut (www.evablut.com) designt, geht die Bedeutung einer Tasche über ihren praktischen Nutzen hinaus: "Eine Tasche kann ein Objekt sein, das unterstützt oder aber belästigt. Sie ist ein sehr privater Raum, der mit dem Körper eng verbunden ist, und hier herrscht reger Austausch. Denn die Tasche ist ein Gebrauchsgegenstand, der genauso stark über die öffentliche Wahrnehmung bestimmt wie Schuhe. Ob ich eine Clutch trage oder einen Rucksack, macht einen großen Unterschied", sagt die Designerin. Für Ina Kent, die unter dem gleichnamigen Label (www.inakent.com) seit 2007 Handtaschen fertigt, haben Taschen schon deshalb eine Sonderstellung, weil sie "im Gegensatz zu anderen Accessoires auch einen Inhalt haben, der immer mysteriös bleiben wird. Eine Tasche ist etwas ganz Persönliches, verpackt für die Öffentlichkeit." Und Julia Skergeth (www.juliaskergeth.com), die seit 2016 Taschen unter ihrem Namen entwirft, findet sie faszinierend, weil "man sie im Alltag braucht, weil sie ein Outfit total verändern können, weil sie funktional und zugleich Kunst sind". Sehr reizvoll sei es, die Strenge geometrischer Formen mit der Sinnlichkeit von Leder zu vereinen.

Nachhaltigkeit ist Trumpf

"No Waste" heißt die neue Kollektion bei Eva Blut, deren Modelle aus Verschnitten der letzten Jahre entstanden sind. "In der Lederverarbeitung gibt es viel Verschnitt, den haben wir immer gehütet", sagt Buchleitner. "Leder ist eine gewachsene Struktur, darum muss man beim Zuschnitt Unregelmäßigkeiten ausweichen." Derzeit gebe es kein Material, das so sinnlich, belastbar und reparabel sei wie Leder. "Und solange Menschen Fleisch essen, wäre es Ressourcenverschwendung, die tierische Haut nicht zu Leder zu verarbeiten." Auf der Suche nach Alternativen ist sie in einem dynamischen Austausch mit dem Institut für Materialchemie der Universität Wien, wo an Ersatz aus Myzel (aus Pilzen) geforscht wird.

Ina Kent hat die vergangene Zeit genutzt, um Grundsätzliches zu überdenken: "Was ist wirklich wertvoll, was ist Belastung?" Das Ergebnis: "Eine neue Wichtigkeit von Langlebigkeit und eine neue Wertigkeit." Beim Design legt sie seit jeher Wert darauf, etwas zu machen, das generationenübergreifend ist, und versucht, Multifunktionalität, wie man sie aus dem Sport und dem Outdoor-Sektor kennt, in die Welt des Designs zu bringen. So wird eine Schultertasche mit einem Griff zu einem Rucksack. "Gute Materialien, puristisches Design - nicht die komplette Versimplifizierung der Funktion -, kleine Details, das ist mir wichtig." Auch der Reparaturgedanke sei derzeit sehr stark. "Von einer Tasche trennt man sich ja nicht so leicht. Manchmal kommen Taschen, Einzelstücke, die ich vor 15 Jahren genäht habe."

"Die Mode verändert sich in sich selbst, es gibt ein großes Umdenken. Das ist eine große Chance für Labels, die ohnedies so arbeiten", sagt Eva Buchleitner.

Aufgerufen am 06.12.2021 um 07:43 auf https://www.sn.at/leben/taschen-spielen-eine-tragende-rolle-112279573

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