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Wie die Schlafdauer das Infarktrisiko beeinflussen kann

Sowohl zu wenig als auch zu viel Schlaf kann das Herz-Kreislauf-System negativ beeinflussen. Dabei kommt es auch auf die Schlafqualität an.

Wesentlich sind beim Schlaf die Dauer und Qualität. SN/adobe stock/valenty
Wesentlich sind beim Schlaf die Dauer und Qualität.

Oft wird ein gesundes Leben durch gesunde Ernährung und ausreichend Bewegung definiert. Dabei ist schon seit längerer Zeit bekannt, dass genügend Schlaf eindeutig zu einem gesunden Lebensstil gehört. Eine neue Studie zeigt, dass sogar Nichtraucher, die sich gesund ernähren und Sport betreiben, ihr Herzinfarktrisiko durch zu wenig, aber auch durch zu viel Schlaf erhöhen können.

Wir verbringen ein Drittel unserer Lebenszeit mit dem Schlafen. In dieser Zeit kann der Mensch sich weder mit der Nahrungssuche noch mit der Fortpflanzung beschäftigen, geschweige denn sich durch Flucht und Verteidigung vor Gefahren schützen. Nichtsdestotrotz spielt der Schlaf eine wichtige Rolle, die das Überleben unserer Vorfahren sicherstellte.

Heute wissen wir, dass ausreichend Schlaf auch für die Gesundheit von grundlegender Bedeutung ist. In den vergangenen Jahren konnte in verschiedenen Studien bereits gezeigt werden, dass sich zu wenig Schlaf schädlich auf die Entwicklung, die kognitiven Fähigkeiten und die Lebenszeit auswirken kann.

20 bzw. 34 Prozent höheres Risiko

Neueste Erkenntnisse lassen darauf schließen, dass Schlaf auch das Herz-Kreislauf-Risiko beeinflusst. Eine Studie aus dem "Journal of the American College of Cardiology" zeigt einen Zusammenhang zwischen unzureichendem Schlaf und einem erhöhten Herzinfarktrisiko. Nach der Auswertung der Daten von fast einer halben Million Menschen stellte sich Folgendes heraus: Im Vergleich zu denen, die sechs bis neun Stunden pro Nacht schliefen, hatten die, die weniger als sechs Stunden schliefen, ein 20 Prozent höheres Risiko eines Herzinfarkts. Noch stärker wirkte sich dies für Menschen, die mehr als neun Stunden schliefen, aus. Hier stieg das Herzinfarktrisiko um 34 Prozent.

Die Wissenschafter nehmen an, dass der Schlafmangel zur Bildung von Ablagerungen in den Blutgefäßen und zu Entzündungsprozessen führen kann. Die Studienautoren spekulieren, dass der lange Schlaf zu einem niedrigeren Blutdruck, einer erhöhten Blutgerinnung oder einer größeren Gefahr für Thrombosen führen kann.

Allerdings gibt es Grund zur Hoffnung auch für diejenigen, die Herz-Kreislauf-Störungen in der Familie haben. Bei Menschen mit einer genetischen Veranlagung für Herzerkrankungen wurde das Risiko eines Herzinfarkts durch sechs bis neun Stunden Schlaf um 18 Prozent gesenkt. Ein gesunder Schlaf kann daher genauso das Risiko senken wie eine gesunde Ernährung, Sport und Nikotinverzicht.

In einer anderen Studie aus der Schweiz wurden Menschen nicht nur über den nächtlichen Schlaf befragt, sondern auch über Nickerchen. Sie zeigte, dass ein bis zwei Nickerchen pro Woche das Risiko einer Herz-Kreislauf-Erkrankung fast zur Hälfte verringern können im Vergleich zu Menschen, die untertags gar nicht schlafen. Interessanterweise hatten weder Anzahl noch Dauer der Nickerchen Einfluss auf das Herz-Kreislauf-Risiko.

Ein Nickerchen tagsüber ist für das Herz auch gut

Österreicher und Österreicherinnen schlafen durchschnittlich 7,2 Stunden pro Tag. Wesentlich ist aber nicht nur die Schlafdauer, sondern auch die Qualität des Schlafs. Um eine gute Schlafqualität zu erreichen, sollte auf die richtige Schlafhygiene geachtet werden. Der Schlafrhythmus sollte regelmäßig sein, das heißt: jeden Tag zu einer ähnlichen Uhrzeit aufstehen und auch ins Bett gehen. Empfehlenswert ist auch, ein entspannendes Schlafritual zu haben, wobei vor allem elektronische Geräte wie Handy und Computer aus dem Schlafzimmer ausgeschlossen werden sollten. Diese wirken mit ihrem blauen Licht gegen die natürliche Produktion von Melatonin, auch bekannt als das schlafinduzierende Hormon, und können so zu Einschlafproblemen beitragen.

Das Schlafzimmer sollte angenehm kühl, ruhig und dunkel sein. Abends sollte man auf Alkohol, Nikotin und schwere Mahlzeiten verzichten. Gelegentlich kürzer oder auch länger zu schlafen ist kein Problem, solange man meistens auf sechs bis neun Stunden Schlaf kommt.

Fritz Hoppichler ist ärztlicher Leiter der Barmherzigen Brüder in Salzburg und Vorstand von SIPCAN (Initiative für gesundes Leben).

Aufgerufen am 22.01.2022 um 07:15 auf https://www.sn.at/leben/wie-die-schlafdauer-das-infarktrisiko-beeinflussen-kann-114656803

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